Im Club der Verrückten – Klaxons im Interview

Klaxons (Credit Annett Bonkowski)

Brav auf der Bettkante eines Berliner Hotels aufgereiht, sitzen uns Jamie Reynolds, James Righton und Simon Taylor-Davis aka Klaxons gegenüber, um über ihr drittes Album mit dem Titel “Love Frequency” zu sprechen. Es dauert nicht lange, da ist klar – die drei Engländer haben es faustdick hinter den Ohren und werden auch nach Stunden des Erzählens an diesem Tag nicht müde das eigene Werk zu drehen und zu wenden. Ihre Schlagfertigkeit und besonders ihr Sinn für Humor tragen dazu bei, dass dem Trio trotz des langen Promotages nicht die Puste ausgeht. Das dürfte ebenso für die Arbeit im Studio gelten, die uns nun elf neue Songs beschert hat. Wir sprachen mit der Band über die leichte Schräglage ihrer Musik, Luxusprobleme und die Manipulation von Emotionen.

MusikBlog: Hört man sich euer neues Album “Love Frequency” so an, könnte man meinen, ihr hättet musikalisch kein Interesse daran einen Gang runterzuschalten. Wie sieht es dagegen in eurem persönlich Alltag aus?

Jamie Reynolds: Persönlich gesehen, sind wir mittlerweile schon an dem Punkt angekommen, an dem wir es auch einmal etwas ruhiger angehen lassen. Weisst du, es gibt Bands, die immer Aufregung und eine gute Zeit versprechen und wir gehören ebenfalls dazu. Musikalisch sind wir daher nicht daran interessiert die Bremse zu ziehen. Wir wollen mit unseren Songs vor allem eine Atmosphäre verbreiten, die auf Spaß beruht.

Simon Taylor-Davis: Dennoch ist es interessant zu beobachten, dass das wahrscheinlich unsere bisher langsamste Platte ist. In Sachen BPM ist das auf jeden Fall so und dennoch bewegen sich die Songs auf ihre ganz eigene Art vorwärts. Dazu müssen sie gar nicht einmal hinsichtlich der Geschwindigkeit wahnsinnig loslegen oder unserem ursprünglichem Punk-Gefühl entsprechen. Es geht nicht mehr so sehr darum besonders schnell oder hart zu spielen, sondern darum die versprühte Dringlichkeit und Spannung in anderer Form auszuleben, z.B. was die Albumaufnahmen angeht.

MusikBlog: Nach wie vor wirkt es so, als ob ihr dem Hörer mit jedem neuen Album die nächste Party versprechen würdet. Wäre “Love Frequency” so etwas wie eine Motto-Party mit der Garantie auf Spaß, was hättet ihr dieses Mal auf die Einladungskarten geschrieben?

Jamie Reynolds: Gern geschehen! (lacht) Ausserdem wäre es toll, wenn die Leute zu dieser Party Gastgeschenke mitbringen würden. Etwas Schönes für jeden!

MusikBlog: Wenn ihr ein Album macht, ist der grundlegende Ansatz stets der mit dem Reiz all der Zutaten zu spielen, die in euren Augen eine gute musikalische Party ausmachen?

James Righton: Ja, genau so ist es bisher immer gewesen. Wir wollen schließlich, dass man auch heraushört wie viel Spaß wir jedes Mal im Studio haben. Vielleicht gibt es Bands, die kein Interesse daran haben diese Tatsache auch in den Songs widerzuspiegeln, aber wir gehören nicht zu der Sorte Musikern. Unsere Songs sind immer eine Reflexion dessen, was wir generell und im Studio fühlen und das ist nun einmal sehr viel Freude. “Love Frequency” ist da keine Ausnahme. Wir hatten unheimlich viel Spaß bei den Aufnahmen und deswegen klingen die Songs auch danach. Hätten wir uns nicht wohlgefühlt oder ein Stimmungstief gehabt, würde man das ganz sicher auch musikalisch hören.

Jamie Reynolds: Wir experimentieren eher damit herum diesen Spaß jedes Mal auf’s Neue zu formen.

James Righton: Ja, es ist so, als ob wir zu unserer eigenen Party immer eine neue Gästeliste hätten.

