Yard-Act-Frontmann James Smith schien im Vorfeld zur Veröffentlichung ihres dritten Albums „You’re Gonna Need A Little Music“ äußerst optimistisch: “Ich glaube, das beste Material der meisten Bands entsteht so um das dritte oder vierte Album herum, wenn sie ihren Einflüssen wirklich entwachsen und ihren eigenen Stil gefunden haben.”
Ziel erfüllt! Besagten eigenen Stil hört man deutlich heraus, aber dessen Essenz in Worte zu fassen, ist ein zum Scheitern verurteiltes Unterfangen. Die 11 Songs klingen so vielfältig, dass sich jeder bloße Versuch in seiner kontra-intuitiven Paradoxie selbst verlaufen müsste. Und trotzdem macht die Band es möglich:
Sie klingen irgendwie anders, aber fahren ihre immer neuen stilistischen Ausflüge dabei mit souveräner Vertrautheit ans Ziel. Der Opener „Empty Pledges“ stimmt den allgemeinen Ton gleich passend an. Rotzig nölend, wahnsinnig monologisierend, schräg rumpelnd. Und obwohl man dazu sowohl schreien als auch weinen könnte, macht der Song unheimlich viel Spaß.
Auch der Titeltrack „You’re Gonna Need A Little Music“ macht mit stampfendem Disco-Flair gute Laune. Nur der düstere Gesang verbreitet Untergangsstimmung.
Für alle Fans ihrer früheren, sprechgesang-lastigeren Werke spitzt Smith seine lyrischen Pfeile und verschießt in „Thrill Of The Chase“ innerhalb nur einer halben Minute ein ganzes Arsenal. Der Flow ist schwindelerregend, die Treffer giftig.
In „Janey Said“ schaltet James Smith wieder einen Gang runter und läuft mit seiner inneren Stimme im Kreis. Auch ohne Text würde der Song zur Untermalung einer depressiven Phase taugen. Der gesamte Spaß der vorherigen Songs ist wieder verflogen.
Zwar bewegter, wenn auch nicht gerade fröhlicher, tangieren Yard Act mit „Redeemer“ im direkten Anschluss schwer absackenden Industrial- und Desert-Rock, bevor sie die komplette sensorische Überforderung von „You’re Gonna Need A Little Music“ in einem abschließenden Song auf den Punkt bringen:
„Over The Barrel“ geht mit leichtfüßigem Retro-Pop samt eierndem Piano ins Ohr; und dann der break. Die Gitarren klingen kaputter. Die Riffs laufen auf Doom-Metal-Geschwindigkeit. Das Klavier stört sich nicht an den immer lauter werdenden Zerr-, Zisch- und Fiep-Geräuschen. Alles wird immer schneller. Und noch schneller. Und bevor das Innenohr Brechreiz signalisieren kann, ist es schon vorbei.
Und dann steht man da. Gut durchgeschüttelt, zwar nicht überrascht, aber dennoch ein bisschen perplex über diese akustische Bombe und voller neu gewonnenem Tatendrang. Alle diese Beschreibungen treffen auf diesem Album auch auf Yard Act selbst zu.
