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Journey To Jah

Journey To Jah – Die Suche nach den musikalischen Wurzeln

Singende Schauspieler und schauspielernde Sänger sind ja nichts Neues. Es gibt nur wenige, bei denen der Ausflug vom Tonstudio ans Filmset oder umgekehrt auch tatsächlich funktioniert. Ausnahmen sind meistens Filme, in denen es tatsächlich auch um Musik geht. So wie zum Beispiel in dem neuen Dokumentarfilm „Journey to Jah“ von Moritz Springer und Noel Dernesch.

Nicht nur Sommer, Sonne und gute Laune

Die Filmemacher begleiten die beiden Reggae-Musiker Gentleman und Alborosie auf ihrer Spurensuche nach dem Ursprung und der tieferen Bedeutung des Reggae nach Jamaika. Der Sizilianer Alborosie wohnt fest in Kingston, Gentleman ist dort nur zu Besuch. Gemeinsam arbeiten die zwei Künstler im Tonstudio an neuen Aufnahmen, albern herum und tauschen sich aus über Spiritualität, Sehnsucht und die Suche nach dem Sinn des Lebens.

Doch mit diesen Aufnahmen alleine gibt der Film sich nicht zufrieden. Moritz Springer und Noel Dernesch interviewen auch jamaikanische Musiker und Kulturspezialisten zum Reggae, der mehr eine Lebensphilosophie ist als nur eine Musikrichtung. Sie treffen unter anderem Damian Marley, den jüngsten Sohn von Bob Marley und das Reggae-Urgestein Jack Radics. Es geht um den starken Bezug zu Afrika und dem alten Testament, die Musik als Protest gegen Unterdrückung, Dreadlocks und den Traum aus der Armut und dem Ghetto auszubrechen.

Thematisiert werden in „Journey To Jah“ auch soziale Missstände, der tägliche Kampf ums Überleben, die Perspektivlosigkeit und Kriminalität in Jamaika sowie der aktuell heiß diskutierte Vorwurf an prominente Musiker wie Beenie Man oder Bounty Killer, ihre Texte seien homophob und hetzerisch.

Mehr als Joints und Dreadlocks

Wenn man Reggae hört, tauchen wahrscheinlich bei den meisten ähnliche Bilder im Kopf auf: Entspannte Menschen mit Rastazöpfen, einem Joint in der Hand, die in der Hängematte chillen, das Leben und die Sonne genießen. Hinter der Rastafari-Kultur steckt aber viel mehr. Entstanden ist die Glaubensrichtung in den 1930ern in Jamaika aus dem Christentum. Mitgegründet hat sie Marcus Gravey, der zehn Jahre vorher die Krönung eines mächtigen schwarzen Königs in Afrika vorausgesagt hatte. Als Haile Selassie 1930 Kaiser von Äthiopien wurde, hielten die Menschen die Prophezeiung von Gravey für erfüllt.

An oberster Stelle dieser Glaubensrichtung stehen die freie Meinung und der freie Wille jedes Einzelnen. Tabak und Alkohol werden von vielen abgelehnt und auf eine Ernährung ohne tierische Produkte und Salz Wert gelegt. Einige konsumieren Cannabis in einem Ritual gemeinsam zum Meditieren, Nachdenken oder Debattieren. Das Tragen von Dreadlocks und ungestutzten Bärten ist ein Ausdruck der Verbundenheit mit Gott und der Natur. Außerdem gelten sie als Zeichen des Widerstands gegen weiße Unterdrücker.

International bekannt wurde die Rastafari-Kultur ab den 1970er Jahren in erster Linie durch den Reggae. Die Geschichte und Kultur der Glaubensrichtung und der Musik werden in dem Film „Journey To Jah“ unterhaltsam, stimmungsvoll, mit wirklich schönen Bildern und einem großartigen Soundtrack präsentiert. Die Dreharbeiten haben sieben Jahre gedauert, doch die Zeit hat sich gelohnt. Moritz Springer und Noel Dernesch geben in ihrer deutsch-schweizerischen Ko-Produktion einen detaillierten Überblick über die Rastafari-Kultur, räumen mit Vorurteilen auf, zeigen sowohl die positiven Aspekte als auch die Schattenseiten auf.

Der Film „Journey To Jah“ läuft ab dem 20. März in den deutschen Kinos.

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