„Die Leute fangen damit an, ihre Augenbrauen hochzuziehen. Ihren Körper bewegen sie erst einmal nicht, aber man sieht an ihren Augenbrauen eine kleine Bewegung. […] Es braucht einfach etwas Zeit“, haben die belgischen Punk-Rocker Maria Iskariot im MusikBlog-Interview ihren Eindruck vom deutschen Publikum beschrieben. Zu diesem Zeitpunkt hatten sie wohl nicht mit der guten Stimmung im Dortmunder Subrosa gerechnet, denn die kleine Kneipe war gestern bereits ab dem ersten Song voll dabei.
Wie die vier Musiker*innen auf die schnuckelige Bühne der Kneipe passen sollen, ist vorab beliebtes Gesprächsthema. Denn die wirkt schon durch die Instrumente und Effektpedale ausgelastet; hinter dem Schlagzeug scheint gerade genug Platz für den unbemannten Hocker zu sein.
Eine halbe Stunde später als angekündigt quetscht sich Sybe Versluys doch irgendwie unauffällig hinter die Trommeln und haut drauf, dass einige in den ersten Reihen aufschrecken. Dem Rest der Band bleibt tatsächlich auch nicht mehr viel Spielraum:
Bassistin Amanda Barbosa verschwindet förmlich hinter einer Lautsprecherbox, Loeke Vanhoutteghem und Helena Cazaerck an den Gitarren bleibt ein kleiner Schritt in jede Richtung übrig. Diesen Freiraum nutzen sie aber auch vollständig aus.
Sängerin Cazaerck reicht das noch nicht; sie bricht immer wieder aus, springt in die Menge und schreit „Hug Your Friends“. Jeder will die namensgebende Textzeile von „Dat Vind Ik Lekker“ einmal ins Mikrofon brüllen, als sie es herumreicht, und immer wieder kommt von der Bühne ein Kompliment für die gute Aussprache.
„Wir sind heute alle erkältet. Schnaps haben wir schon getrunken – wenn ihr wisst, was sonst helfen könnte, sagt es uns“, erklärt Vanhoutteghem zwischen zwei Songs. Man merkt es ihnen nicht an, denn mit purer Energie hält sich auf der Bühne niemand zurück. Nach nicht einmal einer halben Stunde ist die Luft dick von stehendem Schweißgeruch.
Aufgrund der niedrigen Decke und des schmalen Zuschauerraums scheint Cazaercks Versuch, an der Wand hochzuklettern und zu crowdsurfen, besonders tollkühn. Sie schafft dies jedoch souverän, und verpasst währenddessen keine einzige Zeile ihres Keifgesangs.
Bevor sie ihren „letzten Song“ anstimmen, verweisen sie noch einmal frech auf ihre nächsten Konzerte: „Wenn ihr mehr hören wollt, müsst ihr zur anstehenden Placebo-Tour kommen.“ Da sie die Bühne jedoch nicht verlassen können, ohne sich durch das gesamte Publikum zu schlagen, bleiben sie dort. Es wird schnell klar, dass noch eine Zugabe kommt.
Für einen kreisförmigen Moshpit ist zwar kein Platz, einen dreieckigen akzeptiert die Band augenzwinkernd auch. Ein letztes Mal klotzen Maria Iskariot richtig rein – viel rauer und dreckiger als ihre Aufnahmen es vermuten ließen. 20 Minuten früher als angekündigt verlassen sie die Bühne.
Mit dem anschließenden Ansturm auf den Merch-Tisch hat scheinbar niemand gerechnet; die gestresste Band wird förmlich überrannt. Die Musiker*innen können einem schon leid tun, bleibt doch wenig Zeit zum witzeln übrig. Verdient haben sie diesen Erfolg allemal.





