Dan Bodan – Soft – Himmelreich der Gefühle

Dan Bodan ist ein gebürtiger Kanadier, der in Berlin lebt. Wenn es Musiker nach Berlin zieht, suchen sie meist nach Inspiration. So gesehen muss schon was dran sein an der bunten Hauptstadt. Nicht umsonst entstand hier David Bowies Trilogy “Low”, “Heroes” und teilweise “Lodger”. Auch U2 erfanden sich mit “Achtung Baby” neu in Berlin.

Mit “Soft” hätte Dan Bodan keinen besseren Titel für sein Album auswählen können, dieses Album lullt einen vom ersten Song an richtig ein. An manchen Stellen erinnert Dan Bodan an Bryan Ferry oder an rezentere Acts wie zum Beispiel Toro Y Moi. Das Grundtempo der ersten Nummer ist überraschend flott, die Harmonien kreisen mäandernd um sich selbst, ohne je eine Auflösung zu finden.

Bei den ersten Durchgängen erweist sich “Soft” wahrlich als schwerverdaulicher Brocken, der erst mit jedem neuen Durchgang an Profil gewinnt und so langsam einen Blick auf die wunderbaren Melodien freigibt. Und die gibt es hier en Masse. Sei es beim wunderbaren Opener “A Soft Opening”, beim leisen, schon fast croonerhaften “For Heaven’s Sake” oder beim runtergepitchten Funk von “Reload”. Spätestens beim vierten Durchlauf kann man sich der Magie der Stücke nicht mehr entziehen. Die Kombination aus der einzigartigen Stimme von Dan Bodan und der scheppernden, rumpelnden und teilweise fast schon nervenden Instrumentierung ist einfach einzigartig.

Die unheimliche Größe von “Soft” wird auch dadurch deutlich, dass der Höhepunkt zu diesem Zeitpunkt – in der Mitte des Albums – noch gar nicht erreicht wurde. Der wird zunächst mit “Rusty” eingeleitet. Bedrohlich stampfende Beats, ein stoisch wiederholter Synthie-Loop, ein mörderisches Tempo und dann wiederum Dan Bodan, gefühlte zwei Oktaven über normal, beschwörend und von unvergleichlicher, hypnotischer Intensität. Schließlich setzt eine E-Gitarre ein, dröhnend und hektisch pulsierend. Nach vier Minuten bleibt man erschöpft zurück, atemlos und entrückt, weil es ist, als ob man von dieser Musik einfach überrollt wurde.

So ist man schließlich erschlagen, aber stolz, diesen Berg erklommen zu haben. Von seinem Gipfel aus wirkt der Horizont größer, die Welt zwar nicht verständlicher, aber klarer und besser erträglich, und schließlich erkennt man: Weit und breit ist kein zweiter Berg in Sicht, dessen Höhe sich auch nur annähernd mit “Soft” messen lassen könnte.

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