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LARP ist als Fluchtwelt legitim – Roboshobo im Interview

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Robert Schober alias Roboshobo hat Clips für Green Day, Metallica, Mastodon, The Killers, The B52s, Devo und Alice In Chains gedreht. In seinen Bilderwelten kollidiert die Wirklichkeit mit dem Bizarren. Herzen entwickeln ein merkwürdiges Eigenleben. Weltraum-Viren überfallen die Erde. Holzfäller schniefen seltsame Drogen. Alles ein wenig Banane. Aber mit einem Augenzwinkern.

Und jetzt „High Road“ von Mastodon. Roboshobo erzählt uns, wie es zu der Zusammenarbeit mit Mastodon kam, was es mit LARP (Live Action Role Play) auf sich hat und warum er auch gern mal einen Spielfilm drehen würde.

MusikBlog: Robert, was war der Ausgangspunkt für “High Road”?

Roboshobo: Brann, der Drummer und Texter von Mastodon rief mich an, und sagte: Hey, wir brauchen ganz schnell ein Video, bist du dabei? Natürlich habe ich zugesagt. Mastodon ist die Band, mit der ich am liebsten zusammenarbeite. Es beginnt meist mit einer komplett irren Idee von Brann. Wie bei  „Curl Of The Burl„: Ein Holzfäller schnupft Sägespänne, verwandelt sich in die Sagengestalt Paul Bunyan und tötet die Sonne. Genial! Oder wenn die Band von Höhlenmenschen verspeist wird. Diesmal war die Idee: ein Teenager spielt LARP. Aber wir würden die Kämpfe in Zeitlupe drehen, damit sie epischer wirken. Am Ende sollte der Junge zwei Barbaren-Bräute abkriegen. Das habe ich dann in die Traumsequenz am Anfang umgewandelt. Und um die Story mit der Großmutter und den Rowdies ergänzt. Wenn die Grundidee steht, habe ich eigentlich komplett freie Hand. Es ist eine großartige Partnerschaft.

MusikBlog: Ich glaube, dass auch Leute, die sonst weniger mit Mastodon anfangen können, viel Spaß mit dem Video haben werden. Vielleicht wird der eine oder andere sogar ein bisschen gerührt sein. War es schwierig, die Balance zwischen den lustigen und den ernsteren Ideen zu finden?

Roboshobo: Danke! Wir haben uns bemüht, sowohl die Mastodon-Fans als auch ein neues Publikum anzusprechen. Ich wusste, dass das Thema LARP von Natur aus für viele Leute sehr ulkig sein würde. Und dass wir da zu sehr in Satire abrutschen könnten. Aber LARP ist als Fluchtwelt genau so legitim wie ein Dasein als Sport-Fan. Es geht um Menschen, die zusammenkommen und sich die ideale Version ihrer selber vorstellen. Oder neue Identitäten ausprobieren. Für mich war es einfach, mich in die Welt des Jungen hineinzuversetzen. In meiner Schulzeit habe ich „Warhammer„-Figuren bemalt und an „Star Wars„-Bausätzen gebastelt. Ich habe Seiten aus Jim Lees „X-Men“ nachgezeichnet und viel Philip K. Dick gelesen. Fantasy war zwar nicht mein Lieblings-Genre, aber meine Interessen waren geistig stark damit verwandt. Aufgrund meiner Kindheit und Jugend wollte ich die Geschichte sehr menschlich gestalten.

MusikBlog: Ich finde viele der Charakter-Details sehr schön. Das Verhältnis zwischen dem Jungen und seiner Großmutter. Die ungelenke Umarmung mit dem älteren Herren. Die Fantasy-Zeichnungen. Die Katze.

Roboshobo: Diese Momente waren mir sehr wichtig. Wenn der alte Mann den seltsamen Jungen widerwillig tröstet, ist das ein Wendepunkt für ihn. Und das macht es wirklich traurig, als er am Ende einen Herzinfarkt hat.

MusikBlog: Das Ende ist ein ziemlicher Downer. Warum hast du das gemacht?

Roboshobo: Wenn die Rowdies den Jungen im Spiel vermöbeln, hat das keine echten Konsequenzen. Aber wenn sie den Konflikt außerhalb der Fantasy-Welt fortsetzen, verändert sich alles. Beim LARP-Spielen kannst du sterben und in der nächsten Woche als neuer Charakter wiederkommen. Aber so funktioniert das nicht in der Wirklichkeit. Durch das Ende habe ich noch mehr für den alten Herren empfunden. Anfangs schüchtert er den Jungen mit seinem abwertenden Blick ein. Dann wird er zur Mentor-Figur. Und schließlich setzt er sein Leben aufs Spiel, um jemanden zu beschützen, der das selbst noch nicht kann. Ich mag Filme wie “Pennies From Heaven”, “Dancer In The Dark” oder “All That Jazz“. Geschichten, die das Ende von Geschichten hinterfragen. Der Sieg des Jungen wäre mir eine zu saubere Lösung gewesen. Außerdem wäre es unglaubwürdig, wenn sich ein alter Mann mit drei Typen Ende Zwanzig anlegt, ohne was abzubekommen. Ich musste der Logik der Geschichte folgen. Glaub mir, ich fand das auch deprimierend. Aber die Güte und Schönheit der Welt tritt stärker hervor, wenn du ihre Zerbrechlichkeit und Härte zeigst.

MusikBlog: Die gedämpfte Farb-Palette lässt “High Road” tatsächlich mehr wie ein Indie-Drama als als ein typisches Rock Video aussehen.

