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Conor Oberst – Live im Postbahnhof, Berlin

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Es ist als Künstler nicht immer einfach ein Publikum in seinen Bann zu ziehen. Conor Oberst hat allerdings keine Mühe sich auch über gute zwei Stunden hinweg gehörig Aufmerksamkeit zu verschaffen. Bei seinem Konzert im Berliner Postbahnhof schwankte die aufgeladene Atmosphäre stets zwischen Intimität und vulkanartigen Ausbrüchen seiner Singer-Songwriter-Seele, die über die vielen Jahre seiner Musikerkarriere hinweg kein bisschen leiser geworden ist.

Dieses Mal als Backing Band von seinen Kollegen und Freunden Dawes aus Kalifornien begleitet, die gleichzeitig den Support des Abends übernahmen, spielte sich der Bright-Eyes-Sänger ab er ersten Minute an in einen wahren Rausch, bei dem er seine Band immer wieder auf’s Neue zu Höchstleistungen anstachelte. Fast am Ende der seit Mai andauernden Tour angekommen, hinterlässt Oberst nicht den Eindruck auch nur einen Funken seines energischen Auftretens zurückhalten zu wollen.

Die innere Getriebenheit verleitet ihn bis zum letzten verklingenden Ton dazu den gesamten Abend über gewohnt wortgewaltig und bisweilen ungestüm die Bühne und damit auch das Publikum für sich einzunehmen. Kaum ein paar Minuten sind vergangen, da klebt ihm das weisse Hemd verschwitzt am Körper, die Haare wirken zersaust und das Gefühl unbändiger Leidenschaft dringt aus jedem noch so kleinen Wort, das er mal voller Schmerz herausschreit, verletzlich flüstert, zischt oder emphatisch aus seinen Lungen presst.

Das ständige verbale, aber auch physische Aufbäumen ist ein wahrer Kraftakt für den Mann aus Omaha, der im Frühjahr sein neues Soloalbum „Upside Down Mountain“ veröffentlichte. Kein Gedanke, keine Songzeile oder auch Betonung lassen Zweifel daran, dass Obersts wacher Geist in Höchstform ist. Auch bei seinem neuerlichen Besuch in der Hauptstadt packt er seine Zuhörer förmlich an den Ohren, wühlt deren Seelenleben gründlich auf und ist in stillen wie in aufbrausenden Momenten nach wie vor einer der fesselndste Songwriter der Gegenwart.

Dabei tigert Oberst in regelmäßigen Abständen und mit weit aufgerissenen Augen von einer Ecke der Bühne in die andere, stampft aufgebracht und lautstark imaginäre Kerben in den Boden und vermag es dank der im Kopf entstehenden Bilder Song für Song ein Echo aus Leidenschaft und Entrüstung nach sich zu ziehen während er seine Texte mit allerhand Gesten in die Luft zeichnet. Nach einigen Songs entschuldigt er sich mit Ironie in der Stimme für die vielen traurigen Songs bei den Fans, die unbeabsichtigt in dieser Menge den Weg auf die Setlist gefunden haben. Neben sechs neuen Stücken, u.a. „Hundreds Of Ways“, „Artifact #1“ oder „Time Forgot“, sind es vor allem Bright-Eyes-Klassiker wie „Old Soul Song (For The New World Order)“, „Method Acting“ oder auch „Poisen Oak“, die die Zuschauer aus ihrer leichten Starre reissen.

Mit „Ladder Song“ ergreift Oberst dann gegen Mitte des Konzerts die Gelegenheit dem verstorbenen Robin Williams zu gedenken und im Vorfeld seine Ängste in Bezug auf den Freitod selbst zu äussern. Aber auch Songs über Vergebung und den Strand („Get-Well-Cards“) oder Musikfestivals („Governor’s Ball“) sind Teil der Setlist, die sich insgesamt großzügig über das Werk des Conor Oberst erstreckt und mit „Roosevelt Room“ einen wahren Orkan als Finale lostritt. Eine Bierfontäne entlädt sich aus der Kehle des Sängers, die letzten Energiereserven werden über den Bühnengraben gejagt und die Finger an den Instrumenten wund gespielt.

Ein paar in Richtung Publikum verteilte Kusshände später und mit sichtlich zufriedenener Miene verlässt Oberst die Bühne im Laufschritt und wird selbst noch nach dem Anknipsen der Raumbeleuchtung lautstark von den Fans für dessen eindringliche, explosive, aber auch ergreifende Show mit andauerndem Applaus gewürdigt. Die eben noch versprühte Intensität bleibt selbst danach noch spürbar in der Luft und in den Köpfen der Umstehenden hängen, die teils euphorisch, teils beseelt den Weg in die Dunkelheit antreten. Zusammen mit der Erinnerung an einen Abend, dessen hohes Maß an dynamischer Stärke jeden Winkel des Postbahnhofs erfüllte und dabei auch der so zentralen grüblerischen Versunkenheit genügend Platz gewährte.

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