Für ihr fünftes Album „Train On The Island“ tut sich Aldous Harding erneut mit Produzent John Parish zusammen. Dabei entstehen solch wunderbar fragmentierte Stücke, als hätten sie sich phasenweise selbst unterbrochen.
Die Neuseeländerin, die als Hannah Sian Topp in Lyttelton geboren wurde, bezeichnet ihren Stil selbst gerne als Gothic-Folk – eine Mischung aus Folk, Indie und düsteren poetischen Elementen, was auch die Auswahl ihres Künstlernamens in Anlehnung an den Schriftsteller Aldous Huxley erklärt.
Für die Möblierung ihrer rätselhaften, literarischen Texte setzt sie auf „Train On The Island“ neben dem Kammerpop-Instrumentarium auf Pedal-Steel-Gitarren und Harfe.
Mit John Parish an den Reglern klingt dann die Summe dieser Teile zugleich reduzierter und verspielter als die Vorgänger. Gitarrenlinien tauchen auf und verschwinden, eine Harfe blitzt wie ein ironisches Zitat aus einer anderen Epoche auf, während Hardings Stimme das eigentliche Gravitationszentrum bleibt.
Wobei sie im Grunde nicht wirklich singt. Sie verkörpert vielmehr Figuren, Haltungen, manchmal nur Laute. In „One Stop“ etwa kippt eine scheinbar harmlose Melodie in eine verstörende Geste, als hätte jemand im falschen Moment gelächelt.
Und was hat es eigentlich mit diesem Chorus auf sich? Ist das ein Zitat von Jennifer Lopez? Zuzutrauen ist Aldous Harding alles, gesichert nur die wunderbare Unschärfe ihrer gezeichneten Bilder.
Man versteht nie so ganz, worum es geht, aber man spürt, dass es zählt. In einer Poplandschaft, die permanent Bedeutung behauptet, ist das fast schon ein subversiver Akt.
Was unmissverständlich bleibt in diesem verschachtelten Werk, ist dieses Gefühl von spröder Schönheit, die sich Harding bei PJ Harvey abgeschaut hat und wohl auch deshalb immer wieder auf deren Produzenten Parish zurückgreift. Im entschleunigten Titelsong tritt sie besonders zur Geltung.
Generell will diese spröde Schönheit freigelegt werden. Sie verspricht auch dann noch etliche explorative Durchläufe, wo bei anderen Songwriterinnen längst Ermüdungserscheinungen aufgetreten wären.

Ein Kommentar
Freu mich schon auf das Konzert in München … wird schon Konzert #6 sein.
Ebenso freue ich mich auf den Support Act … die großartige Vera Ellan mit Band, die bei mir zu Gast sein werden :-)