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„Ist mir Banane“, heißt es umgangssprachlich, wenn etwas keine Rolle spielt. „Bana Ne“ bedeutet im Türkischen hochsprachlich „ist mir egal“ und ist nun – nach einer schönen Stange eigentümlicher Cover-Versionen – ein neues, selbst verfasstes Stück aus der Feder von Sinem Arslan Ströbel und Schlagzeuger und Beatmaker Tom Wu auf „Hatun“.

Zusammen mit Gitarrist Martin Tagar sind sie Sinem, haben sich in München zusammen gefunden und bilden einen wichtigen Puzzle-Stein in der heutigen Anatol-Rock-Szene. Setzen Derya Yıldırım und ihre Grup Şimşek auf Psychedelic und Altın Gün mittlerweile auch auf Synth-Loops, so verschoben Sinem den türkischen Pop der 1960er bislang eher in Richtung von Post-Punk.

Das halten sie auch hinsichtlich der Instrumentierung so, die bei der stilistisch ähnlichen Istanbuler Kollegin Gaye Su Akyol dagegen noch durchaus viel Traditionelles wie Oud und Bağlama-Laute mit einschließt. Das Trio Sinem hat letztes Jahr sein Debütalbum vorgelegt und darauf konsequent gecovert, zum Beispiel Sezen Aksu.

Auch jetzt, auf dem Nachfolger „Hatun“, der wie die Großmutter der Münchner Sängerin heißt, geht es um Aksu. Die zuletzt von Erdoğan bedrohte Lichtgestalt der türkischen Popmusik veröffentlichte seit den späten 1970ern Kassetten und macht noch heute Alben, die für Freiheit stehen und nachdenkliche Momente enthalten.

Sinem Arslan schaut zu ihr auf, wurde über ihre Großeltern mit deren Musik sozialisiert. „Ne Kavgam Bitti Ne Sevdam“ hat zwar Sezen nicht verfasst, sondern ihr (armenischstämmiger) Haus- und Hof-Komponist Onno Tunç; es ist aber ein ikonisch erfolgreiches Lied von ihr.

Sinem transferieren es aus dem Synth- und Keyboard-Kontext von 1991, damals mit Disco-Stampf-Beat und künstlichen Geigen, in einen nun basslastigen, aber weichen, ruhig fließenden Singer-/Songwriter-Tune.

Bei den Eigenkompositionen zeigt sich die Klang-Rezeptur Sinems als geradlinig scharf schneidend, rhythmisch hüpfend, zum Mitwippen. Das besagte „Bana Ne“ weist krachende Stoßwellen auf und wirkt anfangs ein bisschen wie eine Achterbahnfahrt.

Insgesamt mutet alles ein bisschen gedämpfter an als beim Sinem-Debüt „Köşk“ von 2025. Der Track „Agatha Christie“ setzt die minimalistische und melodiearme, Spannung steigernde und trockene Darbietung des Erstlings fort.

An Post-Punk und New-Wave knüpft man derweil kaum mehr an – live dürften aber auf Tour raue und härtere Töne zu erwarten sein als hier auf dem Tonträger.

Mehrere Songs enden ausgesprochen abrupt. Insgesamt führt einen die Band stringent durch die Platte und bettet aufgefrischte Varianten von vier Super-Klassikern in ihr eigenes Werk ein, mit dem sie womöglich ein gänzlich anderes Publikum für anatolische Populärkultur erschließt, das die Originale nicht kennt.

„Zühtü“, das klingt, als würde auf Deutsch die Phrase „helle Süchte“ endlos oft wiederholt, ist sehr hypnotisch, aber von einem markanten Riff durchzogen, und wirkt anziehend. Jazz-Percussionist Burhan Öçal, der lange in den USA und in der Schweiz arbeitete, ist eher ein Sound-Modernisierer und schrieb das Stück für die traditionsbewusste Esin Afşar, die es 1976 aufnahm.

Ein Pionier des Anatol-Rock war Erkin Koray. Sein Titellied einer Fernsehserie, „Öyle Bir Gecer Zaman Ki“, lassen Sinem als Abrundung erklingen: Hier muten sie nostalgisch und verspielt an, so dass das zurückhaltende Album einen gefühlvollen Abschluss findet.

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