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Der 26. April diesen Jahres muss wohl Spuren hinterlassen haben bei Tramhaus. Die Postpunker aus Rotterdam traten live im BeeBop Cafe in Plovdiv, Bulgarien auf. Ein paar Wochen später wurde „Plovdiv“ als erste Singleauskopplung ihres zweiten Albums „Blister“ vorgestellt.

Es ist ein Track, der sich mit dem Tourleben auseinandersetzt, die positiven Dinge ebenso feiert wie die negativen herausstellt. So freut man sich über die vielen Menschen und Eindrücke, die man auf Reisen bekommt und stellt sich dennoch die Frage, wie man dies alles geistig verarbeitet ohne verrückt zu werden.

Die fünf Niederländer, rund um Sänger Lukas Jansen, wurden für das 2024 erschienene Debüt „The Last Exit“ gefeiert. „Blister“ versteht sich als konsequente Weiterentwicklung, wohl auch als Essenz dessen, was die Band während des kontinuierlichen Tourens verarbeitet hat.

11 Titel sind daraus geworden, die den gewohnten Klängen treu bleiben, sich aber auch für Shoegaze öffnen und generell mehr Atmosphäre zulassen.

Die kann teilweise etwas schwer auf Titeln wie „Plovdiv“ oder „Cluster“ wirken. Schnarrend und schnaufend arbeiten sich die Saiteninstrumente ab, bis Jansen mit seinem intensiven Sprechgesang und manischen Schreien den Chorus darbietet.

Irgendwo zwischen Interpol und den Pixies bieten Tramhaus mäandernde, schwebende Saitenklänge und mal dreckig hingerotzte Akkorde, mal feine Kompositionen mit melodischen Elementen.

So rollt „The Answer“, dem Noise-Rock gewidmet, unaufhaltsam auf die gesuchte Antwort zu. Um diese windet sich Jansen jedoch – roh und energisch, ja brachial ist seine wankelmütige Darbietung.

Gestützt von den Saitenriffs krakeelt er rotznäsig, nur um beim folgenden „Sly (Like Ever)“ eher melancholisch zu wirken. Schubernde Gitarren, schwirrende Saiten zehren am Nervenkostüm und lassen den Sänger seine eigene Verschlagenheit ausleben.

Das Gefühl eines „Rat Race“ vermitteln Tramhaus mit wechselndem Tempospiel, treibenden Bässen und den gesanglich eindringlichsten Momenten. Auf nicht mal zwei Minuten geht hier die Post im Punk ab.

„Solace“ bittet Nick Cave zum Tänzchen. Lukas Jansens Gesang zeigt sich kehlig sonor. Zurückgezogen sucht er nach Trost im wenig dynamischen Saitenspiel, das über die Spieldauer ebenso sonor monoton ins Instrumental „Recoil“ übergeht.

Stimmungsvoll ist „Overachiever, Big Believer“, das eine zunächst zurückhaltende, melodische Stimme auf aufbrausende Riffs treffen lässt, die dem stromverstärkten Spiel frönen. Das löst freudige Erinnerungen an Chino Morenos goldene Zeiten bei den Deftones aus, ohne jedoch die atmosphärische Dichte zu erreichen.

So arbeiten sich Tramhaus innerhalb der Genres ab, das schmutzige „Lap Dog“ beißt weniger, als es bellt, während das dynamische „I Was Never Alone“ mit eindeutiger Absicht den Shoegaze feiert und „Swarm“ zum Abschluss nochmal dissonanten Punk auf den nervösen Gesang von Jansen prallen lässt.

„Blister“ ist nicht so dringlich wie es der Erstling war, doch wegweisend für Tramhaus. Es zeigt das zweischneidige Schwert zwischen gefeierten Bühnenauftritten und einsamen, belastenden Momenten zwischen Fernweh und psychischer Belastung. Lukas Jansen bildet dabei – wie schon beim Debütalbum – den polarisierenden Mittelpunkt.

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