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Cypress Hill waren schon immer Grenzgänger. So war es ihnen immer möglich, Hip-Hop mit allen möglichen Geschmacksrichtungen von Pop bis Rock zu kreuzen, ohne dabei an Widersprüchlichkeiten zu zerschellen. Mit „Dios Bendiga“ (zu Deutsch etwa „Gott segne dich“) verhält es sich nun etwas anders.

Das 11. Album der kalifornischen Kombi ist kein Experiment, kein Versuch einer ungekannten Stilzüchtung mehr. Stattdessen beweisen die Kalifornier, dass sie durchaus in mehreren musikalischen Welten gleichzeitig leben können.

Dass die ersten erfolgreichen hispanics der internationalen Rap-Szene ein gesamtes Album auf Spanisch veröffentlichen, schienen komischerweise die Wenigsten erwartet zu haben. Vielleicht weil es im 39. Jahr der Bandgeschichte doch als radikal erneuernde Geste gesehen werden kann.

Vielleicht wurden alle Erwartungen nach dem orchestralen „Black Sunday Live At The Royal Albert Hall“ vom letzten Jahr auch bewusst zurückgeschraubt – aus Angst, man könnte eine weitere wahnwitzige Idee durch ihre bloße Erwähnung manifestieren.

„Dios Bendiga“ bleibt natürlich weniger bizarr als besagtes Live-Album. Die Fusion aus bandtypischem Old-School-Hip-Hop und modernen Latin-Pop-Klängen geht wenig überraschend stimmig auf. Wenn auch mal mehr in Richtung saftig scheppernder Beats („Voló“) oder mal mehr in Richtung gefällig tanzbarer Guiro- und Akkordeon-Rhythmen („Campeones“) gelehnt wird.

Die Flows (vor allem der von Rapper B-Real) sägen auf Spanisch noch mehr als auf bisherigen Platten, aber die umfangreiche Liste von Feature-Gästen bietet eine ganze Palette von Stimmen zum Ausgleich.

Zu hören sind neben Szene-Stars wie dem mexikanischem Rapper Alemán auch die altbekannten Kooperationspartner Mellow Man Ace und Sick Jacken, sowie einige aufstrebende Künstler*innen (zum Beispiel die mexikanisch-amerikanische Sängerin Poe Leos), die jetzt vielleicht ein bisschen kürzer auf den ganz großen Wurf warten müssen.

Das passt natürlich außerdem wunderbar zur aktuellen allgemeinen Begeisterung für lateinamerikanische Pop-Musik. Auch wenn dieses Album diesbezüglich gerade aus der Position von Cypress Hill konsequent kommt, darf man sich auch an der ein oder anderen Stelle fragen, ob „Dios Bendiga“ (zumindest klanglich) nicht auch von irgendeiner anderen Band hätte stammen können.

Insgesamt wird auch weniger gekifft und mehr gefeiert. Was wahrscheinlich auch dazu beiträgt, dass man sich das Album nicht unbedingt in Dauerschleife geben möchte. Zumindest nicht zu Hause. Und nicht alleine. Und nicht komplett nüchtern. Club-DJs aller Couleur sollten jedoch spätestens beim zweiten Track zittrige Finger bekommen.

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