MusikBlog: Und auf dieser steht im aktuellen Fall wer oder was?

Jamie Reynolds: The Chemical Brothers! Wir natürlich und jeder, der sonst noch Lust hat eine gute Zeit zu haben.

James Righton: In der Mitte des Tisches wird dann eine Flasche Vodka stehen und das Publikums wird wie verrückt darum herum tanzen. Das gilt auch für uns.

MusikBlog: Ihr habt eben angesprochen, dass eure persönliche Gefühlslage ausschlaggebend für die musikalische Ausrichtung eurer Arbeit ist. Hat es dieses Mal etwas länger gedauert bis wir neue Songs von euch zu hören bekommen haben, weil ihr zumindest eine Zeit lang nicht so sehr auf Party gepolt wart?

James Righton: Das kann sein, wobei ich vor allem Faktoren dafür verantwortlich machen würde, die mit der Planung des ganzen Projekts zu tun haben. Es ist wirklich, als ob man eine Party an einem bestimmten Tag planen würde. Man schreibt die Einladungen und dann stellt sich plötzlich heraus, dass ein Gast wie Tom Rowlands von The Chemical Brothers an diesem bestimmten Termin keine Zeit hat. So kommt es also dazu, dass man eineinhalb Jahre anstelle ein par Wochen braucht, um diverse Dinge zu erledigen und unter einen Hut zu bekommen.

Simon Taylor-Davis: Oder du schmeisst eine Party, aber bekommst einfach keinen passenden Club dafür und dadurch zieht sich alles in die Länge. Oder der Club ist sechs Monate lang belegt, so dass du die geplante Party ständig verschieben musst.

MusikBlog: Zerrt dieser Verzögerungsprozess sehr an euren Nerven, wenn ihr eigentlich startklar seid, was die Musik angeht und einfach nur ins Studio wollt?

James Righton: Nein, das ist schon okay so. Auf manche Dinge im Leben, und das gilt auch für die besten Partys, muss man eben etwas länger warten, damit sie richtig gut werden. Geduld gehört sowieso zu einer Eigenschaft, die du als Musiker mitbringen musst, um zu bestehen. Es wäre ja auch langweilig, wenn man jeden Tag in der Lage wäre solch eine Party zu veranstalten, oder? Da haben wir lieber ein paar wenige fantastische Partys als einen durchschnittlich unterhaltsamen Abend am laufenden Band.

MusikBlog: Worauf habt ihr dieses Mal besonders viel Wert gelegt als ihr ins Studio gegangen seid?

James Righton: Auf die Form der Kollaboration würde ich sagen. Jedenfalls mehr als bei unseren vergangenen Alben. Jede dieser Kooperationen war wie eine ganz eigene kleine Party für uns, der wir unsere gesamte Aufmerksamkeit geschenkt haben.

Jamie Reynolds: Wir waren alle sehr motiviert und unser Arbeitswille war sehr groß.

Simon Taylor-Davis: Deswegen haben wir in der Zeit der Aufnahmen auch unglaublich viel Musik gemacht. Es sind ziemlich viele Songs entstanden.

Jamie Reynolds: Dieses Mal waren wir ganz besonders engagiert und experimentierfreudig und das resultierte darin, dass jeder gewillt war das Bestmögliche aus sich herauszuholen. Es lag diese Spannung in der Luft und wir sind jeden Tag mit dem Gefühl ins Studio gegangen alles zu geben.

James Righton: Es gehört einiges dazu dieses Gefühl und den Arbeitswillen in dieser Form aufrecht zu erhalten. Man muss sich der Tatsache bewusst sein, dass manche Dinge eben länger dauern als geplant und man unter Umständen viel Zeit damit verbringt am Computer zu sitzen. Das macht schon viel Spaß, ist aber natürlich auch harte Arbeit. Es ist schon verrückt, wenn man bedenkt, dass man so viel Energie und Zeit in etwas investiert, was am Ende “nur” 45 Minuten dauert und so klingt, als wäre es einfach so aus uns herausgesprudelt. Dabei steckt darin so viel mehr Arbeit, als es auf den ersten Blick aussieht.

MusikBlog: Wie war es dieses Mal für euch all die gesammelten und aufgenommenen Ideen in diesen zeitlich festgesteckten Rahmen zu zwängen, der auf Albumlänge funktioniert?

