Wer sich auf „Beautiful Madness“ einlässt, begibt sich auf eine Traumreise – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Das Debütalbum der norwegischen Alt-Pop-Künstlerin Bellefolie lädt dazu ein, die Augen zu schließen und sich treiben zu lassen durch wolkige Soundlandschaften, in denen sich zeitgenössischer Elektro-Pop und französisches Chanson die Hand reichen.
Der Albumtitel könnte passender kaum sein: Mal überwiegt das „Beautiful“, mal das „Madness“ – und genau in diesem Spannungsfeld entfaltet die Musik ihre Wirkung.
Bellefolie, die ihre prägenden Jahre zwischen der norwegischen Westküste und Paris verbrachte, verbindet rohe Intensität mit poetischer Klarheit. Ihr französisch inspirierter Künstlername – „schöne Verrücktheit“ – ist Programm.
Im Zentrum des Albums steht „Modern Apathy“, ein Track, der die emotionale Erstarrung unserer Zeit in Klang übersetzt: Wenn die Welt am Abgrund steht, man selbst aber nichts mehr fühlt. Von dieser Lähmung aus entwickelt sich eine spielerische musikalische Reise zurück ins Fühlen.
Bellefolie beweist über zehn Songs hinweg, dass sie Melodien schreiben kann, die im Ohr bleiben:
„Your Gates“ wechselt zwischen intimen, geflüsterten Strophen und einem epischen, geradezu heroischen Refrain, der sich aufschwingt wie ein Vogel. Bei „In The Clouds“ hören wir sogar pompöse Trompeten, während „Tiny Lullaby“ mit mysteriösen Streichern tatsächlich klingt, als würde man bereits träumen. Ein Highlight: „La Nuit Blanche“, ein auf Französisch geflüstertes Traumgebilde, das einen in andere Universen entführt.
Doch Bellefolie kann auch kantig: „Gray Area“ kommt basslastig und mit frechen, souligen Vocal-Licks daher, die an Banks erinnern. „Restless Nights“ wiederum klingt wie eine einsame Jazz-Sängerin in einer verlassenen Bar – experimentell, elektronisch, mit glockenartigen Synths, die aus der Tonart heraus- und wieder hineingreifen.
Diese unruhigen Nächte werden, inspiriert von Camus und Kierkegaard, nicht als Feind begriffen, sondern als treue Begleitung auf dem Weg zu Selbsterkenntnis.
Mit ihrer klaren, glockenreinen Stimme – irgendwo zwischen Björk und Aurora – führt Bellefolie durchs Album. Ihr entzückender Akzent und die französischen Spracheinlagen verleihen der Musik einen theatralischen Charakter, der bisweilen an Baz Luhrmanns Film „Moulin Rouge“ denken lässt.
Die Produktion ist exquisit: Akustische Gitarre, Klavier, fuzzy Jazz-Drums und viel atmosphärischer Hall schaffen einen roten Faden, dem man gerne folgt. Kein Song unter drei Minuten – erfrischend für eine Pop-Platte.
Mit „Beautiful Madness“ gelingt Bellefolie ein in sich geschlossenes Werk, das Widersprüche zulässt, fantastische Bilder evoziert und ihr außergewöhnliches Songwriting-Talent offenbart.
