„If You Go There, I Hope You Find It“ von The Paper Kites schmiegt sich an die Ohren wie eine bewusst zu dünn gestrickte Wollmütze. Sie wärmt ein wenig. Man merkt trotzdem ständig den Wind.
Das siebte Album der Australier beginnt mit großer Gelassenheit und kleinen Ambitionen. Die Musik klingt vertraut. Fast zu vertraut. The Paper Kites wissen genau, wie man niemanden verschreckt. Alles wirkt freundlich ausbalanciert. Selbst die leisen Momente bleiben höflich.
Der Sound ist so sauber, dass man fast nach Staub sucht. Jede Spur sitzt geschniegelt an ihrem Platz. Überraschungen gelten hier offenbar als schlechtes Benehmen.
Statt Spannung gibt es stetige Behaglichkeit. Statt Reibung hört man sanftes Einverständnis. Das ist angenehm und auf Dauer leicht einschläfernd. Die folkige Atmosphäre erinnert an Lagerfeuerromantik mit Zeitplan. Die Sterne funkeln pünktlich. Das Feuer knistert kontrolliert und nie zu laut. Emotionen werden vorsichtig serviert wie heißer Tee. Man darf nippen. Verbrennen soll sich bitte niemand.
„If You Go There, I Hope You Find It“ möchte gefallen und dabei nicht anecken. Das gelingt mühelos. Genau das wird zum Problem. Ironischerweise wirkt die große Ernsthaftigkeit fast komisch. Alles fühlt sich wichtig an. Nichts fühlt sich wirklich riskant an.
Die poetischen Ansätze der Band aus Melbourne bleiben in sicherer Distanz. Bilder werden angedeutet und sofort wieder weichgezeichnet. Man darf alles fühlen und nichts hinterfragen.
Die Hörer*innen werden insgesamt nicht gefordert, sondern umsorgt. Das Album hört zu. Es widerspricht nie. Die Gleichförmigkeit entwickelt einen eigenen stillen Biss. Man wartet auf einen Ausbruch. Man bekommt stattdessen einen freundlichen Blick.
Für Nebenbei-Momente ist die Musik von „If You Go There, I Hope You Find It“ ideal geeignet. Sie begleitet einen entspannt beim Autofahrten und Staubsaugen. Sie beansprucht keinen Raum. Man kann das als Qualität verstehen. Man kann es aber auch als Mutlosigkeit lesen. Beides fühlt sich hier richtig an.
„If You Go There, I Hope You Find It“ hinterlässt ein höfliches Lächeln. Es bleibt nicht lange. Es tut auch nicht weh.
