Kleine Zettelchen mit kurzen Infos, Notizen, etc zieren wohl hunderttausende Monitore, Küchenschränke etc. weltweit. Auch der Belgier Arnaud Stockbroekx nutzt diese, so hat er seine 2022er EP sogar als „Post-it-tapes“ benannt und mit seinem elektronisch durchsetzten Indie-Pop wenig später auch an einem Nachwuchswettbewerb teilgenommen. Als Noonzy veröffentlicht er mit „Plan Is Bad“ sein erstes Album.
Mit Nathan Jenkins aka Bullion ist ein genre-erfahrener Produzent mit an Bord. Dieser hat unter anderem mit Nilüfer Yanya und Ben Howard zusammengearbeitet, seine Handschrift erkennt man immer wieder in den feinen Facetten der Songs. Auch hat er wohl seine Erfahrung genutzt, so manche Titel nochmal grundlegend anzupassen.
So wich er nicht selten von den ursprünglichen Demos ab, ersetzte komplette Instrumentalspuren oder nutzte Synthesizer, wo vorher Akustikspiel gefragt war. Dadurch wirkt „Plan Is Bad“ deutlich strukturierter und moderner als die bisherigen akustischen, minimalistischen Lo-Fi Stücke, die man von Noonzy kennt.
Auch das Songwriting ist gereifter, zwischen emotionalen Selbstzweifeln in „Boy Could I“, schwierigen kreativen Prozessen von „Not Lost“, hin zu dem selbstlosen Urvertrauen bei „Yeah ( I´m In )“.
Am wirksamsten ist aber die Komposition der Stücke. So lebt „Boy Could I“ von seinem sanften, mehrstimmig begleiteten Piano-Intro, dem sich ein pulsierender Elektronikimpuls dazugesellt. Stetig schlagend löst eine sphärische Synthiefläche das Piano ab, lässt den flehenden Gesang aber im Vordergrund. Erst spät muss sich auch dieser der Elektronik unterordnen.
Ein Einfluss der im Laufe des Albums charakteristisch wird, so schwebt „Plan Is Bad“ düster auf einem satten Groove dahin, bevor Noonzys „If your a better man…“ sämtliche Möglichkeiten der Lebensgestaltung eröffnet – sowohl für die guten als auch die schlechten Ideen.
Zu letzteren gehört der hastige Takt, der elektronisch fiebrig hyperventilierend unter den flachen, warmen Gesang gelegt wird. Erst spät ergibt sich der Sinn, das Vertrauen in den kreativen Prozess, den Flow zu haben. Häufig unerwartet wechselt der Gesang, fließt über in flächige harmonisierende Keyboards, die den Song zum plötzlichen Ende begleiten.
Sowohl „Easy“, dessen 80s Keyboards einen smoothen Groove für einen catchy Refrain bereiten, als auch „Look At That“, dessen Dream-Pop den dicken Schlussstrich unter eine Beziehung setzt. Die schon von Ben Howard bekannten elektronischen Elemente sind unterstützend, wegweisend eingebettet in jeden dieser Titel.
Am eindringlichsten gelingt „Yeah ( I’m In)“ das Zusammenspiel aus Songwriting und elektronischer Musik. Beinahe freudig erregt, tanzt die schäkernde Rhythmik um Noonzys beschlagen klingende Stimme, nutzt sowohl Gitarre als auch Bläser, um die Komposition zu verdichten. Zur Mitte öffnet sich der Titel, lässt die Sonne rein und schwurbelt vergnügt seinem Ende entgegen.
„Not Lost“, reduziert sich aufs Akustische und wiegt schwer nach den vorangegangen, poppigen Titeln. Der Track zerrt mit zähem, aber klarem Gesang an der Aufmerksamkeitsspanne, bietet mit einsetzenden Streichern aber einen Rückblick in die folkigen Elemente, die Noonzys Sound beeinflussen.
Der Akustik verbunden bleibt auch „Talk To Me“, springt dabei aber über blühende Blumenwiesen und tänzelt barfuß durch plätschernde, dahinorgelnde Minimalelektronik.
Szenarien vor das innere Auge zaubert auch „If I Were You“. Cool, im 80er Yachtrock verhaftet, säuselt der Titel gefällige Rhythmik ins geneigte Ohr, bringt gute Laune im Textformat verpackt und schmeckt allgemein nach Margarita mit Schirmchen.
Das ist schon ein „Dream“, dass der so betitelter Track der guten Laune keinen Abbruch tut. Der Rhythmus ist zwar etwas dringlicher, Noonzy gibt sich aber der Liebe hin. „I´m not fooling around, i´m stuck inside a dream“ resümiert der Antwerpener und lässt klimpernde Keyboards warmen Sommer regnen.
Das kann nicht ewig so weiter gehen, zumindest zeigt „All Rise“, dass die Elektronik auch deutlich differenzierter sein kann. Der letzte Titel von Noonzys Debütalbum lässt abgehackte Elektronik zu seinem sanftem Gesang fast schon latinoartig zerfrickeln. Daran muss sich das Gehör gewöhnen, zeigt sich das auch äußerst wandelbar. Der Song spielt mit der Dynamik und schäkert sich doch immer wieder zurück in diese hüftenschwingende, südamerikanische Rhythmik, der sich letztendlich auch Noonzy völlig ergibt. Mit einem „you got me where you want“ beschließt er das Album.
Alles andere als ‚bad‘ ist dieser Plan, den uns der junge Belgier auf zehn Titeln präsentiert. Ein Selbstklebezettel an eurer Kühlschranktür mit dem Vermerk „Unbedingt reinhören“ ist Pflicht.
