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Andrea Schroeder – Live im Theaterhaus, Stuttgart

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2014 war definitiv das Jahr von Andrea Schroeder. Mit „Where The Wild Oceans End“ hatte sich das „Blackbird“ des Debütalbums freigeschwommen und legte direkt am Hafen von Nick Cave an. Dies ist eine naturgemäß zu kurz greifende Umschreibung der Chansonette Noir aus Berlin. Schließlich tauchen in ihrem Zusammenhang wiederholt Namen wie Patti Smith, Nico, Marlene Dietrich, Hildegard Knef und einige andere in Platten- oder Live-Reviews auf.

Gerade auf der Bühne zeigt sich eine Künstlerin mit einer ebenso freundlich-sympathischen wie geheimnisvollen Aura, die auch auf den Studioaufnahmen wahrzunehmen ist, im Konzert jedoch präsenter und raumgreifender in Erscheinung tritt. Desgleichen rücken die Live-Performances die Eigenständigkeit ihrer Songs und ihrer Person ins regelrechte Scheinwerferlicht.

Im Stuttgarter Theaterhaus sind es Lichter in Blau, Gelb und Rot, die uns eine der besten zeitgenössischen Singer/Songwriterinnen vor Augen führen. Nach einem herantastenden Beginn, gewinnen die Protagonistin und ihre fünfköpfige Band eine Sicherheit und Reife, die ihre Nachtschattengewächse förmlich zum Glimmen und Leuchten bringen. Wer Schroeders Output kennt, für den sind Titel wie „Where The Wild Oceans End“, „Ghosts Of Berlin“, „Paint It Blue“, “Dark Nightingales”, “Summer Came To Say Goodbye”, “Wrap Me In Your Arms”, „Helden“, “Until The End” und andere längst Hits im Sinne von ins Gedächtnis eingegraben. In den Live-Versionen scheint man diesen quasi beim Entstehen zuzusehen wie aus einem Gitarrenakkord oder Trommelschlag ein spannungsgeladener Song entsteht.

Jesper Lehmkuhls zurückgenommenes und sich aufs Wesentliche konzentrierende Akustikgitarrenspiel glimmt flüchtig wie Sternschnuppen am Himmel, hinterlässt jedoch bleibende Erinnerungsspuren beim Hörer. Mit der elektrischen erweckt er die Geister von Velvet Underground und naturgemäß die seiner eigenen Band Farmen. Chris Hughes‘ präzise Trommelschläge bersten vor dunkler Spannung und aufregendem Drama, sie werden mit einem rumorenden Bass unterfüttert, der sich an die samt-warmen Phrasierungen von Schroeder schmiegt. So wird ein von Kontrasten und Gegenpolen immer wieder zusammenwachsendes Klangbild erzeugt. Dabei wird Andrea Schroeders ebenso charmante wie verrucht-verrauchte Stimme einige Male von ihrem anmutigen Spiel auf dem Harmonium und der Shruti-Box untermalt.

Ganz besonders in Szene setzt sich Catherine Graindorge, sie ruft einem John Cale oder Warren Ellis (The Dirty Three, Grinderman, The Bad Seeds) ins Gedächtnis mit flirrend-schwirrenden oder kratzbürstigen Violinen-Figuren, die sie mit Loops noch zu steigern versteht. Mike Strauss an den Keyboards hält sich merklich zurück, setzt jedoch bei einigen Songs bemerkenswerte Akzente, die die Songs bereichern. Diese nachtschwarzen, glimmenden Lieder einem Genre unterzuordnen, erweist sich als schwer. Die sechsköpfige Formation schwenkt von Americana Noir, gespenstischem Folk-Rock zum Chanson und kehrt wiederholt zum Dark Australian Blues eines Nick Cave zurück.

Vor langer Zeit war ein gewisser Hugo Race bei jenem Nick Cave in der Band. An diesem Konzertabend taucht der längst als Solo-Künstler etablierte Race nach einer wunderbaren Version von Bowies „Helden“ als Gast auf. Im Duett geben Schroeder und Race eine dunkel-romantische Version von „Cry Me A River“. Und Schroeders ergreifende Interpretation von Jacques Brels‘ „Ne me quitte pas“ scheint ihr förmlich auf den Leib geschrieben und geht einem direkt unter die Haut.

Als weiterer Überraschungsgast tritt Schroeders Produzent Chris Eckman (The Walkabouts, Distance, Light And Sky u.v.a) in Erscheinung. Mit ihm intoniert sie einen poetischen „Walk Into The Silence“, der das Publikum hinaus in die Stuttgarter Nacht entlässt.

Einziger Kritikpunkt dieses eindringlichen Konzertabends bleibt die viel zu geringe Anzahl von erschienenen Zuschauern, denn die Kunst dieser sechsköpfigen Formation hätte eine ähnliche Schar, wie sie etwa Nick Cave anzieht, verdient.

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