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Travis – Live im Astra, Berlin

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Wenn Travis in Berlin spielen, sind die Shows für die Band so etwas wie ein Heimspiel. Schließlich wohnt Sänger Fran Healy seit Jahren in der Hauptstadt und nennt die Metropole sein Zuhause. Am Montag Abend luden die Schotten zum Wiedersehen ins Astra ein und die Fans bereiteten dem Quartett nach fünf Jahren der Bühnenabstinenz einen würdigen Empfang. Allen guten Voraussetzungen für einen wunderbaren Konzertabend zum Trotz wollte ein wichtiges Element aber nicht mitspielen und warf einen kleinen Schatten auf das Set: Fran Healys Stimme.

Typisch für den nasskalten Herbst hatte den Travis-Frontmann gerade an diesem Tag eine fette Erkältung gepackt und dabei seine Stimmbänder in Mitleidenschaft gezogen. Eine bittere Erkenntnis für den sympathischen Sänger mit dem breitkrempigen Hut, der sich seine Rückkehr nach Hause sicherlich angenehmer vorgestellt hatte. Ein richtiger Indianer kennt allerdings keinen Schmerz und obwohl sein Arzt ihm sicherlich davon abgeraten hat, stand das stimmliche Aushängeschild von Travis am Abend doch auf der Bühne des Astras und kämpfte sich bisweilen tapfer von einem Song zum nächsten.

Gleich zu Beginn des Konzerts machte Healy reinen Tisch und berichtete dem Publikum von seiner Stimme, die minütlich drohte sich ganz von ihm zu verabschieden. Die von den Fans erbetene Rückendeckung hatte die Band ohnehin sicher, doch sollte diese aufgrund der Umstände vielleicht noch etwas stärker ausfallen als gewohnt. Wer schlägt solch netten Typen wie Travis schon eine Bitte ab. Besonders, wenn Fran noch vor dem ersten gespielten Ton verkündet, dass eine Absage des Konzerts für ihn und seine Bandkollegen überhaupt nicht in Frage gekommen wäre.

Klang er im Soundcheck nach eigenen Angaben noch „like a goose farting in the fog“, brachte Healy seine gestressten Stimmbänder dank spezieller Übungen mit einer befreundeten Opernsängerin während der Show immerhin auf ein akzeptables Niveau. Wenngleich ihm die Anstrengung dabei deutlich ins Gesicht geschrieben stand und man allein schon wegen seiner sichtlichen Bemühungen am liebsten von selbst das weisse Tuch gewedelt hätte, damit er sich eine verdiente Pause gönnen kann. Doch selbst in einer für ihn so unglücklichen Situation bewahrte sich Fran Healy einen gesunden Optimismus, verglich seine Heiserkeit mit den Sangeskünsten von Bonnie Tyler und taufte sich für diese Abend zur Erheiterung aller Anwesenden im Club fortan „Tiny Boyler“.

Mit der doppelten Unterstützung seitens der Fans und auch seiner Bandkollegen schaffte es Healy dann auf bemerkenswerte Weise ganze 21 Songs lang für beste musikalische Unterhaltung zu sorgen und verausgabte sich trotz einer immer wieder wegbrechenden Stimme mit leidenschaftlichem Einsatz als könnte er den gesundheitlichen Störenfried dadurch vergessen machen. Selbst zwischen den einzelnen Songs plauderte er gerne und gab unterhaltsame Anekdoten am laufenden Band zum Besten anstatt seiner Stimme wenigstens ein paar wenige Ruhemomente zu gönnen. Darunter sogar eine Rezitation eines Philipp Larkin Gedichts.

Natürlich sollte der musikalische Anteil des Abends aber Dreh-und Angelpunkt des Konzerts bleiben, bei dem einem von Song zu Song einmal mehr bewusst wurde was für ein Greatest-Hits-Set Travis da auf die Ohren der Fans losließen. Zugleich untermauerten sie dabei mit Songs wie „Writing To Reach You“, „Closer“, „Side“, „Turn“ oder „Flowers In The Window“ ihr glanzvolles Songwriting sowie mit fünf neuen Stücken ihres diesen Sommer erschienen Albums „Where You Stand“ auch ihre gegenwärtige Relevanz.

Immer mit dabei das Publikum als textsicher Background-Chor, der nur einen helfenden Blick von Fran Healy benötigte, um noch ein wenig lauter zu singen. Die Herzlichkeit, die wohl jede Show von Travis umgibt, wird vor allem vom freundschaftlichen Ton getragen, der die Band wie gute Freunde wirken lässt, die mal eben wieder vorbeischauen. Auch dieses Mal schaffte es das Quartett aus Schottland im Handumdrehen einen Sympathiepunkt nach dem anderen zu sammeln. Um sich dem Publikum noch näher zu fühlen, wagte Fran Healy bei „Where You Stand“ sogar einen Abstecher ins Publikum. Bei diesem sang er nicht nur inmitten der Fans, sondern stellte sich auch mit in die erste Reihe, um Bassist Dougie Payne für seinen schönen Huftschwung ein paar Komplimente zu machen und diesen aus dem Augenwinkel anzuschmachten.

Zum Abschluss des Konzerts versammelte sich die ganze Band zur ersten Zugabe „Flowers In The Window“ dicht um Fran Healys Mikrofon und interpretierte den Song allein mit der Akustik-Gitarre und einem Tamburin bevor sie die Fans mit „Good Feeling“ in die Anfangstage ihrer Karriere zurückholte. Doch was wäre ein Travis Konzert ohne das obgligatorische „Why Does It Always Rain On Me?“ – dem zeitlosen Pop-Juwel, der so maßgeblich für die lange Erfolgsgeschichte der Band war. Andere Bands verweigern aus Protest ihre größten Hits. Travis hingegen zelebrieren diesen Moment geradezu feierlich und sind sich der Tragweite dieses Songs mehr als bewusst.

Obwohl Fran Healy amüsiert feststellt, dass es sich schon fast so anfühlt, als ob Travis selbst nur eine Cover-Version von „Why Does It Always Rain On Me?“ spielen würden, ist die anschließende Tradition des lauthalsen Mitsingens und Mithüpfens dadurch nicht minder effektiv. Wer beides zusammen mit der Band bis zum Ende des Songs durchgehalten hat, wird heute vermutlich noch ein wenig von seinen Muskeln daran erinnert werden. Wenn man Travis an diesem Abend eines schuldig war, dann waren das wohl mindestens zwei springende Beine und auf Anschlag schlackernde Stimmbänder. Beim nächsten Wiedersehen kann Fran Healy dann hoffentlich auch wieder ganz beschwerdefrei aufspielen. Bis dahin ziehen wir aber unseren imaginären Hut vor dessen Leistung und dem Einsatz der Rest der Band.

Setlist:

Mother

Selfish Jean

Pipe Dreams

Moving

Love Will Come Through

Driftwood

Warning Sign

Re-Offender

Where You Stand

My Eyes

Reminder

Writing To Reach You

Side

Closer

Sing

Slide Show

Blue Flashing Light

Turn

——-

Flowers In The Window

Good Feeling

Why Does It Always Rain On Me?

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