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Appletree Garden Festival – Tag 1

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Kurzurlaub in Niedersachsen mag nicht unbedingt ganz oben auf jedermanns Liste der sommerlichen Aktivitäten stehen. Es gibt aber dennoch allen Grund, Ende Juli den Terminkalender freizuhalten und ein paar Tage Kulturprogramm im Norden einzuplanen. Wer die riesigen Festivals im In- und Ausland zur Genüge kennt, deren oftmals festgefahrene Line-Ups satt hat und sich nach etwas mehr Beschaulichkeit sehnt, der rückt zum Tanz im Apfelhain in Diepholz an. Dort findet jedes Jahr das Appletree Garden Festival statt, das seiner Dimension nach im direkten Vergleich klein, aber ganz schön oho ist.

In Festival-Kreisen genießt das Appletree bereits seit in paar Jahren den Ruf eines der besten seiner Größenordnung zu sein. Auch 2014 wurden die Veranstalter dafür belohnt, indem schon weit im Voraus erneut alle Tickets vergriffen waren. Und das, obwohl das Line-Up neben etablierten Acts wie Moderat, WhoMadeWho, William Fitzsimmons oder Son Lux vor allem im Zeichen der Newcomer und musikalischen Hoffnungen steht. Mit einem Nischenprogramm und einer ausgewählten, überschaubaren Anzahl an Künstlern ging das Appletree Garden vergangenes Wochenende in eine neue Runde. Auch abseits der Trommelfell-Beschallung hatte das Fest inmitten der Apfelbäume mit einer Spielwiese samt Hängematten, Yoga-Kurs im örtlichen Freibad und einem Fahrrad-Verleih einiges an Abwechslung zu bieten.

Als Appetizer für die mit allerhand Künstlern vollgepackten zweieinhalb Festival-Tage gab es schon am Donnerstag Abend einen ersten kleinen Vorgeschmack für alle früh angereisten Zuschauer, die die umliegenden Wiesen fröhlich mit ihren bunten Zelten bevölkerten. So konnten alle Interessierten mit den Wienern von Bilderbuch gemeinsam den Startschuss für alles Kommende legen, die allerdings ihrem eigenen momentanen Hype hinterher liefen und es versäumten, neben ihren teils bunten Hemden auch musikalisch für Akzente zu sorgen. Die folgenden Auftritte von und Balthazar hingegen brachten frischeren Wind in die Winkel des Geländes, das kaum nach Ende der Shows von einer Gewitterfront heimgesucht wurde und viele Besucher zurück in ihr temporäres Nachtlager auf dem Zeltplatz jagte.

Der nächste Tag gönnte dem Nässe-Pegel nur kurzzeitig Ruhe, was die hart gesottenen Festivalgänger aber nicht davon abschreckte, mit der lokalen Bimmelbahn im angezogenen Schneckentempo zum Freibad zu cruisen, bevor das musikalische Programm am frühen Nachmittag so richtig in Fahrt kommen sollte. Großer Pluspunkt des Appletrees – auf dem überschaubaren Gelände mit den zwei Bühnen erlauben es einem die zeitlich versetzten Sets der jeweiligen Acts, keine Show zu verpassen. Mit Highasakite aus Norwegen wurde ein Indie-Pop lastiger Tag eingeläutet, der sich geographisch gesehen einmal quer über den europäischen Kontinent zog. Während Highasakite mit ihren Songs Landschaftsbilder in die Luft malten, zog das deutsche Trio Xul Zolar aus Köln sich und dem Publikum die Tanzschuhe an und wurde abschließend lauthals bejubelt. Auch die in Luxemburg gegründete Band Natas Loves You, die mittlerweile in Paris ansässig ist, schürte mit ihrem unbeschwerten Sound die Bewegungsfreude der Zuschauer.

Dass die Popmusik bekanntlich in England zuhause ist, dürfte kaum jemanden verwundern. Mit Dan Croll aus Liverpool holten die Appletree-Veranstalter nun einen der momentan gefragtesten Newcomer aus Liverpool auf die Hauptbühne. Dieser ließ selbst die schwer gewordenen Füße in den Gummistiefeln wach werden und bot dem gut gelaunten Publikum eine Kostprobe seiner Palette an Ohrwürmern. Bevor es mit dem geheimnisvollen Secret Act des Festivals losgehen sollte, schob sich erst einmal ein ungebetener Gast, ein Wettertief, in den Vordergrund, das den restlichen Verlauf des Tages in eine wahre Wasserschlacht verwandeln sollte. Hundreds störte dies allerdings nicht bei ihrem Auftritt im Dämmerlicht, und so konnten sie dank eines überzeugenden Sets und atmosphärischer Tiefe dafür sorgen, dass die Ohren der Zuschauer gebannt auf das akustische Futter warteten.

Ein anderer, der von der abendlichen Regenflut im positiven Sinne profitierte, war der Amerikaner William Fitzsimmons. Seine Songs am Rande der Melancholie verwandelten die durch die Unmengen an Wassertropfen fortgespülte Leichtigkeit des Nachmittags in die perfekte Kulisse aus Wärmebedürfnis und Schwere. Auch wenn er den Fans laut eigener Aussage gerne Dampf gemacht hätte, er konnte ihnen dann mit heiterem Unterton doch nur den „sad shit“ anbieten. Und das ist beim bärtigen Singer-Songwriter bekanntlich kein Nachteil.

Zu später Stunde konnten die längst vom Dauerregen durchweichten Besucher weit nach Mitternacht den aufgetürmten Klangwelten des Soundtüftlers Son Lux lauschen. Ein ausgebügelter Fauxpas der Veranstalter auf organisatorischer Ebene gewährte dem amerikanischen Komponisten noch einen Platz auf der Hauptbühne. Der für Samstag angekündigte Auftritt wurde kurzfristig um einen Tag nach vorne verlegt und so brachte der Kontrast aus teils filigranen, teils gewaltigen Akkord-Erschütterungen auch die letzten Blätter im umliegenden Apfelhain zum Schaudern. Das lange Ausharren der Fans wurde auch vom Son-Lux-Mastermind Ryan Lott mit anerkennenden Worten gelobt, der die tropfend-nasse Menge als „Warriors“ bezeichnete. Wer zu diesem Zeitpunkt noch nicht aus der Puste war, hatte anschließend die Gelegenheit mit Klaus Fiehe und Berndsen die Nacht zum Tage zu machen und den feucht-fröhlichen Musikmarathon ausklingen zu lassen.

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