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Nebelkreise mit Happy End – Smoke Fairies im Interview

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Wie aus einer mystischen Dunstwolke heraus blicken die beiden Britinnen Jessica Davies und Katherine Blamire, die seit Jahren als Smoke Fairies unterwegs sind, auf dem Album-Cover ihres neuen Werks den Hörer an und machen damit ihrem Namen und auch dem Albumtitel alle Ehre. Nicht nur die Aufnahmen dieses Bildes, sondern auch das Fundament der neuen Platte war lange Zeit in einen dichten Nebel gehüllt. Gar von einer Krise ist die Rede, die das englische Folk-Blues-Duo packte, aber letztendlich nicht aus der Bahn werfen konnte. Warum die beiden Musikerinnen trotz der Selbstzweifel nicht den Kopf in den Sand steckten, sondern stattdessen gestärkt aus der Erschütterung hervorgingen, erzählen sie uns im Interview mit MusikBlog und berichten zudem über die verschiedenen Verrücktheiten, die die Albumaufnahmen noch begleiteten.

MusikBlog: Eine Zeit lang stand euer neues Album „Smoke Fairies“ auf etwas wackeligen Beinen und es war im Nachhinein die Rede von einer Krise. War diese kreativer Natur?

Jessica Davies: Nein, in kreativer Hinsicht war alles in Ordnung. Es war eher eine allgemeine Krise, die uns gepackt hat und in der wir so ziemlich alles in Frage gestellt haben. Sollten wir musikalisch weitermachen? Ziehen wir in unserem Leben einen Nutzen aus der Musik? Allen Dingen voran stand die Frage, ob uns die Musik noch glücklich macht, denn es kann manchmal sehr schwer sein, als Musiker seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Der Druck ist enorm und die Erwartungen von aussen sowie die eigenen Vorstellungen lasten auf Einem. Wenn sich diese dann nicht in demselben Maße erfüllen, wie man es sich erhofft hat, dann werden die Fragezeichen im Kopf automatisch immer größer. Ich glaube, dass es vielen Musikern so geht. Wir können uns sicherlich glücklich schätzen, dass wir die Krise überwunden haben und darüber hinaus noch ein Album daraus hervorgegangen ist. Andere kaufen sich ein lächerliches Motorrad und versuchen damit, die Krise abzuwenden. (lacht)

MusikBlog: Gehört es zu eurem kreativen Schaffen dazu, euch als Künstler ständig zu hinterfragen?

Jessica Davies: Normalerweise sind wir nicht wirklich die Typen dafür. Bei unserem zweiten Album hatten wir zum Beispiel keinerlei Zweifel und sind erst gar nicht auf die Idee gekommen, uns oder unsere Arbeit während dieses ganzen Prozesses in Frage zu stellen. Das ging erst danach los. Wir waren selbst total schockiert von diesem Zustand, denn wir hatten bis dahin nie einen Anlass dazu gehabt, Musik in dieser Form zu hinterfragen. Es war eine sehr niederschmetternde Erfahrung für uns, die uns aber gelehrt hat, dass wir die Musik definitiv in unserem Leben brauchen. Wir konnten uns nicht vorstellen, diesen Teil aus unserem Alltag zu streichen.

MusikBlog: Für viele Künstler geht ihre Arbeit einher mit einer lebensumspannenden Hingabe an das entstehende Werk. Fühlt ihr euch eurer Musik ebenfalls so tief verbunden, dass ihr gar nicht anders konntet als weiterzumachen?

Jessica Davies: Genau zu dieser Einsicht sind wir letztendlich auch gekommen. Auf dem neuen Album gibt es einen Song namens „Hope Is Religion“, der diesem Gefühl sehr nahe kommt. Auch wir gelangten irgendwann an diesen Punkt, an dem Musik für uns fast schon wie eine Art Religion war. Sie gehörte so felsenfest zu unserem Leben dazu und wir jagten unseren Träumen nach. Man widmet wirklich all seine Aufmerksamkeit nur dieser einen Sache und gibt alles an Energie, was man hat. Das kann dazu führen, dass man sich mitunter davon geblendet fühlt und anfängt, das eigene Ich nur noch verschwommen wahrzunehmen. Ich glaube, wir mussten erst an diesen Punkt kommen, um für uns zu erkennen, dass wir nicht einfach alles aufgeben können. Gleichzeitig wurde uns bewusst, etwas ändern zu müssen und so fingen wir wieder an, uns auf den Kern des Ganzen zu konzentrieren, um überhaupt wieder Spaß an der Musik zu haben. Dazu mussten wir erst einmal bei uns selbst „aufräumen“.

