Michael Moravek hat heute seine neue Single „Postkarte Aus München“ veröffentlicht. Das Musikvideo dazu feiert ebenfalls heute bei MusikBlog Premiere. Der Song stammt von seinem neuen Album „GEORG“, das am 10. April via TYXart erscheint.
Michael Moravek hat sich was getraut. Der Songwriter, der bislang vor allem auf Englisch unterwegs war und zuletzt mit „Night Songs“ (2025) für den Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik nominiert wurde, widmet dem schwäbischen Widerstandskämpfer Georg Elser sein erstes deutschsprachiges Album.
Die Single „Postkarte Aus München“ gibt schon mal den Ton vor: nachdenklich, poetisch, und mit einer Dringlichkeit, die einen nicht so schnell loslässt.
Als Elser am 8. November 1939 an der Konstanzer Grenze festgenommen wurde – Teile eines Zeitzünders in der Tasche, die Bombe im Bürgerbräukeller bereits tickend –, fand sich bei ihm auch eine leere Postkarte, die er an seinen Vater schreiben wollte. Den Vater, der trank und schlug. Was hätte er ihm geschrieben? Diese Frage ist das Herz des Songs.
Das Album „GEORG“ ist das erste seiner Art: Laut der Georg-Elser-Gedenkstätte Königsbronn ist Michael Moravek der erste Künstler, der Elser ein vollständiges musikalisches Werk widmet.
Zehn Songs und ein Zither-Instrumental fügen sich zu einem Album, das zwischen Folk, Jazz und Americana schwebt – eingespielt mit seiner Band Electric Traveling Show, zu der unter anderem eine Viola, ein Banjo und eine zweite Stimme gehören. Ein Sound, der locker klingt, aber tief trifft.
Zum Song gibt es ein Musikvideo, das selbst ein kleines Kunstprojekt ist. Der Videokünstler Thomas Fuchs hat mithilfe generativer KI Georg Elser buchstäblich aus einer historischen Fotografie heraus zum Leben erweckt.
Die Bilder orientieren sich am Kino der 1930er Jahre: warm-entsättigt, surreal, mit tickenden Uhren und Raben am Fenster, die als Unheilsboten Elser auf seinem letzten Weg begleiten – für ihn unsichtbar, nur für die Zuschauenden sichtbar.
Auch Elsers Reise entlang der Bodenseepromenade in Friedrichshafen, seine letzte Zugfahrt, sein Besuch beim Friseur kurz vor der Verhaftung – all das wird in nachempfundenen Bildern aus alten Postkarten der 1930er Jahre lebendig.
KI also nicht als Spielerei, sondern als Werkzeug – präzise eingesetzt, manuell nachbearbeitet, dem Menschen verpflichtet. Michael Moravek selbst beschreibt seine Haltung gegenüber KI als „mindestens skeptisch bis ablehnend“ – und hat sie trotzdem genutzt.
Manchmal braucht es eben den richtigen Anlass, um alte Überzeugungen zu hinterfragen. Georg Elser wusste das auch.