Jamie Reynolds: Das ist immer wieder eine Herausforderung für uns. Besonders, weil uns bei den jetzigen Aufnahmen lange Zeit nicht bewusst war, dass wir bereits genügend Material für ein ganzes Album hatten. Wir haben einfach immer weiter gearbeitet. Als wir dann ein wenig Abstand zu den entstandenen Songs hatten, war uns plötzlich bewusst, dass wir mehr als genug hatten. Manche Künstler sind sehr darauf bedacht bloß nicht mehr als nötig im Studio zu machen, aber wir denken da anders und machen immer weiter so lange alles für uns stimmt. Das hat vielleicht auch etwas damit zu tun, dass wir es so sehr lieben zusammen unsere Ideen auszuarbeiten.

MusikBlog: Was gefällt euch am meisten daran?

Jamie Reynolds: Für mich ist es definitiv der Moment, wenn die Songs dann fertig sind und wir sie zum ersten Mal live spielen. Die Reaktion der Fans gibt uns sehr viel zurück und ich liebe es, wenn das Publikum durchdreht, weil es diese Verbindung zu unseren Songs spürt. Wir fühlen uns jedes Mal wieder geehrt, wenn die Fans so auf unsere Musik reagieren, die sie bis dahin gar nicht kannten. Es ist der beste Beweis für uns, dass die Party in unseren Köpfen zur Realität geworden ist und wir diese mit den Fans teilen können.

James Righton: Vorher spielt sich eben alles nur in unseren Köpfen ab und funktioniert auf diesem bestimmten Level, zu dem nur wir einen Zugang haben. Man kann nie wissen, ob Aussenstehende ebenso empfinden werden wie wir. Und dann kommen plötzlich die Gäste unserer geplanten Party dazu, die alles erst zu dem machen, was es ist. Ohne die Gäste wäre die Feier gar keine. Alles davor war quasi nur der Soundcheck und dann kommt der große Test, bei dem alles auf den Prüfstand gestellt wird. Beim allerersten Album ist es ganz besonders aufregend…

MusikBlog: …uns das zweite Album wird immer als die “schwierigste” Platte in der Karriere eines Künstlers bezeichnet. Und für was steht eurer Meinung nach das dritte Album, jetzt wo ihr diesen Punkt erreicht habt?

Jamie Reynolds: Das dritte Album fühlt sich so an, als ob man endgültig auf dem Boden der Tatsachen angekommen ist. Keiner kann dir mehr etwas vormachen und du fühlst dich sehr in dem, was du tust, verankert. Und doch drückst du dabei den “Reset-Knopf” und fängst an alle Regler auf Null zu stellen. Nur mit dem Unterschied, dass du beim dritten Album besser weisst, wie du welche Regler zu bedienen hast. Album Nummer drei ist auf alle Fälle immer das Album, das besser ist als das zweite! (lacht)

MusikBlog: Mit einem Titel wie “Love Frequency” ist thematisch eine feste Linie vorgegeben und doch handelt es sich musikalisch betrachtet nicht um Songs, die romantisch verklärt oder extrem gefühlsbetont sind. Vielmehr versteckt ihr eure Liebesbotschaften in kleinen Vulkanen, die jederzeit ausbrechen können. Ist das manchmal auch mit Konflikten hinsichtlich der Umsetzung verbunden oder kommt sich diese Kombination nie in die Quere?

Jamie Reynolds: Kreativ gesehen, ist das für uns kein Problem, aber ich kann mir vorstellen, dass es unter Umständen auf der Ebene der Rezeption schwierig ist diesen Kontext richtig zu deuten. Je nachdem, wie genau man hinhört. Oberflächlich betrachtet, scheint es so als würden wir uns nur damit beschäftigen Alarm zu machen, aber es gibt da auch diese konträre Welt, in der es darum geht Traurigkeit zuzulassen. Wir verstecken all das jedoch in einem musikalischen Kontext, der sehr lebhaft und unterhaltsam ist.

