Musik die nach verr(a)uchten Clubs, zwielichtigen Gestalten und allerlei Gangstergeschichten klingt, kommt aus Brighton, England über den Kanal geschwappt. Opus Kink haben sich seit 2017 einen durchaus ehrenhaften Ruf erarbeitet, der sich auf energischen, theatralischen Liveauftritten gründet.
Zwar gehören blutige Mikrofone und gebrochene Rippen der Vergangenheit an, doch weiß das Sextett weiterhin mit seiner Mischung aus Jazz, Ska und Punk das Publikum zu überzeugen.
Herausstechendes Merkmal ist die Bläsersektion aus Trompete und Saxophon und Angus Rogers‘ rauer charakterstarker Gesang, der jeden Song so ein wenig nach Quentin Tarantino oder Guy Ritchie Filmsoundtrack klingen lässt.
Mit „The Sweet Goodbye“ legen die Briten Ihr Longplayerdebüt vor, auf welchem sie die komplette Stilbandbreite von Postpunk bis Jazz, von Folk bis hin zu Ska präsentieren.
Das verpasst zum Beispiel dem Opener „Come Over, Do Me Wrong“ mit seinem schrägen Bläserintro und dem strollenden Bass eine düstere Atmosphäre, auf der Angus Rogers‘ erzählerischer Gesang zur vollen Geltung kommt.
Dem schwarzen Humor zugewandt, spielt die Band mit den Abgründen der Zwischenmenschlichkeit aus toxischen Beziehungen, moralischen Abgründen und allerlei misfits in der Gesellschaft. So bekommt man über zehn Titel einen Einblick in die Gesellschaft der Brightoner Band, die sich mit anderen Musikern wie Fat Dog oder auch Shame gut messen kann.
„I’m A Pretty Showboy“ wird zum Bandmotto, lässt die Synthies schnell hinter sich und schwingt sich mit expressivem Gesang uptempo durch des Daseins jazzige Eitelkeiten, erweckt durch den chaotischen Bläsereinsatz.
Der Titeltrack mäandert breitbeinig durch die Gassen der Morbidität, nebelverhangen schwer hängt der erzählerische Gesang am theatralischen Soundkonstrukt. Die emotionale Achterbahnfahrt rund ums Verlassenwerden endet in einem shanty-artigem Männerchor, welcher den wahnwitzigen Albumcharakter nur weiter stärkt.
Herausragend findet sich „I Have To Shine My Sunday Shoes“ als jazziger Mix aus Chanson, versoffenem Intro und dadaistischem Minimal-Elektro im Kuriositätenkabinett wieder. Mehrstimmiger Gesang und Rogers‘ Entertainerqualitäten lassen die Leidensfähigkeit des Protagonisten vergessen, der „bleed for the money“ johlend den Berg hinaufrollt.
Erwähnenswert ist auch das mit The New Eves eingespielte „The Head Tree“. Die Bezeichnung „Wirrwarr“ trifft diesen Titel aus passionierten Bläsern und exzentrischem Gesang wohl am Besten, so wie man „448C ( The Colour Of Love )“ am besten als rastlos beschreibt.
So vermitteln Opus Kink schnell, dass ihr energiegeladener Sound auf den Bühnen live erlebt werden will. Der Duettgesang von „Crucify!“ spielt mit der fiebrigen Energie der Gitarren – unterstützt von aufspielenden Bläsern, die in einem chaotisch wirkenden Punkjazzwahnsinn und der abschließenden Feststellung „Oh, Irony“ zergehen.
Charakterstark, exzentrisch und theatralisch präsentieren sich Opus Kink wie Faith No More des jazzversetzten Punks. Der stete Wechsel zwischen Melodie und Chaos, erzählerischem Gesang und unkontrolliertem Gefühlsausbruch macht „The Sweet Goodbye“ zum hörenswerten, ironisch gestimmten Erlebnis.
