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Auf zu neuen Ufern – Slut im Interview

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Die Ingolstädter Indie-Rock-Band Slut veröffentlichten Mitte August ihr neues Album „Alienation“ (hier gibt es die Rezension). Das achte Slut-Album erschien rechtzeitig zum anstehenden 20-jährigen Bandjubiläum im nächsten Jahr. MusikBlog konnte mit Schlagzeuger Matthias Neuburger sprechen, der sich zum Entstehungsprozess des Albums, seiner Rezeption und zum Bandjubiläum 2014 äußerte.

MusikBlog: Das „Piranha“-Magazin hat euch diesen Monat als „Deutschlands beste Band“ bezeichnet. Was bedeutet das für euch?

Slut: Wir fühlen uns deswegen natürlich sehr geschmeichelt und haben uns auf jeden Fall darüber gefreut. Aber der Redakteur, der den Artikel über uns geschrieben hat, hat eben eine sehr subjektive Meinung über uns und „Deutschlands beste Band“ ist auch eine sehr subjektive Bezeichnung. Wir können das deshalb ganz gut einordnen. Auf jeden Fall ist es gut zu hören, dass man nach all der Zeit noch so eine Rolle spielt. Das ist ja auch immer das Ziel bei unserer Arbeit als Musiker, dass man Begeisterung beim Hörer auslöst.

MusikBlog: Der Albumtitel „Alienation“ bedeutet Entfremdung und Verfremdung – inwiefern trifft das auf eure musikalische Entwicklung der letzten Jahre zu?

Slut: Das zielt auch ein wenig auf unsere Grundsätze in der Band ab. Wir müssen uns immer davon entfernen, was auf der letzten Platte war. Dafür müssen wir einen klaren Schnitt machen, um wieder von Null anzufangen. Deswegen kann „Alienation“ auch Entfernung bedeuten, weil wir uns von der Musik der letzten Alben entfernen. Unsere bisherigen sieben Alben sind alle sehr vielfältig, weil wir versucht haben mit jedem der Alben möglichst viele Räume zu verwirklichen. Uns war wichtig, dass wir nicht auf jedem Album gleich klingen, deshalb war die Arbeit auch eine gewisse Entfremdung von uns selbst. Daneben kann man „Alienation“ aber auch als Wortspiel sehen, denn in dem Wort steckt Alien-Nation, also eine Nation aus lauter Aliens. Damit haben wir insbesondere unsere Heimatstadt und andere ähnlich große Städte in Deutschland gemeint.

MusikBlog: Eure Heimatstadt ist Ingolstadt, worauf wollt ihr dabei hinaus?

Slut: Also gerade hier in Ingolstadt bietet die Macht der Wirtschaft eine Angriffsfläche. Die Stadt wird vor allem von der Wirtschaft dominiert, die in vielen kulturellen und kreativen Bereichen eine wichtige Rolle spielt. Ich will jetzt nicht von einer Wirtschaftsautokratie sprechen, aber es geht in diese Richtung. Dieses Problem ist ein oft wiederkehrendes Phänomen in unseren Texten. Unser Ziel ist es immer, den Finger in die Wunde zu legen.

MusikBlog: Wie ordnet ihr das Album zwischen der Vertonung der Dreigroschenoper (2006) und der Zusammenarbeit mit Juli Zeh auf der Schallnovelle „Corpus Delicti“ (2009) ein?

Slut: Beides waren für uns als Band eher Exkursionen und beide Projekte haben einer höheren Sache am Werk gedient. Überall gibt es Spielräume, die wir versuchen auszuloten. Für das neue Album haben wir uns Zeit genommen und eigentlich keinen Druck mehr verspürt. So konnten wir uns in aller Ruhe den Grundlagen widmen. Was letztendlich dabei herauskam, ist eine Grenzüberschreitung und eine Reise in neue Länder, wenn man das so als Bild sehen möchte. Das haben wir schon auf allen Alben versucht und ich finde, dass das uns auch ganz gut gelungen ist. Viele schreiben immer, dass wir eine Homogenität auf dem Album haben, aber das finde ich persönlich gar nicht. Es ist eher eine Diversität dabei, die aber trotzdem nicht von unserem Sound abweicht. Ich finde es gibt auf jedem Album eine typische „Slutatmosphäre“.

