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Robbie Williams (Credit Annett Bonkowski)

Robbie Williams – Live in der o2 World, Berlin

Robbie Williams mauserte sich nach seiner Zeit bei Take That zu einem der gefragtesten Entertainer Europas und untermauert diesen Status bis heute immer wieder auf’s Neue. Nach der erfolgreichen Stadion-Tour zum Album „Take The Clown“ im letzten Jahr führte ihn sein aktueller Besuch anlässlich der zweiten Swing-Platte seiner Karriere „Swings Both Ways“ nun in vergleichsweise intime Spielorte, auch wenn die Berliner o2-World wahrlich die normale Wohnzimmergröße übersteigt.

Gleich an zwei aufeinanderfolgenden Abenden wurden in der Hauptstadt offiziell die Williams-Festspiele ausgerufen und die langen Schlangen vor der Halle strömten eiligst hinein, um sich gute zwei Stunden lang vom Zauber des Swings und den hohen Unterhaltungskünsten des schelmischen Mr. Williams einfangen zu lassen. Kaum wurde der immense Vorhang gelüftet, der den Blick auf das imposante Bühnenbild im Boot-Stil mit acht Tänzern, Blasmusikern, einem Flügel und Backing-Sängern freigab, und der Meister selbst erschien zu den Klängen von „Shine My Shoes“ auf der Bühne, brauchte es nicht mehr als ein paar kleine Gesten der Aufforderung seitens des Hauptakteurs und das Publikum war dessen Charme vollends erlegen.

Allein der William’sche Wortwitz trug wie gewohnt über den ganzen Abend verteilt dazu bei, dass die musikalisch erstklassige Show auch abseits der akustischen Swing-Reize einiges zu bieten hatte. Was wäre ein Konzert des Entertainers mit dem Schalk im Nacken auch ohne die scherzhaften und vor allem schlagfertigen, verbalen Attacken, die sowohl auf die Band als auch das Publikum abzielten? Das spitzbübische Wesen des Robert Peter Williams lief auch unter dem Deckmantel der etwas gedeckteren Swing-Atmosphäre permanent auf Hochtouren. Plakate wurden augenzwinkernd mit teils gemeinen Kommentaren versehen und die eigenen Gewichtsschwankungen auf’s Korn genommen. Schließlich sei er damals laut eigener Aussage so etwas wie ein „übergewichtiger Justin Bieber“ gewesen.

Die Rettungsringe am Bauch hat er dabei längst abgeworfen und präsentierte sich den Berliner Fans nicht nur ausgesprochen fit bei kleineren Tanzeinlagen im gut sitzenden Smoking, sondern vor allem sichtlich glücklich und zufrieden.  Einmal von der erheiternden Einlage bei „No One Likes A Fat Popstar“ abgesehen, bei der er im Fatsuit hoch über der Bühne schwebt und zwischenzeitlich die engen Sicherheitsgurte im Schritt verflucht. Sein seit Jahren zum Standardsatz mutierter Gruß auf Deutsch „Alles fit im Schritt?!?“ galt offenbar nicht für ihn selbst!

Der wohl schönste Rettungsring in seinem Leben ist und bleibt jedoch seine kleine Familie und vor allem seine Tochter Theodora „Teddy“ Rose, die er liebevoll namentlich auf der Bühnenrequisite verewigte und ganz als stolzer Vater auch im Song „Go Gentle“ besingt. Wo ihn früher mitunter extremes Lampenfieber und Selbstzweifel plagten, steht nun vor allem eines: Gelassenheit. Auch wenn er auf der Bühne nach wie vor die Aufmerksamkeit genießt, macht er davon nicht mehr sein persönliches Glück abhängig.

So sucht er während des Sets immer wieder entspannt die Nähe zu seinem Publikum , wählt aus den anwesenden weiblichen Fans eine „Showbiz-Bride“ für den jeweiligen Abend aus und versichert sich bei einem Medley seiner Hits wie „Let Me Entertain You“, „Rock DJ“, „Old Before I Die“ und „Come Undone“ gegen Ende des Konzerts mit den Worten „Germany, am I still your son?“ freudestrahlend bei seinem Publikum, dass dieses auch nach wie vor nicht von seiner Seite weicht. Auch die Tatsache, dass er für diese Tour seinen alten Bekannten Guy Chambers als musikalischen Leiter mit an Bord geholt und endgültig Frieden mit ihm geschlossen hat, zeugt von der inneren Zufriedenheit des gefeierten Popstars.

Das Wohlfühl-Umfeld auf der Bühne gleicht mit seinem Vater als Überraschungsgast bei „Do Nothing ‚Til You Hear From Me“, einem Kinderchor als Unterstützung für den Song „High Hopes“ und langjährigen Kollegen wie Gary Nuttall (Gitarre) oder Jerry Meehan (Bass) in der Band rundum einer persönlichen Idylle, in der sich Robbie in bester Manier swingend von einem Song zum nächsten bewegt. Selbst kleine Patzer, wie beim verkehrten Einsatz bei „Mr. Bojangles“, wirken da eher wie kleine geplante Gags in der sonst perfekten Show, bei der es der Engländer mühelos schafft auch die Leute auf den von ihm betitelten „crap seats“ vollends zu begeistern.

Zwei ausgiebige Konfetti-Duschen, eine (Swing-)Karriere umfassende Setlist und ein paar Outfit-Wechsel später liegt sich das Publikum dann spätestens bei den ersten Tönen von „Angels“ glücksselig und textsicher in den Armen und verwandelt die Halle binnen Sekunden in so etwas wie die Verkörperung des kurz vorher gespielten Dean Martin Songs „That’s Amore“. Liebe liegt ganz ohne Frage kiloweise in der Luft, wenn sich Robbie Williams so gut aufgelegt und unterhaltsam die Ehre in Berlin gibt. Bevor der Vorhang jedoch endgültig fiel, bedankte sich dieser mit dem bisher unveröffentlichen Track „Sensational“ bei seinen Fans. In welche Richtung Robbie Williams mit „Swings Both Ways“ auch immer swingen mag, es ist in jedem Fall die Richtige.

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