Im Kontrast zum in der Vorwoche veröffentlichten Thundercat-Album verschmelzen Mamas Gun ihren weichen Funk-Soul und ihren elastischen Yacht-Pop, ohne auf der Stelle zu treten. Bei ihnen treibt diese Mischung nach vorne, „DIG!“ wirkt anregend.
Das Ensemble formierte sich vor knapp 20 Jahren auf Initiative des Sängers Andy Platts. Mittlerweile ergänzt er das gemeinsame Treiben durch ein zweites Projekt mit stilistisch ähnlicher Ausrichtung, Young Gun Silver Fox. Als Mamas Gun hat er bereits vier Studio-LPs mit eigenem Material, und je ein Live-, ein Cover- und ein Remix- und Demo-Album herausgebracht.
So sehr das Quintett auch nach US-Westküste klingt, kommen die Retro-Freunde aus London und erscheinen auf einem Hamburger Label, Légère. Aus Kalifornien stammt der Begriff Yacht-Pop oder Yacht-Rock, der darauf referiert, in der Bay ein entspanntes Leben ohne Sorgen zu führen, stets mit Blick auf Wasser und Weite.
„Life is beautiful“, lautet die Losung entsprechend im Song „First Time (In A Long Time)“, dessen Arrangement einen akustischen Regenbogen malt. Die Platte soll in besorgniserregenden Zeiten Trost spenden. Ein bisschen Wehmut mischt sich in die Harmonien gleichwohl mit hinein.
Der Yacht-Stil bezieht sich entstehungsgeschichtlich auf die Southern-Rocker Doobie Brothers sowie jazzaffine Gruppen wie Steely Dan. Deren Hineinmischen von Soul in andere Kontexte und in entspannte, aber rhythmisch pfiffige Keyboard-Musik spiegelt sich auch im sechsten Album von Mamas Gun.
Prägend für die transatlantisch wirkenden Briten zeichnen sich die warmen Töne aus Wurlitzer- und Hammond-E-Orgel aus. Entsprechende Passion Dave Olivers an den Tasten lässt sich etwa im Titeltrack „DIG!“ eine halbe Minute lang besonders gut heraushören, während der Gesang pausiert.
Auf der historischen Achse bemühen die Nostalgiker auch Versatzstücke, wie man sie schon in den Siebziger Jahren von The Spinners und The Delfonics vernommen hat.
An Bord ist sogar Brian Jackson, ein Kommilitone von Gil Scott-Heron, der an mehreren geschichtsträchtigen Songs und LPs des Spoken Word-Legende als Keyboarder, Flötist und Komponist mitwirkte. Seine Beteiligung setzt den i-Tupfer auf „DIG!“, einen Leckerbissen für Soul-Vinyl-Connoisseure.
Platts erklimmt beim Singen gerne die Falsett-Ebene, wie etwa in „Proof“ oder „Food For The Flames“. In der übersteuerten Aufnahme von „Wings“ macht er dagegen einen klagenden, teils dissonanten, beißenden Eindruck.
Diese Versatilität hält die Platte dynamisch und reizvoll.
