Christian Friedel kennen viele wohl vor allem als Schauspieler in großen Produktionen wie „The White Lotus“, „Das Weiße Band“ oder „The Zone Of Interest“. Mit seiner Band Woods Of Birnam, bei der auch vier Musiker von Polarkreis 18 mitspielen, veröffentlicht er nun den Soundtrack zur Inszenierung von Stanislaw Lems Roman „Solaris“. Und wie es sich für einen SciFi-Klassiker gehört, wird es hier gigantisch groß.

Seit der Roman 1961 veröffentlicht wurde, machte er unter Sci-Fi-Fans seine Runden und wurde häufig verfilmt und auf Bühnen aufgeführt. Die Story dreht sich um die Suche nach extraterrestrischem Leben auf dem Planeten Solaris. Statt grünen Männchen wird dieses Leben im sich bewegenden ‚Ozean‘ vermutet, der einen Großteil der Oberfläche bedeckt. Diese sehr epische Reise und Auseinandersetzung mit der Suche nach mehr wird nun von Woods Of Birnam vertont.

Friedel selbst inszeniert das Stück für das Schauspiel Frankfurt und führt dieses gemeinsam mit seiner Band auf Tour durch Deutschland. Aber selbst ohne all dieses Hintergrundwissen könnte man hinter „Solaris“ eine derart gigantische Einbettung erwarten – denn inmitten von elektronischen Sphären und sanften Gesangsflächen entstehen die Bilder ferner Galaxien wie von selbst.

Passend zum Storytelling laden Woods Of Birnam bei dieser Reise zu immer neuen Szenerien ein: „Lucid Dream“ ist da noch ein sehr vager, mysteriöser Akt, der vor Friedels hoher, in Hall getauchter Stimme in transzendentale Ebenen steigt.

Aber es geht auch anders: „Your Eyes“ etwa baut sich bedächtig auf, um schließlich einen galaktischen Clubbing-Vibe heraufzubeschwören. Die Andersartigkeit dieser erzählten Welt findet sich in den elektrischen Klängen des Quintetts immer wieder.

Gleichzeitig wird die textliche Suche nach organischem Leben sehr spannend von der synthetischen Musik konterkariert, was das Sci-Fi-Genre als solches musikalisch auf den Punkt bringt.

Auch emotional kann das Album schon ohne zugehörige Inszenierung begeistern: Wenn etwa die kühlen Zahlenabfolgen in „Polytheria“ von weichen Synthies und Sätzen wie „Zwei Sonnen spiegeln sich in meiner Haut“ abgelöst werden, hat das etwas Ergreifendes.

Dieses Momentum findet seinen Höhepunkt in „100 Schlüssel“, das die eigene Ausweglosigkeit und Überforderung, der der Menschheit auch auf unserem Planeten sehr nah ist, in starker Bild- und Tonsprache ausdrückt. „100 Schlüssel am Bund, aber du weißt nicht wofür“ singt Friedel hier und zeigt:

Dieses Album sollte für alle Sci-Fi- und Atmosphäre-Fans unbedingt auf den Wunschzettel kommen.

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