Schon der Einstieg in „Bildet Banden“ zeigt, dass Marlo Grosshardt nicht unbedingt auf den großen Knall setzt.
Der Opener „Rasselbande“ beginnt mit einer entspannten Gitarrenspur und einer ruhigen Stimme. Der Song wirkt melancholisch und richtet den Blick immer wieder in die Vergangenheit, ohne dabei schwerfällig zu werden. Gegen Ende nimmt der Beat etwas mehr Fahrt auf und gibt dem Stück genau die richtige Portion Bewegung.
Auch die folgenden Songs bleiben zunächst eher nachdenklich. Besonders „Krieg Ohne Mich“ greift ein Thema auf, das vermutlich so mancher schon einmal gedacht, aber nicht unbedingt ausgesprochen hat. Grosshardt beschäftigt sich mit den Erwartungen des Staates und stellt die Frage, was dieser von uns verlangt und was er uns im Gegenzug bietet. Besonders sind dabei die Kinderstimmen – sie bringen eine Zärtlichkeit in den schweren Song, gleichzeitig setzen sie einen starken Kontrast zu den Themen Krieg, Staat und gesellschaftlichem Druck. Gerade diese Gegenüberstellung macht den Track interessant.
Nach den ersten vier Songs kommt dann ein deutlicher Bruch. Mit „Parallelwelt“ folgt ein überraschender Stilwechsel und das Album bekommt deutlich mehr Tempo. Die ersten Takte klingen komplett anders als die der vorherigen Songs und sorgen damit für einen ungewöhnlichen Kontrast. Der Song bringt eine ganz andere Energie auf das Album und lockert die melancholische Grundstimmung auf.
Auch der darauffolgende Track „Kleinstadtpropaganda“ behält diesen Rhythmus bei und lädt durchaus dazu ein, sich ein wenig zu bewegen. Danach nimmt Grosshardt mit „Du Baust Träume“ wieder Tempo heraus und kehrt zu einer ruhigeren Atmosphäre zurück.
So wechselt das Album immer wieder zwischen verschiedenen Stimmungen, ohne dabei beliebig zu wirken.
Genau diese Mischung macht „Bildet Banden“ interessant. Grosshardt bewegt sich zwischen melancholischen Momenten, gesellschaftlich und politisch schweren Themen und Songs mit leichteren Beats. Die unterschiedlichen musikalischen Facetten sorgen für Abwechslung und lassen das Album immer wieder neue Seiten zeigen.
Nach dem Hören bleibt deshalb nicht nur die Melancholie hängen, sondern auch das Gefühl, dass selbst zwischen schweren Gedanken noch Platz für Bewegung und ein bisschen Leichtigkeit sein kann.
