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Temples – Live im Lido, Berlin

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Eigentlich haben wir von Revivals, und vor allem von aufgewärmten Sounds, in jeglicher Form gehörig die Nase voll. Wenn es da nicht ab und zu diese Ausnahmen geben würde, die uns in dem Sog aus all den guten und weniger guten Kopien den Kopf verdrehen.

Eben legten wir unsere Stirn noch in Falten und rümpften die Nase, schon müssen wir uns eingestehen, dass es manchmal Momente gibt, in denen wir alle vorgefassten Meinungen über den musikalischen Retro-Chic zumindest teilweise revidieren und beide Augen zudrücken, weil die Entzückung größer ist als das Grummeln im Hinterkopf.

Temples sind genau so ein Fall. Wieso? Weil sie sich trotz der großen Nähe zu ihren musikalischen Vorbildern nicht rückwärtsgewandt und stumpf aus bereits geöffneten Schubladen bedienen, sondern so etwas wie eine moderne Version mit eigenem Kopf sein wollen.

Und das gelingt ihnen auf ihrem Debütalbum „Sun Structures“ ausgesprochen gut. Davon konnte sich auch das Berliner Publikum bei ihrer Show im Lido überzeugen, während die Band ein Ausrufezeichen hinter ihren Newcomer-Status als eine der vielversprechendsten englischen Bands der Stunde setzte.

Wüsste man es nicht besser und wäre man während des Konzerts nicht andauernd von denen in die Luft gestreckten Smartphones an das Jahr 2014 erinnert worden, hätte man beim Betreten des Clubs auch zweifelsohne auf einen beachtlichen Zeitsprung tippen können.

Nicht damit genug, dass Temples ihren psychedelisch-poppigen Sound auf einem so unverschämt hohen Niveau perfektioniert haben, dass sie zweifelsohne auch den späten 60ern oder frühen 70ern entsprungen sein könnten – auch optisch gesehen wirkt der Look mit den obligatorischen Langhaarfrisuren, Samt-Jackets sowie dem spitz zulaufenden Schuhwerk wie ein Zeitraffer mit all den richtigen Zutaten.

Und vor der Bühne? Da wird zwar nicht in Ekstase der Geräuschpegel nach oben getrieben und in Beatles-Manier alles in Grund und Boden gekreischt, aber die vielen jungen Mädchen in den ersten Reihen blicken dennoch in einer Mischung aus großer Bewunderung und leicht erhöhtem Hormonpegel auf die Bühne, wo die vier Engländer mit so viel Nonchalance eine Stunde lang ihre Instrumente sprechen lassen. Dabei begegnen sie dem um sie herrschenden Hype so unbekümmert, als würde dieser im Temples-Universum gar nicht erst existieren.

Für eine Band wie Temples, deren Halbwertzeit zumindest auf dem Papier etwas fraglich erscheint, ist es vor allem die Bühne, die das große Potenzial der Briten offenbart und darüber hinaus deutlich macht, dass es hier weitaus mehr zu entdecken gibt als den überzeugenden Retro-Vibe.

Das liegt vor allem an den spielerischen Fähigkeiten der Band, die sich nicht darauf versteifen eine originalgetreue Kopie der Studioaufnahmen abzuliefern, sondern auch gerne einmal wie in einem Trance-Zustand den Songs den nötigen Raum zur Entfaltung zugestehen.

In teilweise an eine Jam-Session erinnernden Passagen atmen die Stücke so tief ein bis sich im letzten Augenblick alles in einer Art Höhepunkt des kontrollierten Chaos über den Ohren der Zuschauer entlädt.

Allein die Fülle an eingängigen Songs führt dazu, dass die Fans sich vor Ort im Lido automatisch der psychedelisch-geschwängerten Atmosphäre hingeben und derweil auch schon einmal leicht benommen wie im Rausch ein paar extrovertierte Tanzbewegungen wagen.

Passend dazu, weht ab und an ein Hauch von Gras durch das Club-Innere, und die farbenfrohe Beleuchtung suggeriert die von der Band vertonten „Colours To Life“. Temples spielen sich an diesem Abend fast durch ihr gesamtes Debüt und im positiven Sinne auch ein wenig um den Verstand, wenn man die einzelnen Bandmitglieder so zutiefst versunken in der Musik vor sich sieht.

Mit einer Vorstellung wie dieser möchte man den vorherrschenden Hype um die Band am liebsten sofort in die Flucht schlagen, denn Temples haben bewiesen, dass sie dem aufgewirbelten Staub trotzen und sich dieser mit Sicherheit nicht so schnell wieder legen wird.

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