James Righton: Das Gute an einem Album ist, dass jeder für sich selbst entscheiden kann, was er wahrnehmen möchte. Immerhin gibt es genügend Schichten, die man für sich entdecken kann. Seien das die Texte, die Beats oder andere Elemente. Es gibt hinsichtlich dessen keine Grenzen. Als Künstler schaffen wir etwas, das anschleßend vom Hörer auf ganz unterschiedliche und vielseitige Art und Weise angenommen und verarbeitet wird. Das ist toll!

Jamie Reynolds: Ich stelle mir gerade vor, wie es wäre den kompletten Kontext auf den Kopf zu stellen. Sagen wir einmal, wir schreiben total traurige Musik und unterlegen diese dann mit wahnsinnig fröhlichen Texten. Das wäre wirklich eine Herausforderung!

James Righton: Das stimmt. Es ist doch eigentlich immer genau anders herum. ABBA wären dann so etwas wie die Vorreiter dieser Bewegung! (lacht)

MusikBlog: Bewahrt euch diesen Ansatz doch für das vierte Album.

James Righton: Das sollten wir wirklich machen. Wir werden den Leuten zeigen, dass wir das drauf haben! Vermutlich würde das  aber ein totales Fiasko werden. Die Leute würden aufschreien: “Wir fühlen uns so gut, aber gleichzeitig wahnsinnig deprimiert! Wir hassen euch!”.

Simon Taylor-Davis: Unsere Musik lebt seit Jahren davon, dass nicht alles vollkommen glatt oder nach einem bestimmten Muster verläuft. Sie ist wie ein Bild, dass nicht gerade, sondern immer etwas schief an der Wand hängt. Es gibt immer dieses etwas wackelige Element, das alles ins Gegenteil kippen kann.

MusikBlog: Wer sich so sehr mit der Frequenz der Liebe auseinandersetzt wie ihr es aktuell tut, von dem würde ich gerne wissen – würdet ihr die Dauer gegen die Intensität eines Gefühls eintauschen oder umgekehrt?

Jamie Reynolds: Das lässt sich schwer beurteilen. Ich glaube die Intensität eines Gefühls wirkt sich maßgeblich auf die Dauer aus und beide sind eng miteinander verbunden. Ich bin mir nicht so sicher, was mehr in einem selbst freisetzen kann.

James Righton: Emotionen sind immer mit einer Achterbahnfahrt verbunden, die wohl jeder in seinem Leben mehrmals durchläuft. Ich denke da, was die Dauer und Intensität angeht gerade an das Musikerdasein, bei dem es oft genau darum geht. Vieles dreht sich um die Dauer oder das Maß deines Erfolges oder Versagens. Das sind zwei ganz wichtige Punkte für jeden Musiker, die einen ständig begleiten.

Jamie Reynolds: Sagen wir es mal so, die letzten neun Jahre waren unglaublich lange und intensiv! (lacht)

MusikBlog: Es gibt gerade im Internet viele Aufsätze über das Thema “Love Frequency” und eine Sache, die dabei oft eine Rolle spielt, ist die Manipulation dieser. Haltet ihr es für möglich, dass man so gezielt Emotionen und deren Frequenz manipulieren kann?

Jamie Reynolds: Vielleicht sollte ich mich mal mehr damit beschäftigen, weil ich kaum etwas darüber weiss, aber unser Ansatz war nicht so sehr darauf bezogen, wenn ich ehrlich bin. Wir haben diese Idee nur ausgeborgt, weitergesponnen und spielen damit. Wir wollen, dass unsere Hörer sich damit auseinandersetzen und ihre eigenen Schlüsse daraus ziehen.

MusikBlog: Musik beruht zu großen Teilen auf Emotionalität und doch wird sie immer wieder auch dazu genutzt Stimmungen zu manipulieren oder Botschaften zu suggerieren. Inwiefern ist man als Musiker dagegen gewappnet oder spielt vielleicht auch damit?

