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These New Puritans – live Berlin
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These New Puritans – live Berlin

These New Puritans – Live im Lido, Berlin

Als wollte die Abendwitterung das Publikum auf das bevorstehende schwere und zumeist düstere Set der These New Puritans einstimmen, lag das Berliner Lido am Donnerstag Abend passend dazu vom dichten Nebel eingeschlossen. Nur das neonfarbene Schild über der Club-Tür, das den Bandnamen hell erleuchtet in die Dunkelheit warf, lockte vermeintlich fröhlich ins warme Innere, wo These New Puritans wenig später sowohl Songs ihres dritten Albums „Field Of Reeds“ als auch ältere Stücke auf den gut gefüllten Zuschauerraum loslassen sollten.

Hatte die Band bei ihrem letzten Gastspiel in Berlin noch ein ganzes Ensemble und einen Kinderchor dabei, versprach das Line-Up dieses Mal weitaus reduzierter, wenn auch nicht gerade minimalistisch zu sein. Insgesamt sieben Musiker, allen voran Sänger und Bassist Jack Barnett, positionierten sich auf der randvoll mit Equipment gefüllten Bühne, die den ganzen Abend über in schummriges Licht gehüllt wurde. Neben den festen Bandmitgliedern mit dabei waren zwei Blechbläser, ein zusätzliches Keyboard sowie Neuzugang und Fado-Sängerin Elisa Rodrigues.

Obwohl die Shows der englischen Art-Rocker einem normalerweise binnen kürzester Zeit wohlige Schauer über den Rücken jagen und sich aufgrund der musikalischen Dichte ein Gefühl von Erhabenheit breit macht, schaffte es die Band an diesem Abend während des knapp 70-minütigen Sets nur phasenweise aus ihrer sonst so fesselnden Präsenz und der ergreifenden Dramatik zu schöpfen, die jede ihrer Shows begleitet.

Über weite Strecken hinweg verpufften die Spannungsmomente der experimentellen Songs, noch bevor sie überhaupt über den Bühnenrand den Zuschauer erreichten.  Und das obwohl die Bandmitglieder spielerisch gesehen eine nahezu perfekte Show boten und die musikalische Umsetzung ihrer ambitionierten Studiowerke ihnen einiges abverlangte. Dennoch wirkte die technisch anspruchsvolle Performance überraschend leer und die Band teilweise wie eine Hülle ihrer selbst. Von einer Chemie zwischen den Musikern war nur wenig zu spüren, was daran gelegen haben mag, dass diese stets mit hochkonzentriertem Ausdruck auf den Gesichtern ihre Instrumente bearbeiteten.

Selbst die gesangliche Verstärkung in Form von Elisa Rodrigues wirkte uninspiriert und in einigen Songs gar überflüssig. Kaum hatte sie einmal nichts zu tun, vertrieb sie sich auch lieber die Zeit damit mit ihren Fingern ihre Lockenmähne zu durchkämmen oder die Handflächen aneinander zu reiben. Jack Barnett, hingegen, mimte derweil den heimlichen Befehlshaber und hob hier und da den Zeigefinger nach oben, um den Rest der Band auf besonders markante Stellen im Song hinzuweisen.

Die Musik der These New Puritans hat schon immer zu großen Teilen vom ungebrochenen Drang gelebt, vermeintlich sperrige und experimentelle Arrangements zu einem wirksamen Ganzen zu vereinen, dessen geballte Intensität den Hörer dann schon fast wie ein Schlag in die Magengrube traf. Im Lido war von der erwarteten Intensität aber nur ein Bruchteil der sonstigen Energie zu spüren. Einzig allein „Attack Music“ und „We Want War“ durchbohrten das von der Band erzeugte Schutzschild wie Lichtpunkte in einem sonst gedämpften Set, das für die gewohnten Bandverhältnisse viel zu verhalten wirkte.

Angesichts der etwas lieblos aneinander gereihten Songs und der wenig packenden Umsetzung fiel es auch dem Publikum schwer sich auf die jeweiligen Stücke einzulassen. Wie betäubt, verharrte die Menge während des Konzerts bis auf den Anstandsapplaus regungslos in einer Art Starre. Wie drückte es eine enttäuschte Zuschauerin nach der Show so schön aus „Selbst eine Bifi hat mehr Biss!“. Auch wenn diese Worte hart klingen, fassen sie doch sehr gut zusammen, woran es dem Auftritt in Berlin von Seiten der Band letztendlich am meisten gefehlt hat: nämlich an Leidenschaft und Dynamik.

Ebenso undurchsichtig wie der Nebel vor der Tür blieb dann nach der Show das leicht schwammige Gefühl zurück, dass die Band an diesem Abend nicht bis zu ihrem glühenden Kern vorgedrungen und mit der nötigen Hingabe dabei gewesen war. Es bleibt zu hoffen, dass These New Puritans das nächste Mal den verloren gegangenen Pathos und ihre Ausdrucksstärke nicht im Tourbus liegen lassen und zu ihrem vertrauten Maß an Stärke zurückfinden.

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