MusikBlog: Habt ihr euch während dieser Selbstzweifel die Frage gestellt, wie eine passende Alternative für euch persönlich aussehen könnte?

Jessica Davies: Ja, diese Frage kam natürlich auf. Ich muss aber gestehen, dass sie mir Angst eingejagt hat. Immerhin versucht man, sich aus einem Dilemma zu befreien und fängt an zu überlegen, was anstelle der Musik einen so wichtigen Platz im Leben einnehmen könnte. Zumal es nicht um ein weiteres Hobby ging, sondern um etwas Konkretes, das dich beruflich nach vorne bringt und dein Leben finanzieren soll. Alles, was uns in den Sinn kam, schien aber nicht dafür geeignet zu sein und war in finanzieller Hinsicht ebenso wenig erfolgsversprechend. Wir stellen unheimlich gerne etwas her und sind kreativ tätig. Katherine arbeitet mit Möbeln und ich liebe es, kleine Vögel anzufertigen. Davon kann man aber nicht seinen Lebensunterhalt bestreiten.

MusikBlog: Du hast das Thema Erfolg angeschnitten – was bedeutet es für euch persönlich, musikalisch erfolgreich zu sein? Woran messt ihr eure eigene Leistung?

Jessica Davies: Da wir neben der Musik immer noch unsere Büro-Jobs haben, wäre es toll, wenn wir uns ganz allein auf unser Songwriting und unserer Karriere als Musikerinnen konzentrieren könnten. Das wäre schon mal ein großer Schritt nach vorne. Momentan bezahlen wir unsere Miete und das Essen nicht, weil wir Songs schreiben.

Katherine Blamire: Wir betrachten Geld nicht als persönliches Glück, um zu existieren, aber wenn man Musik macht, wünscht man sich insgeheim schon, dass man auch davon leben kann. Es würde uns sehr viel bedeuten, wirklich sagen zu können, dass wir Vollzeit-Musikerinnen sind. Das würde unserem Selbstvertrauen sicherlich auch helfen. Unsere persönliche Krise hat uns allerdings gezeigt, dass wir den jetzigen Zustand so akzeptieren müssen wie er ist. Er ist nun einmal ein Teil unseres Lebens und sollte unserem kreativen Drang nicht im Weg stehen.

MusikBlog: Es scheint so, als ob ihr vielmehr die Begleitumstände hinterfragt als zum Beispiel eure Fähigkeiten als Musikerinnen. Ist dem so?

Jessica Davies: Das stimmt, obwohl wir nicht umhin kommen, uns ab und an auch Gedanken über unser musikalisches Können zu machen. Ich glaube jeder Musiker tut das irgendwann. Es ist ein gefährliches Terrain, auf das man sich dabei wagt, denn es tut einem nicht unbedingt gut, wenn man sich ständig mit anderen vergleicht.

MusikBlog: Gibt es denn etwas, das ihr gerne verbessern würdet?

Jessica Davies: Das neue Album basiert viel mehr auf Keyboard-Melodien als ältere Stücke von uns. Da ich mich aber nicht als besonders gute Keyboarderin einstufe, würde ich auf jeden Fall gerne dort ansetzen und mein Spiel verbessern. Eigentlich kann ich überhaupt nicht Keyboard spielen und lerne das erst jetzt, wo ein paar Shows bevorstehen. Ich komme mir gerade vor wie ein Kind, das mit einem Finger auf die Tasten haut und sich plötzlich vor Hunderten von Leuten wiederfindet! (lacht)

MusikBlog: Nimmst du Unterricht oder bringst du dir alles selbst bei?

Jessica Davies: Ich hatte einmal vor ein paar Jahren Unterricht und versuche das nun abzurufen, aber schon damals hat mich die Lehrerin skeptisch angesehen und mir nicht so ganz geglaubt, dass ich in einer Band bin. Vermutlich war ich so schlecht, dass sie gar nicht anders konnte, als mir zu misstrauen.

