Es würde 2025 das letzte Mailfeld Derby sein. Das war im Vorfeld so angekündigt, entsprechend groß der letzte Besucherandrang vergangenes Jahr in Mannheim. Weil sich die Stadt nicht im Stande sah, die nötigen finanziellen Mittel aufzubringen, verlor der Südwesten Deutschlands augenscheinlich sein wichtigstes alternatives Musikfestival.
Doch bereits während des Open-Airs im letzten Jahr wurde gemunkelt, dass womöglich etwas Neues, in kleinerer Form entstehen könnte. Kurz nach Ende der Veranstaltung gibt es dann Gewissheit:
Eine eintägige Maifeld Edition in und vor der Heidelberger Halle 02 soll kommen. Die Tickets sind binnen kürzester Zeit ausverkauft. Das Interesse ist riesig, dabei weiß man noch so gut wie nichts über das Line-Up. Die Hoffnung, dass es doch irgendwie weitergeht, reicht als Zugpferd völlig aus.
Große Namen kommen im Vorfeld dann auch keine mehr. Noch nicht einmal mittelgroße. Am Ende steht ein Line-Up für Besserinformierte und jene, die blind auf das stilsichere Booking von Festival-Chef Timo Kumpf vertrauen und dafür am gestrigen frühen Nachmittag überpünktlich anreisen.
Bei hochsommerlichen Temperaturen startet die Open-Air-Bühne mit avantgardistischen Klängen, die einerseits herausfordern, andererseits mit Beat getriebenen Perccussions einen idealen Festival-Einstieg bieten.
Zu diesem Zeitpunkt sind die beiden Bühnen drinnen noch versiegelt. Die Besucher*innen drängen sich auf dem schmalen Korridor der kleinen Freiheit entlang der Halle 02 und strömen erst kurz vor Iedereen ins Schattige und den gut klimatisierten großen Saal. Das Duo aus Gitarre und Schlagzeug fegt dort mit ordentlich Bewegungsdrang durch seine kurzweiligen Punkrocknummern.
Parallel steigt draußen mit Artifical Go ein frühes Highlight. Spröde Retro-Avantgarde, aus Cincinnati, Ohio, von einer Band, die ordentlich The Velvet Underground inhaliert haben muss. Frontfrau Angie Willcut ist unter ihrer Mütze kaum zu sehen und textlich noch weniger zu verstehen.
Ganz im Gegenteil zu Dressed Like Boys, die im Saal für die wohl größte Überraschung des Abends sorgen. Hier ist alles auf Nachvollziehbarkeit getrimmt, wofür die Fähigkeiten innerhalb der Band auch mannigfaltig vorhanden sind. Dieses blutjunge Quintett hat von Pianoballaden, Glamrock-Einlagen, Gitarrensolos und einer gut dosierten Portion Pathos alles, um überschwänglich zu klingen.
Mit Reminiszenzen an Elton John, Billy Joel und Vampire Weekend steckt hier geballte Weltklasse in einer belgischen Talentschleuder, die mit ihrem Sänger und Pianisten und einem überragenden Gitarristen das meiste des Line-Ups in den Schatten stellt.
Angenehm ist zu diesem Zeitpunkt des Abends auch der spielerische Wechsel zwischen den Bühnen und somit den Temperaturen. In der Abendsonne, die zwischen den umliegenden Bürogebäuden und Parkhäusern das letzte bisschen Kultur in der Heidelberger Bahnstadt anstrahlt, geht die Punksause mit Bikini Beach weiter.
Ab jetzt ist es an dieser Stelle des Festivals so lauschig, dass viele den finalen Act Way Dynamic auf der Open Air Bühne abwarten, der hier nochmals eine ganz neue Note hineinträgt. Geige, Flöte, Eierrassel – alles Teil eines loungig, chilligen Elektrofolks, der als Sprungbrett für die elektronischeren Schlussakts in der Halle dient und in seiner entspannten Stimmung alles transportiert, was das Maifeld Derby immer schon auszeichnete.
Nein, die Ein-Tages-Edition ist kein Ersatz für das weggebrochene Original. Alles ist ein gutes Stück überschaubarer: Die Publikumszahl geringer, die Räume enger, die Acts kleiner. Und doch ist dieser eine Tag mehr als nur ein Trostpflaster. Mit ihm lebt die Hoffnung, dass es irgendwann vielleicht doch wieder weitergehen könnte mit dem Lieblingsfestival.