Jamie Reynolds: Musik hat schon immer bestimmte Stimmungen aufgegriffen und diese Schwingungen musikalisch wiedergegeben. Eine wichtige Funktion der Musik ist es eine Atmosphäre zu schaffen, wie auch immer diese aussehen mag. Also wenn sich ein David Guetta hinstellt und ihm bzw. seiner Musik 80,000 Leute zujubeln, dann ist das schon ein merkwürdiges Ereignis. Man fragt sich natürlich schon, was diese riesige Menge an Leuten mit einem Künstler oder seinen Songs verbindet. Und ich meine das nicht im negativen Sinne. Es ist nur so, dass man versucht zu verstehen, was in all diesen Menschen hervorgerufen wird. Warum haben sie so eine enge Verbindung und Vertrauen in diese Musik und ich nicht? Ich habe David Guetta einmal vor zehntausenden Menschen spielen gesehen und fand das großartig und faszinierend zugleich, was da an Reaktionen zusammen kam.

James Righton: Ein David Bowie ruft da ganz andere Emotionen in einem wach und das ist ja das Schöne an der Musik. Du kannst auswählen, von wem du dich emotional einfangen lassen möchtest…

MusikBlog: Danke, meine Wahl fällt dann ganz klar auf Bowie!

Jamie Reynolds: Sag bloß, du traust David Guetta nicht über den Weg?

MusikBlog: Milde ausgedrückt, nein! Sollte ich denn?

Jamie Reynolds: (lacht) Ok, ich verstehe deine Vorbehalte, aber so geht es wohl jedem von uns mit irgendeinem Künstler. Wobei ich schon sagen muss, dass David Guetta unheimlich gut darin ist eine so große Masse an Leute für sich einzunehmen. Manipulation ist so ein hartes und negatives Wort, das ich in diesem Zusammenhang nicht so gerne benutze. Ich habe nicht viel von dem verstanden, was er da auf der Bühne gemacht hat oder wie er es geschafft hat diesen Effekt auf die Leute zu haben, aber ich hatte viel Spaß! Aber jetzt sag doch mal, wie soll diese Manipulation der “Love Frequency” laut der Essays und Theorien denn eigentlich funktionieren?

MusikBlog: Im Prinzip wird gesagt, dass man schon allein durch positives Denken und Dinge wie der Meditation erreichen kann, dass zwischenmenschliche Beziehungen positiver ausfallen. Es klingt fast so, als müsste man nur ganz fest daran glauben und man könnte die Schwingungen einer anderen Person gegenüber einem selbst positiv beeinflussen.

Simon Taylor-Davis: Das hört sich ein wenig wie Magie an!

Jamie Reynolds: Ah ok, jetzt kapiere ich, was damit gemeint ist. Aber das soll so einfach sein? Ich sehe eine Person im Raum, sie gefällt mir und zehn Minuten später habe ich dank mentaler Kraft erreicht, dass sie mich auch mag? Ob das funktioniert?

James Righton: In jedem Fall will ich einmal deutlich an dieser Stelle sagen, dass wir nicht den Eindruck haben irgendjemanden mit unserer Musik zu manipulieren. Das wäre schon extrem komisch! (lacht)

Simon Taylor-Davis: Ich würde sagen, dass hinter diesen Prozessen allein eine Absicht steckt, die dann laut all der Theorien aufgehen soll. Es ist vielmehr das als eine Manipulation.

MusikBlog: Es geht vor allem auch um Schwingungen, die ausgesandt und empfangen werden. Wie sehen eurer Meinung nach die Schwingungen aus, die ihr mit eurer Musik aussendet?

Jamie Reynolds: Ganz klar – sie sehen merkwürdig aus!

James Righton: Würden wir sie aufzeichnen, hättest du mit ziemlicher Sicherheit einen Haufen Striche vor dir, die wie Würmer aussehen würden.

Jamie Reynolds: Das ist von unserer Position aus schwierig zu beurteilen, aber ich glaube, wir setzen viele verschiedene Schwingungen mit unseren Songs frei. Die Leute reagieren nicht immer gleich und schon anhand daran kann man ausmachen, was wir für Vibes aussenden. Wir wollen vor allem Freude ausstrahlen!

James Righton: Ja, wir sind keine dieser Bands, die rumstehen und darauf warten müssen, dass im Zuschauerraum etwas passiert. Ich würde uns fast schon als “strong-vibes Band” bezeichnen.

Jamie Reynolds: Wir würdest du uns denn beschreiben? Sag uns deine ehrliche Meinung in nur einem Wort!

