In einer schieren Flut von enttäuschenden Alben etablierter Indie-Rock-Größen klammert man sich doch gerne an jeden vielversprechenden Strohhalm. Da kommt das Debütalbum der englischen Singer/Songwriterin Sofy genau zum rechten Zeitpunkt.
Zugegeben: „How To Perform Magic“ erfindet den Strohhalm auch nicht neu. Gänzlich vor der Flut kann das Album nicht retten, und bei allzu kritischer Befragung droht es ebenfalls unter der Wucht einzuknicken. Aber es spendet Hoffnung durch Abwechslung.
Während sich der Himmel vor dem Fenster verdunkelt, driften auch die Ohren mit dem Opener „40 Minute Masterpiece“ in nächtliche Gefilde. Ein Hauch von Massive Attack weht durch die Gehörgänge, der sich wieder verflüchtigt, sobald man zu genau hinhört.
Der erste große Bruch kommt bereits mit dem zweiten Song, der sonnigen Pop-Hymne „DooYaa“. Synth-Arpeggios liefern aber auch hier einen melancholischen Retro-Einschlag.
Das anschließende „Wishbone“ hingegen klingt direkter nach Vergangenheit und zündet dadurch schneller. Vielleicht hätte das Lied vor 20 Jahren ein absoluter Hit unter deprimierten Skater-Boys und -Girls sein können.
Zwischen zwei weiteren poppigeren beziehungsweise rockigeren Songs baut sich „Saturation“ langsam auf. Durch den entrückten Walzer flirren gespenstische Klänge, verschwommene Gesangsharmonien und die Frage: „If I could have everything / would I still feel nothing?“ Im Studio wurde wohl sehr viel Radiohead gehört.
Und weil noch eine richtig schöne Ballade gefehlt hat, läuft die Platte mit „Alligator“ sanft aus. Da sind nur noch die Künstlerin und ihre Gitarre (und ein sehr dezenter Hintergrundsänger, ein Bass und ein multifunktionaler Synthesizer), die davon zeugen, dass schlechte Erfahrungen sie stark gemacht haben.
Mit „How To Perform Magic“ hat Sofy gleich mehrere sehr überzeugende Songs vorgelegt. Und obwohl nicht alle Tracks bei dieser Qualität mithalten können, bilden sie einen soliden Strom, auf dem die Highlights treiben können.
„40 Minute Masterpiece“ ist da als Bezeichnung etwas zu hoch gegriffen. Aber „40 Minuten lang starke Atmosphäre, die man sowohl auf einem Roadtrip als auch zum In-den-Schlaf-Weinen gut hören kann“, wäre auch kein besserer Titel gewesen.