Roboshobo: Auf jeden Fall. Die Farben, die Ausleuchtung, das Produktions-Design. Alles. Wir hatten glücklicherweise zwei bewölkte Drehtage, das half dem Look. Die Story und Charaktere sollten sich realistisch anfühlen.

MusikBlog: Wer ist deine Lieblingsfigur im Video?

Roboshobo: Ich mag den Rowdy. Ein toller Bösewicht. Er ist fast doppelt so alt wie das Kind, das er quält. Und er trägt Vampir-Zähne aus Plastik. Voll absurd. Aber er hält sich für den coolsten Typen der Welt.

MusikBlog: Die Trainings-Montage und die Szenen mit dem Fantasy-Brettspiel sind sehr liebevolle 1980er-Referenzen. Was ist dein Verhältnis zu diesem Jahrzehnt?

RoboShobo: Man könnte sage, die Ideen der 1980er wurden an mich durchgereicht. Ich war Anfang der 1990er in dem Alter wie der Junge in dem Video. Die „Rocky“-artige Montage ist so lustig, weil sie schon so oft durch den Kakao gezogen wurde. Andererseits funktioniert sie aber tatsächlich als effektives Stilmittel. Um Zeit zu verdichten und Fortschritt zu zeigen. Die Brettspiel-Szenen zwischen dem Jungen und seiner Großmutter sind inspiriert von den Erinnerungen an meine Oma. Sie hat mich am Wochenende zum Comicladen begleitet und sehr geduldig genickt, wenn ich ihr die Handlung von „Uncanny X-Men“ erklärte. Wir waren sehr enge Freunde. Was die Mode betrifft: Die gebleichte Jeans und das Batik-Hemd des Jungen – das sind definitiv Sachen, die ich 1993 getragen hätte.

MusikBlog: Suburbia, Großstädte, Wüste, Weltall. In deinen Videos arbeitest du mit unterschiedlichen Räumen. Siehst Du einen emotionalen Unterschied zwischen den verschiedenen Film-Formaten wie 16:9 oder 2.35:1?

Roboshobo: Ich finde, 16:9 ist ein besseres Format für Comedy. Vielleicht weil es unmittelbarer oder dokumentarischer wirkt. Green Day habe ich in 16:9 gedreht. Genau wie die Mastodon-Clips. 2.35:1 ist toll, wenn ich etwas filmischer und opulenter aussehen lassen möchte, wie The Killers. Ich würde gerne in 4:3 mit Weitwinkel drehen. Das wäre ideal für surreale Themen.

MusikBlog: In “High Road” zeigt einer der Bösen dem Helden den Mittelfinger. MTV müsste selbst sowas verpixeln. Das Internet bietet da mehr Freiheit. Alles ist nur einen Click entfernt. Wie beurteilst du die Entwicklung?

Roboshobo: Früher musste ich mir wegen MTV Gedanken machen. Das war frustrierend. Musik ist nicht nur für Teenager und Kinder. Wenn du Inhalte für ein erwachsenes Publikum machen möchtest, sollte das möglich sein. Und zwar ohne Kompromisse. Broadcast-Standards, Altersfreigaben, Vertriebsrisiken – das sind alles Kreativitäts-Killer. Das Internet hat den gleichen Effekt auf Musikvideos wie Premium Kabel und Netflix auf das Fernsehen. Es belohnt anspruchsvolle und ungewöhnliche Inhalte. Die Plattenfirmen haben mittlerweile erkannt, wie sie online mit Videos und Content zu Geld kommen können. Das ist vielversprechend für die Finanzierung ambitionierter und kontroverser Ideen. Als junge Kunstform sollte sich der Videoclip verpflichtet fühlen, zu provozieren und Grenzen einzureißen. Und das liebe ich.

MusikBlog: Wie guckt man sich deine Videos am besten an?

Roboshobo: Auf dem Laptop. Ich hatte als Filmemacher und Content-Produzent schon früh mit YouTube zu tun und bin es leider gewohnt, mir Sachen auf dem Smartphone anzuschauen. Es wäre schön, wenn man sich meine Videos auf einer großen Leinwand angucken könnte. Aber ich weiß, dass die Leute sich die meisten Musikvideos schon lange nicht mehr auf einem Fernseher anschauen. Ich filme meine Sachen so, dass sie gut aussehen, wenn man sie projizieren würde. Aber ich behalte im Hinterkopf, dass man die Bilder auch auf kleinen Geräten gut erkennen sollte

MusikBlog: Der Charme und die Energie von “High Road” oder “Curl Of The Burl” erinnert mich an einige der Spike Jonze-Clips aus den 1990ern. Möchtest du auch irgendwann Spielfilme drehen?

Roboshobo: Nett, dass du das sagst. Ich bin mit den Videos von Spike Jonze aufgewachsen und war besessen von Michel Gondry, Sophie Muller und David Fincher. Die 80er waren die Geburtsstunde des Videoclips. Aber die 1990er waren ihre goldene Ära. Sie haben all das hervorgebracht, was ich momentan im Kino toll finde: Glazer, Jonze, Fincher, Gondry, Romanek, Roman Coppola. Chris Milk sollte endlich was fürs Kino drehen! Ich möchte auf jeden Fall Spielfilme machen. So sehr ich die kreative Freiheit bei Musikvideos mag, so hätte ich doch lieber mehr Zeit, um eine Geschichte zu erzählen.

MusikBlog: Was könntest du dir da vorstellen?

Roboshobo: Ich würde gerne ein Remake von „Zardoz“ drehen. Ernsthaft. Ich denke, wenn man den Stoff leicht überarbeitet und mit heutiger Effekt-Technologie ergänzt, könnte das echt irre werden.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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