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Wir nutzen jeden Vorwand, um wieder nach Berlin zu kommen! – Keane im Interview

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Einen Tag nach ihrem exklusiven Konzert im Berliner Goya, das in 21 Länder übertragen wurde, treffen wir Tom Chaplin und Richard Hughes von Keane in einem Hotel, um mit den gut gelaunten Briten nicht nur den vergangenen Abend, sondern auch die letzten zehn Jahre ein wenig Revue passieren zu lassen. Dabei berichteten die beiden MusikBlog vom Angstschweiß einer Live-Übertragung, ihrer Liebe zu Berlin und den Höhen und Tiefen der Bandgeschichte.

Eigentlich sollte man meinen nach unzähligen Konzerten auf der ganzen Welt kann eine Band nichts mehr aus der Ruhe bringen. Allerdings sind ein Dutzend Kameras und die Aussicht auf eine Live-Übertragung in 21 Länder dann wohl doch ein triftiger Grund ins Schwitzen zu geraten, wie uns Tom Chaplin versichert: „Ich habe vielleicht entspannt ausgesehen, aber das Gegenteil war der Fall. Hättest du während der Show Zugang zu dem inneren Dialog in meinem Kopf gehabt, dann hättest du den ganzen Wahnsinn darin gesehen!“ 

Tatsächlich wirkte der sympathische Frontmann am Abend zuvor wie die Selbstsicherheit in Person und ließ sich nicht von der inneren Achterbahnfahrt aus der Bahn werfen. Und das, obwohl sein Bandkollege und Schlagzeuger Richard Hughes ihn damit neckt, dass ihn sein Zustand im Goya an einen kaputten Drucker erinnert hat: „Das lässt sich ungefähr mit der Situation vergleichen, wenn dein Drucker nicht mehr richtig funktioniert und nur noch komische Symbole und zwischendurch mal ein paar Buchstaben ausspuckt.“ 

Selbst gut gemeinte Ratschläge für die Beruhigung der Nerven schlagen in solchen Momenten der Anspannung fehl. Richard erinnert sich dabei an den schlimmsten von allen „Hat dir nicht jemand noch vor der Show gesagt: ‚Stelle dir einfach vor, du würdest eine 90-minütige TV Aufzeichnung machen.‘? Dabei sind TV Shows die Hölle, weil alles unter einem so großen Druck geschieht. Es geht andauernd nur: Go! Go! Go! Stop!“

Entgegen ihres leicht angespannten Verhältnisses zu Kameras verbindet die Band mit Berlin seit Jahren eine überaus freundschaftliche Beziehung und nahm sogar Teile ihres Albums „Perfect Symmetry“ in der Hauptstadt auf. Kaum darauf angesprochen schwärmt Richard sogleich „Wir nutzen jeden Vorwand, um wieder nach Berlin zu kommen. Es ist eine so tolle Stadt und perfekt, um viele Leute aus ganz Europa hierher zu holen. Viele unserer Freunde konnten dadurch beim Konzert dabei sein. Jemand hat uns den Vorschlag gemacht das Konzert in Berlin zu spielen und wir haben die Chance sofort ergriffen.“

Das Debüt „Hopes And Fears“ kann rückblickend als Sinnbild einer noch jungen Band gesehen werden, deren erste Schritte im Musikgeschäft noch von einer gewissen Naivität begleitet wurden. Von welchen Hoffnungen und Ängsten war die Band damals erfüllt und was ist davon zehn Jahre später übrig geblieben? Richards anschließende Bilanz verschönt trotz des Erfolgs nicht die Anfangsschwierigkeiten, die wohl jede Band kennt:

