Was macht einen Menschen zum Menschen? Und was ist eigentlich Glück? Mit diesen und anderen philosophischen Fragen im Gepäck feiert Robyn über sieben Jahre nach „Honey“ ihr Album-Comeback. „Sexistential“ lautet der Titel ihres vielschichtigen neuen Werks.

Ihrer Grundidee, tiefgründige Texte mit tanzbaren Beats zu verknüpfen, bleibt die 1979 als Robin Miriam Carlsson geborene Künstlerin dabei treu. „I need philosophy, this shit is existential”, heißt es im Titeltrack – Grund genug, tiefer in das neue Album einzutauchen.

Zeit, um sich im dichten Soundgewebe zurechtzufinden, bleibt aber kaum. Der Opener „Really Real“ setzt mit einem von blubbernden Effekten und einem trockenen Kick begleiteten Basslauf ein. Robyns Stimme wechselt dabei zwischen funkelnd klar und robotisch verzerrt.

Diese immer wieder bewusst eingesetzte Künstlichkeit grundiert die schon im Eröffnungsstück angeklungene Frage, was eigentlich wirklich real ist in unserer Welt. Das Spannungsfeld von Echtheit und Einbildung wird auch im weiteren Verlauf des zusammen mit Klas Åhlund produzierten Albums immer wieder aufgegriffen.

Das zweite Stück von „Sexistential“ beschäftigt sich mit einem sogenannten Glückshormon. Die flackernden, pulsierenden Elektro-Beats auf „Dopamine“ befeuern die von Verlangen und Verzweiflung durchdrungenen Lyrics. „I know it’s just dopamine / But it feels so real to me.”

Die Frage nach der Echtheit des Lebens wird hier um den Drang des spätmodernen Menschen ergänzt, jede Tätigkeit des Lebens vermessen zu wollen. Wenn jegliches Gefühl bloß Spiegelbild unseres Hormonhaushaltes wird – was bleibt vom Menschen dann übrig?

Der Omnipräsenz von Erklärungsansätzen und technischen Hilfestellungen erteilt die einflussreiche Schwedin eine deutliche Absage. Ihre Plädoyers für Sinnlichkeit und Hingabe bleiben aber dennoch – auch dank ihrer ins Unverhohlene kippenden Lyrics wie auf „Blow My Mind“ – stets in der Schwebe.

Mit ihrem neunten Studioalbum (wenn man die „Body Talk“ Minialben separat zählt) gelingt Robyn eine eindrucksvolle Rückkehr ins Rampenlicht der Aufmerksamkeit. Während auf der Oberfläche der neuen Stücke getanzt werden darf, kann man sich am inhaltlichen Kern der Texte bestens die Zähne ausbeißen.

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