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Noch bevor bei Blond gestern Abend überhaupt der erste Ton erklingt, ist klar: Hier wird heute nicht einfach nur ein Konzert gespielt. Vor der Bühne der Kulturbrauerei Berlin wartet ein Publikum, das offensichtlich nicht gekommen ist, um still zuzusehen. Die Vorfreude sitzt tief, die ersten Fans sind längst im Konzertmodus.

Bevor der Vorhang fällt, sorgt dann das Blondinator-Gebet für den letzten Schub. Eine Mischung aus Ritual, Humor und kollektiver Einstimmung – und spätestens danach dürfte auch der letzte Zweifel verschwunden sein, was diesen Abend erwartet.

Mit „16 Jahre Blondes Haar“ eröffnet das Trio dann sein Open-Air und braucht genau einen Song, um die Menge endgültig auf seine Seite zu ziehen. Die Fans singen mit, tanzen und feiern von der ersten Minute an. Die Grenze zwischen Bühne und Publikum verschwimmt dabei erstaunlich schnell. Blond spielen nicht einfach ihre Songs, das Publikum nimmt sie auf und gibt sie direkt zurück.

Das passt zur Band. Blond verbinden Pop, Punk, Humor und eine gehörige Portion Selbstironie, ohne dabei beliebig zu wirken. Gerade live funktioniert diese Mischung besonders gut. Die Songs bekommen mehr Energie, die Pointen sitzen und aus einzelnen Liedern wird schnell ein gemeinsames Erlebnis.

Vor der Bühne dominiert ein auffallend weibliches Publikum. Die Fans sind textsicher, euphorisch und offensichtlich bestens vorbereitet. Natürlich stehen auch Männer zwischen all den Blond-Anhängerinnen, willkommen sind sie selbstverständlich – solange sie sich benehmen. Viel wichtiger als Geschlecht oder Alter ist an diesem Abend ohnehin eine andere Frage: Kannst du dich auf Blond einlassen?

Wer das kann, bekommt dafür einen Abend, der kaum Raum für Langeweile lässt. Nina, Lotta und Johann zeigen dabei, wie gut sie inzwischen als Team funktionieren. Die drei sind musikalisch bestens aufeinander eingespielt, ohne dass der Auftritt dadurch glatt oder vorhersehbar wirkt. Jeder Handgriff sitzt, gleichzeitig bleibt genug Platz für Energie und spontane Momente.

Als zweites Solo-Open-Air der aktuellen Tour wirkt der Abend entsprechend nicht wie ein vorsichtiger Ausflug auf die große Bühne. Blond wissen, was sie dort machen wollen – und nutzen den Raum konsequent.

Am Ende bleibt vor allem ein Eindruck: Die Chemnitzer funktionieren live. Vielleicht sogar noch besser als auf Platte. Die Band schafft eine Atmosphäre, in der man nicht lange Zuschauer*in bleibt, sondern ziemlich schnell Teil des Ganzen wird.

Ein Auftritt der drei gehört zu den Dingen, die man nicht nur hören, sondern erlebt haben sollte. Denn spätestens nach dem ersten Song ist klar: Bei Blond steht niemand lange still.

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