„Die gibt es noch?“ und „Die machen noch Musik?“ sind bei vielen die ersten Reaktionen, kommt das südafrikanische Elektro/Hip-Hop-Gespann Die Antwoord zur Sprache.

Eine harte internationale Fan-Basis hat die Gruppe zwar immer noch, aber aus dem allgemeinen Bewusstsein „normaler“ Musikhörer*innen wurden sie recht erfolgreich verdrängt. Daher flog die Veröffentlichung ihres sechsten Albums „Zama Zama“ nicht nur an der breiten Masse, sondern auch größtenteils an der Fachpresse vorbei.

Dass Die Antwoord den Fokus ihrer Online-Präsenz in den vergangenen Tagen eher auf das gleichnamige „Micro-Drama“ statt auf ihr Album gelegt hatten, hat diesen Effekt eher noch bestärkt.

Da besagtes „Micro-Drama“ gleichermaßen Promo- und Musikvideos ersetzt, nun ein paar Worte dazu: Es handelt sich dabei um 16 kurze Videos im Reel-Format, in denen die beiden Frontpersonen Ninja und ¥O-LANDI VI$$ER eine bizarre Handlung um ihr selbstfahrendes Auto durchlaufen, das sich in einen Kampfroboter transformiert und Amok läuft.

Das meiste Gezeigte bleibt dabei irrelevant. Die titelgebenden Zama Zamas (Slang für illegale Goldgräber) treten zum Beispiel nur im Hintergrund auf. Wenn es nicht explizit angesprochen wäre, würde sogar an einem vorbeigehen, dass es eigentlich um neue Musik geht:

Die zehn Songs des neuen Albums kommen in den Videos als Soundtrack vor, entstehen aus der Handlung heraus oder werden zumindest beim Titel genannt. Sie gehen in relativ gewohnter Manier nach vorne, bleiben aber für das, was man von der Band bisher kennt, vergleichsweise zahm.

Alles Wichtige steckt drin: Holpernde Rap-Flows zwischen Englisch und Afrikaans („STIEK UIT“), fette Beats zwischen Techno und Hardstyle („MISFIT“) und ¥O-LANDI VI$$ER, die mit ihrer quietschigen Stimme klingt wie ein Wesen zwischen Spielzeugpuppe und Alien („HIPPIE“).

Die Mischung hatten Die Antwoord aber auch vor sechs Jahren mit „House Of Zef“ schon wahnsinniger, dreckiger und abgedrehter hinbekommen. Und nochmal vier Jahre vorher mit „Mount Ninji and Da Nice Time Kid“ wahrscheinlich so ikonisch wie nie wieder.

Sogar der Irrwitz der „Zama-Zama“-Videos kann nicht mit ihrem früheren audiovisuellen Output mithalten. Wann Staffel zwei erscheinen soll, ist bisher noch unbekannt.

Vielleicht werden Die Antwoord damit in ihrer Gesellschaftskritik expliziter und bringen die Zama Zamas noch richtig ins Spiel. In allen anderen Belangen kann sich die Band nicht mehr steigern, und wahrscheinlich wissen sie das auch selbst.

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