Katherine Blamire: Das kommt wahrscheinlich daher, dass wir beide nicht besonders gut darin sind, Anweisungen anzunehmen und umzusetzen. Ausserdem ist unsere Spielweise auch nicht gerade konventionell und wir umgehen gerne herkömmliche Herangehensweisen. Das hat natürlich etwas damit zu tun, dass wir uns viele Dinge selbst beigebracht und dadurch andere Gewohnheiten entwickelt haben, was unser Spiel angeht.

MusikBlog: Am Ende der neuen Platte steht mit dem Song „Are You Crazy?“ ein Fazit, das gewissermaßen auch zum schwankenden Entstehungsprozess des Albums passt. Allen Verrücktheiten zum Trotz habt ihr aber durchgehalten. Und doch – wann habt ihr euch das letzte Mal genau diese Frage gestellt?

Jessica Davies: Ich schätze, als wir diesen Song geschrieben haben! Da haben wir unseren Geisteszustand doch zumindest kurz dem Prüfstand unterzogen. Unsere Eltern und Freunde haben uns aber versichert, dass alles in Ordnung ist. (lacht)

Katherine Blamire: Meistens stellt man sich genau diese Frage, wenn man anfängt zu glauben, dass alles Wahre im Leben keinen Sinn ergibt. Jeder kennt wohl das Gefühl, auf der Suche nach etwas zu sein, aber für manche Dinge im Leben gibt es eben keinen wirklichen Beweis, obwohl sie da sind. Du kannst noch so verzweifelt danach suchen. Es heisst aber nicht, dass du verrückt bist, nur weil es dir nicht als Beweis schwarz auf weiss vor deinen Augen erscheint. Gerade als Erwachsener wird einem schnell bewusst, dass in Sachen Erfolg nicht alles mit einer Art physischem Nachweis zu belegen ist. Es kommt vielmehr darauf an, mit sich selbst zufrieden zu sein.

Jessica Davies: Was das angeht, sind wir mit dem neuen Album wirklich sehr zufrieden. Es ist wie ein kleiner persönlicher Triumph für uns, dass es überhaupt existiert. Wir sind stolz darauf, dass es trotz aller Umstände dazu gekommen ist, dass wir nun auf eine ganze Reihe neuer Songs blicken können. All die Wirrungen und Turbulenzen auf dem Weg dahin sind diesen Liedern gewichen, die wohl so persönlich geworden sind wie auf keinem unserer Alben zuvor. Aus der gefühlten Leere ist etwas sehr Erfüllendes für uns entstanden, das uns sowohl musikalisch als auch persönlich begleitet. Diese Erfahrung hat unsere Auffassung von uns selbst verändert. Wir schauen jetzt aus einem leicht anderen Blickwinkel auf uns selbst und die Dinge um ums herum.

MusikBlog: Genau diese Einstellung lässt sich auch am jetzigen Sound von euch festmachen, der zwar ansatzweise an eure musikalische Vergangenheit erinnert, aber gleichzeitig nach vorne drängt, um neue Einflüsse zuzulassen.

Jessica Davies: Während wir an den neuen Songs gearbeitet haben, wurde uns bewusst, dass wir viele Ideen, die an Bekanntes anknüpften recht schnell verwarfen, um uns auf etwas für uns Neues zu konzentrieren. Es fühlte sich ein wenig so an, als ob wir uns auch musikalisch von der Vergangenheit lösen wollten. Sobald uns etwas an bestehende Smoke Fairies Songs erinnerte, schnappten wir uns lieber die nächste Idee. Auch die Zeit im Studio diente dazu, auf Altbewährtes zu verzichten. So gingen wir zum Beispiel ins Studio ohne eine konkrete Vorstellung vom Sound zu haben, dem wir nachgehen wollten. Das war beängstigend!

Katherine Blamire: Jeder Song fühlte sich wie ein Puzzle für uns an, an dem wir so lange feilten, bis er im bestmöglichen Licht glänzte. Uns war es wichtig, dem jeweiligen Song genügend Platz einzuräumen und ihn nicht unter Dutzenden von Schichten zu begraben. Wir wollten eine Art offenen Raum schaffen. Dazu gehörte für uns auch die Tatsache, dass wir uns darüber im Klaren werden mussten, was genau der Song brauchte. Die Instrumentierung und alles weitere kam dann erst später dazu.