„Wenn du anfängst Musik zu machen, willst du einfach nur ein Album aufnehmen. Du spielst all diese Shows und hast keinen Plattenvertrag, aber hoffst insgeheim dadurch an den Punkt zu gelangen, an dem du ein Album veröffentlichen kannst. Unsere Hoffnung war es schon immer einfach gute Alben zu machen. Dieses Ziel haben wir seit jeher leidenschaftlich verfolgt. Wir wollten nie nur ein paar einzelne, gute Songs aufnehmen, sondern ein in sich geschlossenes Werk schaffen. Ich glaube unsere Ängste bezogen sich allein darauf vielleicht nie wieder die Möglichkeit zu haben ein Album zu machen.“

Sänger Tom Chaplin sieht das ähnlich und fügt hinzu: „Das ist wohl das Dilemma, wenn man jung ist. Man klammert sich verzweifelt an die Vorstellung, dass die eigenen Träume Wirklichkeit werden, nur um dann festzustellen, dass die Realität manchmal eben doch anders aussieht. Wir können uns da wirklich glücklich schätzen. Es ist schön jetzt als Band an diesem Punkt  zu sein, an dem wir auf all diese glücklichen Umstände in unserem Leben zurückblicken können. Man kann das schnell als selbstverständlich hinnehmen, besonders weil dieser Zustand zu deiner eigenen Realität wird.“

Ein „Best Of“ zu veröffentlichen zieht unweigerlich eine Form von Selbstreflexion und eine Analyse des eigenen Schaffens nach sich. Auf einem Sofa geht das bekanntlich besonders gut. Auch wenn sich Tom und Richard dafür nicht extra wie beim Psychologen entspannt darauf ausstrecken müssen, antworten sie auf unsere Nachfrage, wie es denn nach zehn Jahren Bandgeschichte mit der Selbstwahrnehmung und dem Blick in die Vergangenheit steht, erstaunlich offen: „Wenn man anfängt alles Vergangene zu akribisch zu analysieren, dann kann es vielleicht passieren, dass man die Dinge anders sieht als es einem die eigene Erinnerung vorgaukelt“, sagt Richard.

„Trotzdem ist die Vergangenheit doch ein wichtiger Beleg dafür, wo du dich zu diesem Zeitpunkt in deinem Leben befunden hast. Ich finde das hat etwas Charmantes an sich. Darum liebe ich es auch die frühen R.E.M. Alben oder Beatles Platten zu hören, eben weil man heraushört, dass sie alle noch so jung waren. Die Jugendlichkeit kommt dir quasi aus den Lautsprechern entgegen. Wir haben die Songs auf unserem „Best Of“ bewusst in eine chronologische Reihenfolge gebracht, damit man beim Hören mitbekommt wie wir klanglich gereift und älter geworden sind. Schließlich haben sich unser Spiel und unser Stil in all den Jahren gewandelt. Da wollten wir nicht alles durcheinander werfen“, betont Hughes.

Mit gleich zwei neuen Songs, „Higher Than The Sun“ und „Won’t Be Broken“, hält das „Best Of“ von Keane aber auch aktuelles Material für die Fans bereit. In den Augen von Tom spiegeln die neuen Songs vor allem eines wider: Lebensfreude. Ein Anzeichen dafür, dass es der Band 2013 besser geht als jemals zuvor?

Tom bestätigt diese Vermutung ohne zu zögern: „Das sind vielleicht zwei der positivsten Songs, die wir je geschrieben haben und sie reflektieren gut, wie weit wir bisher gekommen sind. In vielen unserer frühen Songs konnte man die Angst förmlich heraushören. Auf dem zweiten Album gab es viele negative Gedanken und bei der dritten Platte war viel Verunsicherung mit im Spiel. Deswegen ist es jetzt umso schöner Songs schreiben zu können, die völlig frei davon sind und sich ungeniert mit positiven Aspekten befassen.“

Überhaupt erwecken die beiden während des Gesprächs den Eindruck die positive Grundstimmung während des Songwritings würde immer noch anhalten. Und so können Keane nicht nur gelassen auf das letzte Jahrzehnt, sondern wohl ebenso guter Dinge in die Zukunft blicken.

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