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Kevin Atwater hat viel zu sagen. So viel sogar, dass er nur ein Jahr nach seinem Debütalbum „Achilles“ schon ein weiteres veröffentlichen kann. „Blush Red“ fällt zwar deutlich sanfter und weniger poppig als der Vorgänger aus, aber einige Punkte bleiben auch gleich.

Das Spiel mit Kontrasten zwischen Klangbild und Texten zum Beispiel bedient der Singer/Songwriter aus Downers Grove, Illinois erneut hervorragend. Während Akustikgitarren und Streicher dazu einladen, sich mit einer heißen Schokolade in weiche Decken einzukuscheln, schüttet sich Atwater über die komplizierten Seiten des Liebeslebens aus.

Das Ganze ist zwar lose als Geschichte angelegt, die sich innerhalb einer Nacht in einer Bar entfaltet, aber alle 13 Etappen klingen äußerst persönlich. Und außerdem wahnsinnig anstrengend. Trotzdem schafft der Musiker es, dabei so sympathisch zu wirken, dass man sofort für ihn Partei ergreifen möchte.

„Blush Red“ ist eines dieser Alben, das man sich am liebsten im Rahmen eines kleinen Keller- oder Kneipenkonzerts geben möchte. Mit überschaubarer Band, unverstärkten Instrumenten und schlechtem Licht. Allerdings neigt es (wie viele dieser Konzerte auch) dazu, ohne besondere High- oder Lowlights durchzulaufen.

Am ehesten fallen noch „I Don’t Want To Watch You Dance“ und „I’m Not Where You’re At“ heraus. Ersterer, weil er direkt mit elektrischem Fuzz reinklotzt und dank verhaltenem Piano trotzdem ruhig bleiben kann, und letzterer, weil der Song deutlich mehr abgeht als der Rest des Albums.

„Blush Red“ liefert Indie-Folk-Pop von genau der Sorte, über die man gar nicht so viel schreiben kann – oder vielleicht auch gar nicht sollte. Etwas daran aussetzen kann man eigentlich auch nur, wenn man dem Genre generell nichts abgewinnen kann. Lest am besten gar nicht erst weiter und hört stattdessen einfach selbst rein.

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