MusikBlog: Wie kann man sich den internen Dialog vorstellen, der euch in dieser Phase individuell begleitet hat?

Katherine Blamire: Wir sind in dieser Zeit sehr in uns gegangen und haben uns jeweils eine eigene kleine Zone geschaffen, in der wir über viele Punkte nachgedacht haben. Selbstreflexion ist ein wichtiger Bestandteil beim Songwriting. Sie hilft dir dabei, dich von Ängsten freizumachen und dem Druck standzuhalten. Der Song „Waiting For Something To Begin“ handelt genau von diesem Zustand und drückt wohl am Besten aus, welcher interner Dialog sich in uns abgespielt hat.

MusikBlog: „Smoke Fairies“ ist in Kent entstanden. Was hat euch dazu bewegt, diese Gegend für die Aufnahmen aufzusuchen?

Jessica Davies: Das Studio dort gehört Freunden von uns. Daher war es sehr praktisch für uns, nach Kent zu gehen, um an den Songs zu arbeiten. Ausserdem ist es schön, an einem Ort zu sein, der so gar nichts mit der allgemeinen Musikindustrie zu tun hat. Alles ist sehr übersichtlich und das Anwesen befindet sich in einer von der Industrie geprägten Gegend. Drum herum gibt es einen Mechaniker, ein Tattoo-Studio und sonst nicht sehr viel. Jeder steht fest mit beiden Beinen auf dem Boden und es ist ein toller Ort, um Leute zu beobachten. Wenn man also einmal eine Pause vom Studio brauchte, musste man nur kurz vor die Tür und konnte sich wunderbar ablenken.

Katherine Blamire: Gleich um die Ecke vom Studio gab es diesen Mechaniker, der uns jeden Morgen mit den Worten „There are the rock stars again!“ begrüßte. Das war schon sehr unterhaltsam und wir kamen uns in dieser Gegend wie zwei wahre Künstlerinnen vor. (lacht)

MusikBlog: Euch stand bei den neuen Songs Kristofer Harris als Produzent zur Seite. Inwiefern ist es für euch wichtig, durch eine ähnliche Arbeitsmoral mit beispielsweise einem Produzenten wie ihm verbunden zu sein?

Jessica Davies: Ich schätze, das ist uns nicht so wichtig, denn in diesem Fall gab es da doch erhebliche Unterschiede. Kristofer ist total verrückt, was seinen Arbeitseinsatz angeht! Er saß teilweise bis morgens um sechs vor dem Computer-Bildschirm und arbeitete an den Songs. Wir mussten ihn manchmal davon wegzerren, damit er überhaupt Schlaf bekommt. Wir beide sind da viel entspannter, was das angeht. Andere würden auch sagen: faul!

Katherine Blamire: Wir arbeiten lieber in einem bestimmten Rhythmus und stehen zeitig auf, um uns an die Arbeit zu machen, während Kristofer ohne Probleme bis in die Nacht hinein durchzieht. Sobald ich müde werde, kann ich nicht mehr an den Songs arbeiten. Die Müdigkeit verschleiert mein Urteilsvermögen und ruft nicht gerade meine beste Leistung hervor.

Jessica Davies: Jetzt, wo ich so darüber nachdenke, habe ich auch ganz schön viel geschlafen während wir das Album aufgenommen haben…(lacht). Zur selben Zeit wurde England gerade von einer Hitzewelle heimgesucht, was mich noch schläfriger gemacht hat als sonst. Der gesamte Körper hat teilweise dicht gemacht und lief nur noch auf einem Basis-Level. Zudem gab es im Studio keine Klimaanlage, geschweige denn Fenster!

Katherine Blamire: Mir kam es so vor, als ob wir die ganze Zeit über immer zwischen zwei extremen Zuständen schwankten. Einmal das überaus konzentrierte Arbeiten und dann ein durch die Hitze bedingte Rückfall in die völlige Unproduktivität. Und doch haben wir sehr hart an den Songs gearbeitet, was übrigens auch für alle anderen beteiligten Personen gilt.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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