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Dinosaur Jr. sind keine prähistorischen Reptilien, allerdings haben sich J Mascis, Lou Barlow und Murph (mit Unterbrechung und Wiedervereinigung 2005) seit ihrer Gründung 1984 als echte Underdogs gehalten. Der ganz große Auftritt blieb ihnen bisher verwehrt, sie gelten aber als wichtiger Einfluss auf die Rockmusik der 90er Jahre.

„There Near“, das 13. Album arbeitet sich gerade an dieser Ära ab. Schon der Opener „Several Got Away“ setzt auf die verzerrten Gitarren und den leicht bräsigen, aber melodischen Gesang von J Mascis.

„There Near“ eröffnet auf 11 Tracks, warum Dinosaur Jr. mit als Vorreiter der Grunge-Welle der 90er gelten. Kurt Cobain bezeichnete J Mascis nicht umsonst als einen der wichtigsten Gitarristen seiner Generation und auch Billy Corgan ist unter den zahlreichen Bewunderern der Band.

Klar beeinflusst haben Dinosaur Jr. sicherlich Bands wie Built To Spill oder Pavement und Eddie Vedders Gesang erinnert wohl auch nicht von ungefähr an J Mascis Slackerstil.

Eine Rückkehr zum alten rauen Klang war J Mascis wichtig, weshalb ein Mesa-Boogie-MK1 Verstärker für die Studioaufnahmen verwendet wurde. Der Feinschliff fehlt also, aber die Ecken und Kanten passen zum Grunge- und Alternative-Grundton von „There Near“.

Mascis beschäftigt sich weiterhin mit den verpassten Gelegenheiten und berichtet von gesellschaftlichen Problemen („No Friends“), dem eigenen Anspruchsdenken und Scheitern („Everything At Once“) und der unausweichlichen Sehnsucht nach Zweisamkeit („Take Me With You“).

Das spricht Generationen übergreifend an, ebenso wie die melodiösen Refrains. Mascis wirkt stets präsent, auch wenn die zurrenden, schnarrenden expressionistischen Gitarrensoli nach wie vor das wichtigste Stilmittel der Band sind. Das gleitet manchmal in fröhliches Geniedel und Gekloppe ab, wie es bei „Take Me With You“ der Fall ist, kann sich bei „Blowin` Up“ im Betroffenheits-Blues äußern oder im rhythmuslastig rumpelnden „Gone Off“.

Dinosaur Jr. sind nach wie vor keine Wundertüte, die Alternative-Rock goodie bag ist aber zum Bersten gefüllt mit allerlei Neunziger Jahre Nostalgie:

Da ist zum Einen dieser knödelnde, raue Gesang, dessen Stimmbänder stets die letzten Wörter aneinander reiben, um den Betroffenheitsschmerz hörbar zu machen. Da sind zum Andren knarzende Verstärkereffekte, die sägende Fuzz-Gitarrensoli ins passende Jahrzehnt verorten und mal wuchtig, mal wütende Drumparts zieren.

Da ist „Clam Along“, das die 90s Alternative-Rock-Essenz schlechthin ist. Knarzend, nölend klingt Mascis stets, als würde ihm irgendjemand eine Wurzelbehandlung ohne Betäubung verpassen. Passend dazu klagt er „It´s a torture, did you see her?“ und fleht seiner Angebeteten „several times a day, begging her to stay“ nach.

Mascis arbeitet sich in seinen Texten daran ab, immer auf den letzten Metern irgendwie doch noch zu scheitern. Sicherlich ein manifestiertes Grundgefühl, dass man mal therapeutisch angehen sollte. Solange dabei aber retrospektive Tracks entstehen wie „Walk Me Back“, das poetisch „take me back, right on track“ anstimmt, darf der Ostküsten-Amerikaner gern weiterhin den Tantalus geben.

„There Near“ ist bezeichnend, der 90er Alternative-Rock-Sound ist alles andere als ausgestorben, sondern näher als man denkt.

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