Breton – Live im Privatclub, Berlin

Diese Rückkehr musste gefeiert werden. Letztes Jahr zog es Breton von London nach Berlin, um die Arbeit am Nachfolger zum Debüt “Other People’s Problems” voranzutreiben. Ein paar Monate später hatten die Soundtüftler mit ihrem Zweitwerk “War Room Stories” zehn neue Songs geschaffen, die den älteren Stücken in Sachen Experimentierfreude in nichts nachstehen. Zur Live-Taufe ließ die Band es sich nicht nehmen nun auch in der Heimatstadt ihrer Song-Babies vorbeizuschauen.

Wer nicht schnell genug war und sich ein Ticket für die Show besorgte, musste sich allerdings daheim an die Lautsprecher-Boxen krallen, denn der Privatclub verkündete schon im Vorfeld des Konzertabends “sold out” und platzte aus allen Nähten. Einige Fans waren sogar aus dem Ausland angereist, um die Band in solch intimer Kulisse zu sehen und mischten sich unter das Publikum, das sowohl Anzugträger mit Bewegungsdrang sowie party-affine Studenten zu vereinen schien. Die Lizenz zum Tanzen hatten sie jedenfalls allesamt beim Eintritt in den Club erworben und nutzten diese von der ersten bis zur letzten Sekunde. Sehr zur Freude des englischen Quintetts auf der Bühne.

Zur eigenen Vorbereitung auf den energiegeladenen Abend hatte das Künstlerkollektiv selbst die besten Sneaker aus dem Tour-Koffer gewühlt und scharte damit unablässig und erwartungshungrig auf den Bühnenbrettern bis der erste Ton des Eröffnungstracks “Got Well Soon” aus den Lautsprechern schoss. Ohren und Magengegend wurden in den folgenden Minuten mit messerscharfen Beats kräftig bombardiert und mit geballter Zielsicherheit attackiert. Wie es sich für Breton gehört, fand dieser Angriff auf audio-visueller Ebene statt und verband die Leidenschaft der Band sich sowohl in musikalischer als auch filmischer Hinsicht auszutoben.

Die groß hinter dem Schlagzeug hochgezogene Leinwand diente den Bandmitgliedern dabei als weitere Spielwiese, deren Form und atmosphärischer Zustand sich ähnlich schnell wandelte wie die dazu in den Konzertraum geworfenen Songs. Einmal nicht aufgepasst, landete der nächste akustische Überraschungshieb einen Treffer und zog einen ungestüm in die entgegengesetzte Richtung. Anstatt die Deckung auszufahren, stürmte das Publikum jedoch los und ließ sich bereitwillig von den packenden Songs überfahren. Mit der Folge sich hinterher jedes Mal wieder von den unkonventionellen Sound-Abenteuern der Band mitziehen zu lassen.

Als hätten Breton nicht ohnehin schon alle Hände voll zu tun, greifen sie zwischendurch auch immer wieder zum nächsten Instrument, tauschen untereinander Bass gegen Gitarre oder Gitarre gegen Synthesizer aus und bewegen sich auf dem Terrain der Multiinstrumentalisten ebenso sicher wie leichtfüßig, was ihren Spieldrang angeht. Und das, obwohl die Songstruktur selten geradlinig verläuft, geschweige denn in sicht ruht. Besondere Ausgelassenheit herrschte vor allem bei Tracks wie dem Calypso-infizierten “Envy” während “Closed Category” mit weniger Tempo eine nicht minder gute Figur abgab.

Zur Feier des Tages kam das Berliner Publikum dann kurz vor dem Zugabenset in den Genuss das bis dato unveröffentlichte Video zum “War Room Stories” Album-Closer “Fifteen Minutes” zu sehen, dessen Online-Premiere einfach mal um ein paar Tage nach vorne ins Club-Ambiente verlegt wurde und während des Songs im Hintergrund flackerte. Das sollte jedoch laut Sänger Roman Rappak nicht der letzte Grund zum Feiern gewesen sein, denn der für die Visuals verantwortliche Ryan McClarnon konnte an diesem Tag im Doppelpack Uni-Abschluss und Geburtstag zelebrieren und das Party-Feeling im Dauermodus eingeschaltet lassen.

Auch dieser Besuch von Breton in Berlin ließ keinen Zweifel daran, dass die Londoner sich in der deutschen Hauptstadt pudelwohl fühlen und darüber hinaus live alle erdenklichen Hebel in Bewegung setzen, um ihre Genre-übergreifenden Songs zu einem explosiven Set zusammenzufügen. Fans dürfte es dabei besonders freuen, dass sich darunter auch Tracks ihrer EP’s befinden, die als Ergänzung einen berechtigten Platz einnehmen. Das kreative Gespann agierte im Privatclub wieder einmal auf ganzer Linie als audio-visuelle Wundertüte. Böse Überraschungen ausgenommen, inspirierende Impulse offensiv als Signale aus den Instrumenten gejagt und von den Anwesenden aufgefangen.

Facebook
Twitter

Schreibe einen Kommentar

Das könnte dir auch gefallen

Mitglied werden

Wir verzichten auf lästige, unmoderne Bannerwerbung. Wenn du unsere Inhalte magst, unterstütze uns bitte und werde MusikBlog-Mitglied, damit wir unsere Redaktion finanzieren können und unsere Leidenschaft für Musik weiter gemeinsam mit dir teilen können.