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Auweia, eine Frau, die Sex hat – Lydia Lunch im Interview

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Abteilung: Legendäre Ladies. Querstrich: Lydia Lunch. Underground-Ikone, Sängerin, Autorin, Spoken Word Artist, Schauspielern. Leiterin von Selbstbestimmungs-Seminaren. Ernährungs-Spezialistin. Kollaborationen mit Thurston Moore & Sonic Youth, Nick Cave & Birthday Party, Foetus, Roland S. Howard, Michael Gira, Richard Kern, Einstürzende Neubauten, Henry Rollins,  Hubert Selber Jr., Weasel Walter und vielen mehr. Uffza! Ein immenser Body of Work. Stoff für einen Studiengang. Ihr aktuelles Album mit Cypress Grove: „A Fistful Of Desert Blues„.

MusikBlog: Du bist jetzt fast 40 Jahre in der Welt der Musik und Kunst unterwegs. Kann Dich überhaupt noch was umhauen?

Lydia Lunch: Klar. Da gibt´s einiges. Zum einen bin ich beeindruckt, dass so viele von uns überhaupt noch leben! Haha! Du hast Weasel Walter erwähnt. Ich find´s fantastisch, dass ich weiterhin mit solchen Leuten zusammenarbeiten kann. Carla Bozulich mit Evangelista beeindruckt mich immer noch. Genau wie Baba Zula aus Istanbul. Oder Alexander Hacke. Oder Jim Thirlwell. Ich halte weiter meine Ohren auf. Und was komplett neue Sachen angeht – Viele beschweren sich: Wo ist die neue Musik? Aber ich sage: Warum schaut ihr euch nicht mal neue Architektur an? Oder neue Chemie? Warum muss es immer Musik sein?

MusikBlog: Musikalisch finde ich Dein neues Album „A Fistful Of Desert Blues“ sehr entspannt und zugänglich. Gesang und Texte klingen aber ziemlich „lunchian„. Leidenschaft! Konflikt! Gefahr! Dark Sexyness!

Lydia Lunch: (lacht)

MusikBlog: Kannst Du erzählen, wie es zu der Kooperation mit Cypress Grove kam?

Lydia Lunch: Wir haben beide an den Tribute-Alben für Jeffrey Lee Pierce von The Gun Club mitgewirkt. Danach musizierten wir weiter, ohne uns je zu treffen. Via Computer. Ich stellte ihm unmögliche Aufgaben. Zum Beispiel sollte er ´nen seltsamen, abstrakten Song schreiben. Sowas wie ein Bluegrass-Stück. Und doch völlig anders. Und er hat´s tatsächlich hingekriegt! Erst als knapp die Hälfte der Songs fertig war, fand ich raus, dass er noch nie zuvor eigene Stücke komponiert hatte. Diese Offenbarung hat mich echt geschockt. Ich fühlte mich, als ob ich den Barkeeper aufgegabelt hätte und am nächsten Morgen mit einem Serienmörder wie Ted Bundy aufgewacht wäre! Echt unheimlich. Bizarr. Wir lernten uns dann doch kennen. Die Vocal-Tracks habe ich alle bei mir zu Hause am Rechner aufgenommen und ihm dann geschickt. Eigentlich sind wir ne Garagen-Band. Aber Du hättest keinen Schimmer, wenn ich´s Dir nicht verraten würde.

MusikBlog: Laut Interweb lebst Du jetzt hauptsächlich in Spanien.

Lydia Lunch: Die letzten acht Jahre war ich da sehr oft. Ich verdiene meine Brötchen zum größten Teil in Europa. Im Grunde führe ich ein Nomaden-Dasein. Spanien. Louisville, Kentucky. New York. Los Angeles. Und das Leben auf Tour.

MusikBlog: „A Fistful Of Desert Blues“ klingt, als ob es von der Atmosphäre in Spanien stark beeinflusst ist.

Lydia Lunch: Alle Fotos, Videos und Live-Visuals zum Album stammen aus Spanien. Bilder von Geisterstädten und Wüsten. Sehr romantische, tödlicher Orte. Spanien finde ich interessant, weil es historisch so zwiespältig ist. So viel Gewalt. Und doch so viel Schönheit. Unglaubliche Architektur. Die Kunst ist angesehen und doch extrem grotesk. Die Leute sind glücklich. Und wenn du dich mit so vielen intensiven Themen auseinandersetzt wie ich, ist es nett, an einem Ort zu leben, der dir keinen Ärger macht. Du bist der Ärger!

MusikBlog: Ist Spanien Dein erster Wohnsitz, wo noch ein König rumgurkt?

Lydia Lunch: Da ich mich für den König von New York halte, muss ich jetzt wohl mit dem König von Spanien konkurrieren. Ist schon albern: Könige!

