Eigentlich musizieren die Jungs aus Zwickau ja schon seit 2002 miteinander und haben 2012 ein Album namens “Antacids” herausgebracht. Dieses jedoch unter ihrem vorherigen Namen The Buyable Sluts Wanted For Stealing Virginity. Diesen mussten sie jedoch aus rechtlichen Gründen ändern und heißen ab 2014 No Jaws, was auch vielleicht von Vorteil sein mag, denn dieser ist ein bisschen leichter zu merken als ihr vorheriger. Mit “Young Blood” kommt nun also ihr Debüt als No Jaws heraus.

Was sie uns hier uns präsentieren, ist hübscher Indie-Rock mit Anleihen an Bands wie Nirvana und Dinosaur Jr. Sie als Post-Grunge abzustempeln, wäre sicherlich falsch, denn dieser fragwürdige Titel gehört schon den Posern und Trauerklößen Creed und Staind. Nein, hier bekommen wir Rohkost aufgetischt, will heißen, dass die Produktion an Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre erinnert und wenn man ein Stück wie “Fanal” nimmt, ist der Vergleich mit Nirvana nicht von der Hand zu weisen.

Klingt dies jetzt alles originell? Mit Sicherheit nicht. Klingt es gut? Ja! Glattgebügelte und aufgesetzte Musik bekommen wir schon jeden Tag im Überfluss geboten, also tut es wieder mal gut, etwas “back to the roots”-Musik, im wahrsten Sinne des Wortes, vorgelegt zu bekommen. Ein Stück wie “Ra” könnte auch aus der Feder von J Mascis stammen, eine etwas leidende Stimme mit der dennoch kraftvollen Gitarrenarbeit. Der Gesang ist etwas weinerlich, gebrochen, aber auf keinen Fall so, dass dieser nerven würde, sondern er wirkt wirklich authentisch. Wenn man genau hinhört, passt das Tempo vom Gesang nicht so recht zum nach vorn rockenden Hintergrund. Aber das ist wirklich reine Gewöhnungssache, und wenn es Klick macht, fühlt man sich, wie wenn man darin schwimmen würde.

Doch sind es vornehmlich diese erweichenden, ergreifenden Melodien, die erst durch die zerstörerische Wucht der letzten Sekunden von “Phalanx” vertrieben werden können. Die Songs wachsen zu wahren Giganten an, die man am liebsten personifizieren würde. Treue Freunde sind das, die verstehen und beraten, die am Tresen sitzen und einen mit dir trinken. “Young Blood” trägt alle Signaturen von drei blind korrespondierenden Musikern. Ihre Gemeinsamkeit: die Sozialisierung mit Punk, die Nähe zum Grunge, die Einflüsse des Noise-Rock à la Sonic Youth, die Liebe zu Neil Young. Hier schimmern Melodien durch Gitarren-Wälle und Distorsionen und reißen einen mit den Hooklines mit.

Bittersüße, Katharsis, Leidenschaft, Ängste, Aggressivität, Melancholie und Intensität verwandeln “Young Blood” während seiner fast 40-minütigen Kernschmelze in ein Rock-Kraftwerk.

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