MusikBlog: Intensiv. Ich kann mich noch gut an die letzte Tour erinnern, bei der es in Berlin hoch herging. Dieses Wort passt zu eurer Performance auf der Bühne, wie ich finde.

Simon Taylor-Davis: Wir reden noch heute sehr oft von dieser Show. Der Typ der Support Band watschelte mitten in unserem Set zu uns auf die Bühne und stand da rum. Wir guckten ihn an und hatten keinen Schimmer, was er uns eigentlich sagen wollte. Wir waren ja total mit unseren Instrumenten beschäftigt! Vielleicht wollte er einfach nur kurz hallo sagen bevor er verschwandt.

MusikBlog: Dieses Mal waren gleich eine ganze Reihe verschiedener Produzenten wie z.B. James Murphy (LCD Soundsystem) oder Tom Rowloads (Chemical Brothers) am Album beteiligt. Haben sich die Songs nicht von der Hand eines Produzenten zähmen lassen oder welche Gründe stecken hinter den verschiedenen Kollaborationen?

James Righton: Ich will ja nicht schon wieder so sehr darauf rumreiten, aber das hatte vorwiegend den Grund, dass wir es zeitlich nicht anders hinbekommen haben unsere musikalische Party voranzutreiben. Es brauchte daher mehrere Leute, die zu unterschiedlichen Zeiten mit uns an den Songs gearbeitet haben.

Jamie Reynolds: Quatsch, es wollte einfach niemand das ganze Album mit von uns produzieren. Jetzt weisst du’s! (lacht)

Simon Taylor-Davis: Jeder von ihnen fühlte sich seltsamerweise zu bestimmten Tracks hingezogen und es gab überhaupt keine Überschneidungen. Sie hätten schon Lust gehabt auch das ganze Album zu produzieren, aber der straffe Zeitplan beider Seiten hat immer dazwischen gefunkt.

James Righton: Wir haben ihnen keine Vorgaben hinsichtlich der Track-Auswahl gegeben. Sie konnten frei entscheiden welche Songs sie produzieren wollten und das hat auch bestens geklappt.

Simon Taylor-Davis: Und die Songs, die niemand haben wollte, die haben wir selbst produziert! (lacht)

MusikBlog: Hat euch das etwas ausgemacht?

Jamie Reynolds: Überhaupt nicht. Das sind sogar unsere Lieblingssongs! Endlich wurde uns klar, dass wir super Popsongs schreiben. (lacht)

James Righton: Die nächste Single “Show Me A Miracle” ist übrigens einer von diesen Songs, die wir produziert haben. Da hast du’s!

Jamie Reynolds: Wir wollen es ja nicht so an die große Gloche hängen, aber wir sind sowas wie die Master, wenn es um die Produktion geht. (lacht)

MusikBlog: So viele Top-Produzenten auf einem Album zu haben, grenzt schon fast an eine Art Luxusproblem, oder?

James Righton: Ja, absolut. Es ist wirklich ein wahrer Luxus, dass wir die Gelegenheit hatten mit all diesen guten Leuten zusammenzuarbeiten. Eigentlich war das ein Komfort für uns, der fast schon zu groß war, wenn man so darüber nachdenkt.

MusikBlog: Wie können wir uns die verschiedenen Herangehensweisen in Sachen Produktion vorstellen? Gab es da gravierende Unterschiede?

Simon Taylor-Davis: Es gab definitiv welche. Tom von den The Chemical Brothers hatte zuvor noch nicht wirklich mit einer Band in dieser Form zusammengearbeitet, also war das auch Neuland für ihn. Es war manchmal schwierig für ihn und uns die Mitte anzusteuern, was unsere Gedanken zu bestimmten Songs anging. Erol Alkan ist hingegen wahnsinnig akribisch und ein Meister der Suche. Ihm entgeht nichts. Tom ist da so etwas wie der allwissende Zauberer, der immer einen Weg findet die jeweiligen Ideen umzusetzen.

James Righton: Ich glaube, wenn ein Fremder bei uns im Studio vorbeigeschaut hätte, dann wäre er wahrscheinlich mit dem Eindruck wieder herausgekommen, dass nur Gorgon City normal sind. Die anderen Produzenten sind völlig bekloppte Typen! Wir ticken da aber ebenso. Willkommen im Club der Verrückten!

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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