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Endless Wellness – Domino Days

RubrikAlben
Künstler*inEndless Wellness
LabelBuback

Zwei Jahre nach dem Endless-Wellness-Debütalbum „Was für ein Glück“, das Konzerte über Nacht ausverkaufte und zwei Amadeus-Nominierungen einbrachte, liegt nun „Domino Days“ vor. Das Wiener Indie-Rock-Quartett um Philipp Auer, Adele Ischia, Milena Klien und Patrick „Pata“ Huter muss liefern. Es liefert, und zwar mit gerolltem R.

Wer die Band zum ersten Mal hört, stolpert über diese fast übertrieben artikulierte Hochdeutsch-Aussprache und das teils absichtlich holprige Timing. Die Texte wandern zwischen rätselhaften Bildern und ironischen Reimen und Wortwitzen, mal sind sie seltsam berührend, mal ein bisschen prätentiös.

Man muss das mögen, aber wer es mag, mag es sehr. Inhaltlich geht es um die Gesellschaft, den eigenen Platz darin und eine Zukunft, die nicht mit Konfetti heranrollt. Immer wieder tauchen im Text „Server“ und „Megabytes“ auf, allerdings ohne Fortschrittsjubel, eher mit einem müden Schulterzucken.

Der Opener „Nur das Beste“ baut sich bei gleichbleibendem Gesang, saftigen Gitarren, Synthesizern und immer wilderem Schlagzeug zu einer Aufbruchshymne auf.

Später wird herunter gedimmt: Auf „Platanen“ übernimmt Bassistin Milena Klien erstmals den Lead-Gesang. Ein schöner, leicht träger Song, bei dem das Handylicht von allein nach oben wandert.

Der Titeltrack schleicht mit Klavier und gefilterter Stimme voran, als wolle er gar nicht zugeben, was er da gerade sagt.

„Kontrolle ist Messer“ geht rasant und mit schrammeliger Gitarre weiter, klingt dabei ziemlich trashig, und wenn die Sängerin ins Schreien kippt, wünscht man sich, sie wäre beim Singen geblieben.

Mittendrin steht das kurze „Jeder Fluss“. Es klingt, als stimmten sich Instrumente und Stimmen erst noch aufeinander ein, bevor ein mehrstimmiger Chor einsetzt, der den Text des nächsten Songs „Wer hätte das gedacht“ vorwegnimmt.

Das Album endet mit „So allein sollen wir nie wieder sein“. Über einfachen Akkorden entwirft die Band eine Utopie, während ein melancholischer Synth-Lead in ein raues, ungeschliffenes Solo mündet.

Inhaltlich erinnert das an „Hurra die Welt geht unter“ von K.I.Z oder an Soffies „Für immer Frühling“. Alle liegen sich in den Armen und schreien gemeinsam ins Leere – hoffnungsvoll und betrunken vom Leben.

Der Wechsel zwischen männlichem und weiblichem Gesang hält das Ganze lebendig, ebenso die unerwarteten Instrumente im Studio: sogar Vibraphon und elektrische Zahnbürste kommen zum Einsatz. Produziert hat erneut Jakob Herber, bekannt von CULK und Bilderbuch.

Dass die Band bessere Zukünfte entwerfen will, klingt nach Werbeprospekt. Doch die Musik löst es ein: Die Songs reißen mit, die Instrumentals sind solide, abwechslungsreich und emotional stark.

Ob Fan oder Neuling, Indie-Veteran*in oder Gen-Z-Hörer*in: „Domino Days“ hat Platz für alle. Und wenn schon alles umfällt, dann wenigstens mit gutem Soundtrack.

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