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Lola Young – Live im Club Volta, Köln

„Definitiv unter den Top 5 meiner Lieblingskonzerte“, resümiert ein junger Typ mit seinem Kumpel beim Verlassen des Club Voltas nach dem gestrigen Konzert von Lola Young. Und auch, wenn man selbst diese Aussage aufgrund einer ausgeprägten Konzerthistorie nicht ohne zu Zögern unterschreiben würde, teilt man die mit dieser Feststellung einhergehende Euphorie zu 100 Prozent.

Alles an diesem Abend ist kurz und knackig. Der Regenschauer vor der Tür, der die späten Besucher*innen noch schneller in die Location spült, genauso wie die Warteschlange am Bierstand oder die Sets der Künstler*innen.

Bug Eyed (Obacht: Es treiben sich in den Tiefen der Streaming-Plattformen mehrere Bands mit diesem Namen herum, den richtigen Treffer landet man bei SoundCloud) überzeugen nicht nur mit der unglaublichen guten Laune, die sie in an den Tag legen, sondern auch mit einem kreativen Sound, der Indie-Pop mit melodischem Sprechgesang paart.

Genauso anti-schubladenmäßig geht es weiter. Denn live entfaltet sich die Bandbreite von Lola Youngs modernem Sound noch deutlicher als auf Platte. Zum Opener „Conceited“ groovt sich zunächst die Band im Alleingang ein, bevor die 23-Jährige in Jogginghose, weiß-gemustertem Labbershirt und Woll-Beanie die Bühne betritt und sofort loslegt.

„Der nächste Song ist noch nicht veröffentlicht und handelt von meinen Depressionen“, kündigt Young die zweite Nummer des Abends an, der man ihre textliche Traurigkeit keinesfalls anhört. Vielmehr scheint es, als würde Young ihren Depressionen mit der energiegeladenen Rocknummer den Kampf ansagen. Dass bei ihrem frenetischen Springen und Herumgelaufe der ein oder andere Ton daneben landet, stört nicht weiter.

Sowieso zeigt die Britin sich in einigen Ansagen angenehm selbstironisch und nimmt sich nicht zu ernst. Auch ein verunglückter Schlenker am Ende des ebenfalls neuen Songs „Walk On By“, der überraschend jazzig daherkommt und sofort die Imagination einer Bläsersektion herausfordert, tut sie mit einem simplen „Oh Fuck“ und einem lauten Lachen ab.

Dieses Umarmen der kleinen Makel macht Lola Young unfassbar sympathisch und authentisch. Und dass sie in Sachen stimmlicher Performance und vor allem Varianz in der Oberliga spielt, beweist beispielsweise das Finale der Show:

Mit „Blind Love“ liefert Young eine lupenreien Ballade ab, die nicht nur dank des britischen Akzents Erinnerungen an Adele wach werden lässt, nur um einen Song später mit „Wish You Were Dead“ die rotzige Rockröhre auszupacken und in Richtung Punk zu nicken.

Auch, wenn man sich fragt, was nach diesem Set noch kommen soll, verrät der Abgang hinter den Vorhang, dass man noch auf eine Zugabe hoffen kann. Denn für das finale Verlassen der Bühne muss die Band einmal den Zuschauerraum durchqueren.

Mit den ersten Basstönen schließt sich der Kreis des heutigen Abends. Dieses Mal erklingt „Conceited“ in voller Länge und sogar darüber hinaus. Denn obwohl Young die Bühne als Erste verlässt, spielt die Band noch munter weiter. Das Publikum lässt sich nicht beirren und übernimmt textsicher den Refrain. Young selbst genießt dieses Schauspiel bereits von der Empore.

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