MusikBlog: Dein autobiographischer Roman „Paradoxia“ steht auf der Literatur-Liste der Trauma Beratung Leipzig. Ich zitiere: „Mit einer Sensibilität, die wohl nur aus tiefsten Verwundungen erwächst, stellt sie Menschen in ihrer seelischen Zerrissenheit dar in einer Tiefe und Wahrheit, die in psychologischen Fachbüchern kaum zu finden ist.“

Lydia Lunch: Oh wow! Toll! Bitte schick mir den Link! Da hat mich jemand in Leipzig verstanden! Die haben ja dieses Gothic-Festival.

MusikBlog: Gleichzeitig steht in dem Text: „Traumatisierten Menschen sind die Bücher und CDs von Lydia Lunch aufgrund der Fülle von möglichen Auslösern nicht zu empfehlen!!!“ Lob und Warnung zugleich. Fair?

Lydia Lunch: Also, ich finde, meine Arbeiten sind vor allem für Traumatisierte. Ich habe mich immer als Sprachrohr für Leute gesehen, die keine Stimme haben. Als Stadt-Schreierin, als Nostradamus für Außenseiter, die durch das Leben, durch das Wirtschaftssystem, durch Religion oder durch häuslichen Missbrauch traumatisiert wurden. Die Warnung sollte sich eher auf normale Leute beziehen. Die sollten meine Bücher nicht lesen und meine Musik nicht hören!

MusikBlog: Für viele Frauen im Underground warst du eine große Inspiration.

Lydia Lunch: Für mich ist es die schönste Erfahrung, wenn einzelne Individuen, egal welchen Geschlechts, auf mich zukommen und mir sagen, dass irgendwas, was ich gemacht habe, ihnen durch den Tag geholfen hat.

MusikBlog: Ich kannte früher ein, zwei Typen, die dich ziemlich attraktiv fanden, aber gleichzeitig enormen Bammel vor Dir hatten.

Lydia Lunch: Wovor hatten die Angst? Nur weil Diamanda Galas und ich damals so ungefähr die einzigen aggressiven Mädels in der Szene waren? Die haben Schiss vor mir, bis sie mal ne Minute mit mir verbracht haben.

MusikBlog: Vielleicht lag´s an Deinem provokanten Image? Oder an den Underground-Filmen von Richard Kern?

Lydia Lunch: Auweia! ‚Ne Frau, die Sex hat! Was für ein Alptraum! Ich weiß nicht, was die Leute da denken. Es ist seltsam, dass meist sehr schüchterne und introvertierte Typen keine Probleme haben, mit mir zu arbeiten: Roland S. Howard, Thurston Moore oder Jim Thirlwell. Irgendwie interessant.

MusikBlog: Hast Du eigentlich bei Deinem Output einen besonderen Arbeits-Ethos?

Lydia Lunch: , absolut nicht! Ich bin gerne faul, lungere rum oder gehe auf Partys. Ich liebe das Nichtstun. Aber wenn ein Projekt ansteht, nehme ich mir die Zeit dafür. Ich sitze jedoch nicht jede Sekunde rum und fabriziere Kunst. Das wär ja öde! Mein Arbeits-Ethos: Einen normalen Job bis zu meinem Lebensende zu vermeiden. Bis jetzt hat´s hingehauen. Das nenne ich künstlerischen Erfolg!

MusikBlog: Einerseits interessierst Du Dich für gute Ernährung. Siehe dein Kochbuch. Andererseits bist Du immer noch passionierte Raucherin. Ein Leben ohne Laster wäre Dir zu olle?

Lydia Lunch: Rauchen ist ja nicht gerade das spannendste Laster, Schätzchen! Ich bin unbeständig. Vielleicht hör ich irgendwann mit dem Rauchen auf. Aber lass uns keine Liste mit schlechten Angewohnheiten machen. Sonst sitzen wir bis morgen früh hier! Das Kochbuch habe ich aus Protest geschrieben. Gegen das furchtbar ungesunde Essen in Amerika. Da haben´s die Europäer etwas besser. Aber ich will niemanden bevormunden. Ich bin ja nicht die Lebensmittel-Polente!

MusikBlog: Ich hab gelesen, dass Du an einem neuen Drehbuch schreibst?

Lydia Lunch: Momentan konzentriere ich mich auf ein paar größere Projekte fürs nächste Jahr. Und das Drehbuch ist eins davon. Der Film handelt vom Blackout in New York. Im verrückten Sommer von 1977. Ein sehr gewalttätiges Jahr. Der Blackout war eindrucksvoll: 3500 Menschen wurden verhaftet. Es war der Beginn der DJ-Kultur. Weil so viele Elektronik-Läden geplündert wurden. Wenn Du in so einer Situation drinsteckst, siehst du nur dein unmittelbares Umfeld. Aber im Nachhinein erschließt sich dir das Gesamtbild. Und das war ganz schön erschreckend. New York war damals eine richtige Kriegszone.

MusikBlog: Stellst du dir den Film eher als Indie-Drama vor? Oder könnte es ein epischer Klopper werden wie Walter Hills „The Warriors„?

Lydia Lunch: (lacht) Das wäre natürlich spektakulär. Mal sehen, was bei den Gesprächen rauskommt.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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