Für Puristen war es fast unvorstellbar, dass die Pixies ohne Kim Deal eine Zukunft haben könnten. Hatten sie aber, Black Francis, Joey Santiago und David Lovering blieben nach dem endgültigen Abgang ihrer Bassistin bis dato präsent.
Zuletzt konnten sich „Beneath The Eyrie“, „Doggerel“ oder „The Night The Zombies Came“ sicher nicht mit den Frühwerken – die schließlich aus einer Ära stammten, in der das Ideen-Feld des Indie-Rock noch weitestgehend brach lag – messen, waren aber immer für die ein oder anderer Nummer mit Loud-Quiet-Lout-Atmosphäre gut, für die die Bostoner als Urheber gelten.
Auf der Leipziger Parkbühne gab es gestern Abend aber vor allem ihre Klassiker von „Doolittle“ bis „Bossanova“ zu hören.
Es waren dort zahlreiche Fans versammelt, von denen viele Zeitzeugen ihrer Erstausgaben gewesen sein dürften, vor der Bühne sorgte derweil die jüngere Generation für Bewegung.
Für Interaktion sind Konzerte der Pixies nicht berühmt, als die Protagonist*innen zum Intro einmarschieren, bleibt es bei einem kurzen Gruß mit der Kaffeetasse von Frank Black, was auch bis zum Winken vor und nach dem Schlussakkord die einzige gezielte Aufmerksamkeit in Richtung Publikum sein wird, dazwischen waren es Zeilen der Songs, die mit aufbrausendem Jubel als versteckte Sympathiebekundungen verstanden wurden.
Da die üblichen Anekdoten zu Band, Inspiration etc. sowie jegliche Showeinlagen ausfielen, passte umso mehr Musik in die 90 Minuten der Veranstaltung und die Pixies lieferten:
„Bone Machine“, „Monkey Gone To Heaven“ oder „Debaser“: nach vier Jahrzehnten ist der Nukleus ein eingespieltes Team, in das sich Bassistin Emma Richardson nahtlos einfügt, die gestern mit dem Laurel-Near-Cover „In Heaven (Lady In The Radiator Song)“ aus David Lynchs „Eraserhead“ und „Into The White“ ihr Momentum am Mikrofon hatte.
Ob sauber gespielte Melodien, leicht psychotische Passagen oder exzessives Geschrammel wie bei einem Kneipenkonzert, kurz bevor die Bierflaschen fliegen:
Der Leader Black Francis und seine Kolleg*innen machten nie den Eindruck, als wäre hier irgendeine Herausforderung zu bewältigen und wären vermutlich im Set sogar dann souverän geblieben, wenn der jeweilige nächste Programmpunkt randomisiert aus ihrem Gesamtkatalog ausgelost worden wäre.
Kurz vor Ultimo die Frage der Fragen: „Where Is My Mind?“ blieb zwar auch an diesem Abend unbeantwortet, das Leitriff ihres Hits hallte jedoch weit über das Konzertende hinaus im Ohr.





