Bela B. - ByeBela B. hat die Sammelleidenschaft für sich entdeckt. Andere sammeln Briefmarken, Panini-Bilder oder Kronkorken. Er sammelt Frauenstimmen. Das klingt erstmal komisch. Auf “Bye”, seinem dritten Soloalbum entpuppt sich seine kleine Kollektion jedoch als witziges musikalisches Gimmick. Konkret sammelt er nämlich die von berühmten Frauen eingesprochenen Einzähler. Die wiederum hat er in einige seiner Songs eingebunden – und damit einen dem Album eigenen Running Gag entworfen.

Vertreten sind dabei unter anderem Gin Wigmore und Eleni Mandell. Auch mit den wenigen gesprochenen Worten bilden sie einen schönen Gegenpart zu Belas tiefer Stimme. Musikalisch entfernt sich dieser spürbar von den Ärzten. Statt Pop-Punk wird eine Countrymischung serviert. Dazu hat sich Dirk Felsenheimer, so Belas bürgerlicher Name, die Band Smokestack Lightnin’ ins Boot geholt, die sich schon seit mehreren Jahren dem staubigen Sound verschrieben hat. Auch Walter Broes, Peta Devlin und Lynda Kay schraubten an “Bye” mit.

Und doch spürt man, dass hier ein Arzt am Werk ist. Die Texte erinnern sowohl in ihrem Aufbau, als auch mit ihrem Humor an typische Ärzte-Veröffentlichungen. Die Inbrunst in der Stimme von Felsenheimer tut ihr Übriges. Dennoch wirkt “Bye” reifer als ein Ärzte-Album und auch als die Vorgänger, die Bela B. solo veröffentlichte. Songs wie “Der Sünder”, das pathetisch mit der Zeile “Ich war so jung, die Sünde kannte ich noch nicht” eröffnet wird, oder “Teufelsküche” würden, wenn sie es schon vor einigen Jahren auf ein Album geschafft hätten, vermutlich anders klingen. Ein kleines Kunststück also: Einerseits musikalische Runderneuerung und textliche Weiterentwicklung, ohne jedoch andererseits den charakteristischen Stil zu verlieren.

Allerdings gilt das nicht für die gesamte Platte. “Sentimental” (in dem ein Spermafleck besungen wird, kein Spaß) oder “Streichholzmann” erinnern doch eher an Blödelrock als an gestandenen Country. So pendelt Bela B. weiterhin etwas zwischen Jugendwahn und Reife, wobei er auf “Bye” stärker zu letzterem tendiert als auf “Bingo” und “Code B”. Glücklicherweise, denn seiner Stimme steht das bedeutend besser.

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