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Miss Platnum – Glueck und Benzin

Miss Platnum – Glück und Benzin – Alles neu

Sie zog in den Kampf gegen den Schlankheitswahn und stellte mit „Give Me The Food“ klar, dass der Genuss wichtiger ist als der Body-Mass-Index. Bei „Come Marry Me“ sendete sie einen Heiratsantrag an Peter Fox, obwohl der doch nur eine Frau suchte, „die gut kochen und nähen kann“. Und schließlich war sie mit Marteria und Yasha die Einzige, die noch wach war, als die Wolken wieder lila wurden.

Miss Platnum ist mit ihrem mittlerweile vierten Album „Glück und Benzin“ zurück. Glücklich läuft es nicht immer in der Welt von Miss Platnum: „Kuck mal nach im Netz, was die Masse so sagt. Sie finden ‚Lila Wolken‘ gut, doch hassen meinen Part“ – und das ist nur eines von insgesamt 99 Problemen der Berlinerin mit rumänischen Wurzeln. Gott sei Dank steht irgendwo da vorne ihr Typ, mit dem sie wirklich kein einziges Problem hat. Er rückt die eher düster klingende Single „99 Probleme“ ins rechte Licht.

Balkan-Trompeten und Dancehall-Rhythmen waren bisher das Markenzeichen von Miss Platnum. Früher klang sie so, als hätte sie ein Praktikum bei SEEED absolviert und ihre Heimat Rumänien einfach in den markanten Sound eingebaut: eine echte Band, klappernde Drums, soulig und tanzbar. Und auch wenn Ruth Maria Renner, wie Miss Platnum wirklich heißt, jetzt nur noch auf Deutsch singt, ist es doch genau dieser ganz spezielle Sound, den man erwartet, besonders wenn der Song „Gläser an die Wand“ heißt.

Aber dann klingt doch alles neu, wenn die Gläser an der Wand zerbrechen – 2014 ist eben eine andere Zeit als 2009. Nach „Lila Wolken“ und den großen Erfolgen von Marteria ist auch bei Miss Platnum ein anderer Sound angesagt. Marteria selbst hat beim Album fleißig mitgetextet und sein Produktions-Team „The Krauts“ sind für die Beats verantwortlich. Das hört man: Das typische Versmaß des Rostockers wird kombiniert mit Plastikbeats, Synthiestreichern, künstlichen Drumloops und Dubstep-Elementen – ein Stil, der sich perfekt in die Rotation junger Radiosender einfügen lässt. Miss Platnum selbst behauptet, sie mache „keine Musik für kleine Mädchen und Jungs“ – Wirklich?

In einem Interview sagte die Sängerin, dass sie die alte Miss Platnum besoffen gemacht und über Bord geworfen hätte. Jetzt sei Miss Platnum keine Kunstfigur mehr, sondern sie selbst. Die starke Powerfrau, als die sie sich früher ausgelassen gefeiert hat, klingt jetzt weniger frech, sondern eher traurig, verträumt, nachdenklich und teilweise sogar gelangweilt. So hört man es aus ihrer Stimme kaum heraus, dass im Duett mit Yasha „irgendwo zwischen Erde und Raumschiff“ die Luft tatsächlich nach Glück (und Benzin) schmeckt. Der Titeltrack ist dennoch ein starker Song, der (mal wieder) an „Lila Wolken“ erinnert. Neben Yasha sind auf „Glück und Benzin“ Marterias Kiffer-Alter-Ego Marsimoto und die Rüpelrapper von K.I.Z. als Featuregäste zu hören.

In „Letzter Tanz“ ist Miss Platnum kurz wieder die Alte, wenn wild klatschende Drums und orientalische Melodien den immer gleichen Synthie-Teppich durchbrechen und einen zügellosen Tanz erlauben. Das Reinhören lohnt sich auch bei „Kleiner Schmerz“, einer dunklen Ballade und bei „Perfekte Illusion“, einem Song mit einem mitreißenden Groove und der netten Botschaft „Nichts ist so schön wie es scheint, doch keiner scheint so schön wie wir!“

„Glück und Benzin“ ist ein Album mit fetten Beats und intelligenten Texten, das sich perfekt in den Stil einfügt, den Miss Platnum zusammen mit Marteria und Yasha auf ihrer „Lila Wolken EP“ geschaffen haben. Deutsche Texte zu singen sieht Fräulein Platnum als Herausforderung, die sie hervorragend meistert. Die Berlinerin kann man auf Deutsch genauso ernst nehmen wie auf Englisch. Aber: Einen großen Hit à la „Give Me The Food“ findet man leider nicht auf „Glück und Benzin“ und alle Fans von Miss Platnum aus den „Chefa-Zeiten“ haben jedes Recht der Welt zum Aufschrei: „Früher war sie besser!“

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