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Turin Brakes – Live im Magnet, Berlin

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Von wegen leise. Turin Brakes mögen zwar kurz nach der Jahrtausendwende und im Zuge der „Quiet is the new loud“ Bewegung das erste Mal musikalisch in Erscheinung getreten sein, aber seitdem kann vom englischen Duo Olly Knights und Gale Paridjanian nicht gerade behauptet werden sie ließen es ruhig angehen. Ganze sechs Alben umfasst das Werk der beiden Freunde aus Kindertagen, die sich im Spätsommer mit „We Were Here“ aus dem Studio zurückmeldeten und ohne jegliche Ermüdungserscheinungen ihren Gitarren ein weiteres Dutzend Ohrwürmer entlockten.

Dem kurzen Abstecher zum Reeperbahn Festival im September folgt nun eine ausgiebige Deutschland-Tour, dessen Auftakt im Berliner Magnet der Band ein volles Haus und obendrein einen mehr als herzlichen Empfang bescherte. Dass sich die Band auf Berliner Boden wohlfühlt, zeigte Olly Knights nur allzu deutlich und zog nach dem dritten Song die eigentlich bequem wirkenden Turnschuhe aus, um gemütlich auf Ringelsocken spielend den Rest des Konzerts zu bestreiten. Nach drei Jahren Bühnenabstinenz sei es ihm schließlich gegönnt den Club zu seinem persönlichen Wohnzimmer zu machen.

Zwar veröffentlichte Knights während dieser Zeit sein Soloalbum „If Not Now When?“, doch führte ihn dieser Anlass leider nicht nach Deutschland. Somit genoss er die feierliche Rückkehr auch zusammen mit seinen langjährigen Bandkollegen Rob Allum und Eddie Myer, die live schon längst zum festen Bestandteil der Band gehören und trotz der ihnen fleissig ins Gesicht pustenden Nebelmaschine durch nichts von ihrer guten Laune abgebracht werden sollten. Besonders Bassist Eddie Myer stand die Vorfreude auf das Konzert deutlich ins Gesicht geschrieben. Auch wenn dieses durch die langen Haare und den nicht minder imposanten Bart gut verdeckt wurde. Die Körpersprache tat jedenfalls ihr übriges und vermittelte den Eindruck, Myer hätte gerade das Ziel eines Marathons erreicht oder einen anderen Titel gewonnen.

Auch wenn das Berliner Publikum sich gerne einmal bedeckt hält, was seine Zuneigung zu einer Band angeht – im Fall von Turin Brakes wurde nicht lange gefackelt als es darum ging sich zwischen freundlicher Zurückhaltung oder Freudentaumel zu entscheiden. Letztere Option schien für einen Großteil des Publikums obligatorisch und so wurden selbst die vier neuen Songs von „We Were Here“, die den Abend einläuteten, mit überschwänglicher Anteilnahme aufgenommen.

Entgegen der weitverbreiteten Lösung neues Material unauffällig ins Set einzustreuen und dabei immer auf die nötige Balance in Hinsicht auf bekanntere Songs zu achten, entschieden sich Turin Brakes für das komplette Gegenteil und ließen die erste Single-Auskopplung der neuen Platte „Time And Money“, das folgende „We Were Here“, „Dear Dad“ sowie „Blindsided Again“ zielsicher auf die Fans los. Schließlich gab es auch keinen Grund die neuen Stücke zu verstecken. Im Zuge dessen wies Eddie Myer das Publikum dann auch schnell im charmanten Deutsch auf die mitgebrachten Merchandise-Artikel hin, die die Band unter keinen Umständen wieder mit zurück nach England nehmen wollte.

Was daraufhin folgte kann eigentlich nur als Greatest-Hits-Set bezeichnet werden, wobei es der Band bei der Vielzahl an Songs schwer gefallen sein dürfte sich auf 75 Minuten Spielzeit zu beschränken ohne dabei wichtige Eckpunkte ihrer Karriere unter den Teppich zu kehren. Umso beachtlicher wirkte im Hinblick darauf die konstant hohe Dosis an lieb gewonnenen Songs, die sich über die Jahre hinweg in einer Art zeitlosem Dasein spielend ihre Eingängigkeit und Wärme bewahrt haben. Hätte man es an diesem Abend nicht besser gewusst, wäre der Gedanke an das lange Bestehen der Band völlig in den Hintergrund gerückt. Vielmehr wirkte das Zusammenspiel der vier Freunde wie die euphorische erste gemeinsame Probe so sehr legte sich jeder von ihnen ins Zeug und ließ sich vom Fahrtwind des anderen mitreissen.

Klassiker wie „Emergency 72“, das ungemein leichtfüßige „Pain Killer“ oder das nicht minder schöne „Fishing For A Dream“ verwandelten den Zuschauerraum zum Hintergrundchor, wobei ein kleines Lächeln seitens der Band bereits genügte, um das Volumen noch weiter anschwellen zu lassen. Für „Red Moon“ schienen die vier Bandmitglieder dann so im Spiel versunken, dass sie dem Song gefühlt das doppelte Maß an Dynamik verpassten und es an ein Wunder grenzte, dass hinterher weder die Saiten noch Felle der Instrumente größere Blessuren davontrugen. Auch wenn Olly Knights hier und da vom letzten Song des Abends sprach und schelmisch das Publikum neckte das Ende des Konzerts würde sich nähern – die Band fand noch zwei weitere Male den Weg zurück auf die Bühne und konnte sich nicht so recht vom fulminanten Applaus lösen.

Auch nach siebzehn Songs wirkte das Zusammenspiel so mühelos, als hätte der Abend gerade erst begonnen. Das letzte Stück „Goodbye“ sollte dann aber doch den Abschluss eines rauschenden Konzertes bilden, das mit einer Hommage an den großen Lou Reed endete. Neben der Würdigung für den Velvet Underground Meister durften sich die Anwesenden aber insgeheim auch vor der erbrachten Leistung der Band verneigen, die sich allerdings mit eben jener Geste mehrfach von der entzückten Menge verabschiedete und sich bis über beide Ohren strahlend zurückzog. „We Were Here“? Und ob!

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