MusikBlog: Juli Zeh schreibt im Albumtext auf eurer Homepage, dass „musikalische Grenzüberschreitungen“ für „Alienation“ nötig waren. Welche Grenzen habt ihr überschritten?

Slut: Uns ist es schon immer wichtig gewesen, Grenzen zu überschreiten. Das ist so eine Art Lebensquell für uns. Deshalb ist Alienation auch ein Album mit elektronischen Elementen geworden, das hatten wir davor noch nie. Hier haben wir ein Stück Neuland betreten, aber ohne unsere Musik mit zu viel Elektrobeats zu überlasten. Das hört man zum Beispiel im Song „Silk Road Blues“, in dem wir viele elektronischen Elemente ausprobiert haben – und trotzdem funktioniert der Song.

MusikBlog: Euer Album wird diese Woche auf Platz 41 der deutschen Albumcharts notiert – Was bedeutet Erfolg für euch?

Slut: Ich weiß nicht so recht, ob das heutzutage noch so viel Bedeutung hat. Für mich sind diese Charts mehr ein Mythos, weil die nicht genau ausdrücken, wie viele Alben man verkauft hat und wie das Album ankam. Bei der Veröffentlichung unserer ersten Alben war das ganz anders. Früher gab es nichts Wichtigeres als die Charts. Heute freut uns das natürlich, aber wir sehen das mehr als eine Ehrenurkunde.

MusikBlog: Aber besser eine Ehrenurkunde, als nur eine Teilnahmeurkunde, oder?

Slut: (lacht) Ja genau und natürlich noch viel besser als eine Siegerurkunde. Ab den Top 50 fangen wahrscheinlich die Ehrenurkunden an.

MusikBlog: Für euer Album „Alienation“ seid ihr durch ganz Deutschland gereist und wart bei fünf verschiedenen Produzenten – Wieso wolltet ihr so viel unterschiedlichen Einfluss von außen?

Slut: Das Album hat sich anfangs wochenlang gezogen und diese Zeit war oft von einer Phase des Nichtstuns begleitet. Wir hatten sehr unterschiedliche Vorstellungen hinsichtlich des Schaffens. Dann haben wir über verschiedene Produzenten nachgedacht. Wir konnten uns dann aber nicht auf eine Person einigen und haben uns schließlich für fünf verschiedene Produzenten entschieden. Bis auf Tobias Siebert hatten wir mit allen schon zusammengearbeitet, aber ihn kennen wir persönlich ganz gut. Wir wollten für „Alienation“ verschiedene Versatzstücke benützen. Soundtechnisch haben wir uns dabei am lateinischen Wort „concertare“ orientiert, was auch „streiten“ bedeuten kann. Dieses „Battle“ zwischen den Produzenten hat sicher auch bei denen für eine zusätzliche Motivation gesorgt. Ich finde aber auf jeden Fall, dass wir trotz der verschiedenen Einflüsse eine deutliche Richtlinie im Album haben und eine sehr hohe Dynamik. Ich glaube das Ergebnis ist nicht verfahren, sondern einfach vielfältig geworden.

MusikBlog: 2014 steht das 20-jährige Bandjubiläum an – Habt ihr schon etwas Besonderes geplant?

Slut: Nein, Daten bedeuten uns als Band, aber auch als Menschen, eigentlich nicht so viel. Es ist auf jeden Fall erstaunlich, dass es uns als Band schon so lange gibt.

MusikBlog: Dann ist auch keine Jubiläumstour geplant?

Slut: Im Januar gehen wir auf jeden Fall auf „Alienation“-Tour – aber die ist dann wirklich nur zum neuen Album und nicht wegen dem Jubiläum. Wir hatten schon vor drei Jahren eine Tour, auf der wir Lieder unserer ersten Alben gespielt haben, das war sehr schön und hatte sehr tolle nostalgische Momente. Eigentlich ist unser Motto aber: „Auf zu neuen Ufern!“

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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