Noch bevor Kraftklub gestern Abend überhaupt die Bühne der Berliner Wuhlheide betreten, ist klar: Hier wird heute nicht einfach nur ein Konzert gespielt. Rund um die Bühne herrscht bereits eine Stimmung, die eher an den Beginn einer riesigen Party erinnert.
Als dann Giant Rooks als geheimer Support Act auftauchen, dürfte auch der letzte Zweifel verschwunden sein. Die Band heizt der Menge ordentlich ein und sorgt dafür, dass die Wuhlheide schon vor dem eigentlichen Hauptact auf Betriebstemperatur ist.
Als die Chemnitzer schließlich die Bühne betreten, gibt es dann kein vorsichtiges Herantasten. Mit „Marlboro-Mann“ fällt der Startschuss – und der sitzt. Das Publikum ist sofort da, singt mit, springt, tanzt und macht von der ersten Minute an deutlich, dass es nicht gekommen ist, um sich zurückzuhalten.
Die Energie bleibt dabei nicht nur während der ersten Songs erhalten, sondern zieht sich durch den gesamten Abend. Die Wuhlheide wird zur riesigen Tanzfläche, auf der es kaum jemanden an seinem Platz hält.
Zwischen den Songs bleibt trotzdem genug Raum für den typischen Humor von Kraftklub und die kleinen Momente, die einen Konzertabend zu mehr als nur einer Aneinanderreihung von Liedern machen.
Natürlich darf dabei auch ein Klassiker der besonderen Art nicht fehlen: das Glücksrad. Darauf landen Songs, die es ursprünglich nicht auf die Setlist geschafft haben. Ein kleiner Zufallsfaktor, der bei den Zuschauer*innen bestens ankommt. Denn wer weiß schon, welcher Song als Nächstes vom Rad gezogen wird?
Ein besonders emotionaler Moment folgt, als Fred Rabe die Bühne betritt. Da der Giant-Rooks-Frontmann ohnehin schon vor Ort ist, darf „Der letzte Song (Alles wird gut)“ natürlich nicht fehlen – der Song, den Felix Kummer 2023 während seiner Solo-Zeit herausgebracht hat, mit Rabe als Gastsänger.
Das Publikum nimmt den Song dankbar auf. Für einen Moment wird aus der ausgelassenen Party eine etwas ruhigere, emotionale Szene. Und wer genau hinsieht, entdeckt vielleicht auch die ein oder andere Träne zwischen all den begeisterten Gesichtern.
Doch lange bleibt es nicht ruhig. Plötzlich verlassen Till und Felix die Bühne und gehen direkt ins Publikum. Spontan soll noch ein Song gemeinsam mit der Menge gesungen werden. Die Wahl fällt auf „500k“ – und spätestens jetzt springt die gesamte Wuhlheide. Was als spontaner Moment beginnt, entwickelt sich innerhalb weniger Sekunden zu einem der größten Höhepunkte des Abends.
Zwischendurch wird aber auch klar gemacht, wofür dieser Abend stehen soll. Rassisten, Sexisten und Menschen, die andere diskriminieren, sind hier nicht willkommen. Eine klare Ansage, auf die direkt „Wie ich“ folgt. Die Botschaft bleibt dabei nicht irgendwo zwischen den Zeilen, sondern gehört genauso zum Abend wie die Musik, der Humor und die ausgelassene Stimmung.
Kraftklub spielen sich gemeinsam mit ihrem Publikum durch ein Konzert, bei dem die Grenze zwischen Bühne und Zuschauerraum buchstäblich immer wieder verschwindet. Und selbst als der letzte Ton längst verklungen ist, denkt offenbar niemand daran, nach Hause zu gehen. Die Menschen bleiben stehen, hören weiter Musik, tanzen und feiern, als wäre das Konzert einfach in eine private Aftershow-Party übergegangen.




