Puristisch und poetisch. Damit könnte man die Musik des schwedischen Singer/Songwriters Josè Gonzàlez am besten beschreiben. Auch auf seinem sechsten Soloalbum „Against The Dying Of The Light“ verwendet er diese Erfolgsformel.
Der Sohn argentinischer Einwanderer ist bekannt für seinen ruhigen und sanften Gesang und den reduzierten Instrumenteneinsatz. So begleitet er seine lyrischen Texte meist nur mit der Gitarre. Da González neben seiner Solokarriere auch als Filmkomponist und als Stimme der Indie-Band Junip aktiv ist, hat er wohl genug andere Tätigkeitsbereiche, in denen er sein musikalisches Spektrum erweitert.
Was von Anfang an in den Bann schlägt, ist Josés filigranes Fingerpicking-Gitarrenspiel, das mal mehr, mal weniger temperamentvoll seine Reflexionen begleitet.
Ob er sich nun Gedanken über die Menschheit im Allgemeinen oder seine eigene Zukunft macht, auf „Against The Dying Of The Light“ behält José González seinen – fast schon missionarischen – Eifer bei, mit Mut und Güte auf das Leben zu blicken. Auch, wenn sein Blick weg vom eigenen Leben hin zur Gesellschaft geht und er auch politische Themen nicht außen vor lässt.
So wird der Opener „A Perfect Storm“ bereits zur Mahnung an die Gesellschaft, nicht die Kontrolle zu verlieren, bei all den Krisen und Spannungen, die aktuell auf der Welt herrschen.
Der pure Optimismus webt sich durch das sanfte Gitarrenspiel von „Etyd“, das – auf Folk ausgerichtet – Gonzàlez‘ weichen, erzählerischen Gesang bezirzt.
Der von Dylan Thomas‘ Gedicht „Do not go gentle into that good night“ inspirierte Titeltrack „Against The Dying Of The Light“ versteht sich als Mutmacher und eines der aufgeweckteren Werke des Albums. So wirkt Gonzalez‘ hohe Gesangsstimme hier wie das Licht, das sich hell durchs Dunkel dieser Zeit bricht.
Das ist puristisch und wirksam, auf Albumlänge wird die Sanftmut aber auch zur Herausforderung. Hat „For Every Dusk“ noch einen kratzigen Country-Einschlag, wirkt „Sheet“ lediglich wie eine leicht gepitchte Version des eben gehörten.
Das folgende, in seiner spanischen Muttersprache vorgetragene, „Pajarito“ ist arg abgekürzt und „Ay Querida“ gibt uns das Gefühl, dem Regen beim Regnen zuzusehen. So wird es schwierig, die Aufmerksam über die Dauer auf die inhaltlich starken Texte zu legen.
„Losing Game (Sick)“ gibt sich rhythmisch drängend und zerrt am halleffekt-unterlegten Gesang, der dringend notwendig ist, um aus der einsetzenden Lethargie zu wecken, so dass man sich auf „U / Rawls Slöja“ den Herausforderungen nordischer Sprache stellen kann, die auch „Gymnasten“ bereichert.
„Just A Rock“ bereichert mit seiner unausweichlichen, belebenden Dynamik im Saitenspiel und mit eindringlicher Stimme, die auf „You & We“ einem gebetsartigen Säuseln weicht.
„Joy (Can´t Help But Sing)“ darf sich abschließend nochmal im perfekten Zusammenspiel aus Lyrik und minimalistischem, purer Akustik üben.
Das Album „Against The Dying Of The Light“ ist wie der Kerzenschein im dunklen Raum. Erhellend und sanft flackernd im Dunkel, das die Welt umgibt, vermag es durchaus Mut zu machen. Nur gilt es, dann und wann auch mal ein größeres Feuer zu entfachen, um den Optimismus in Begeisterung zu verwandeln.
