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Bärte aus Bequemlichkeit – Bear’s Den im Interview

Aus der Abteilung: Bärtige Burschen mit bärigen Bandnamen. Heute: Bear´s Den. Sanfter Indie-Folk mit ein paar frech verstörenden F-Wörtern zwischendrin. Ah! Gutes, altes Singer-Songwritertum! Bär, da bläst er! Bear´s Den, alias Joey Haynes,  Andrew Davie und Kev Jones gondeln mit ihrem 2014er Lang-Debüt “Islands” kreuz und quer durch die Weltgeschichte. Heute Glasgow, morgen Newcastle. Und in Kürze Hamburg, München und Köln. Brumm brumm! Dank dem brandneuen Wunderwerk der Technik namens “Telefon” ist es möglich, der Bärenbrüder vor ihren germanischen Konzerten habhaft zu werden. Der Clou dabei: Zuerst klingelt das Labelmanagement von London nach Deutschland durch, nur um die MusikBlog-Redaktion dann weiter nach USA in den Tourbus durchzustellen. Ein tolldreistes Telefon-Abenteuer. Hallo 21. Jahrhundert! Die empfangshemmenden Mammutbäume Kaliforniens tragen ihr übriges zu einer möglichst aufregenden Unterhaltung bei. Glück auf! Und allen Geheimdiensten viel Spaß beim Abhören.

“Tu Tu Du Du” – (Noch befinden wir uns in der spannenden Londoner Telefon-Warteschleife) – “Tu Tu Du Du”

Nach nur sieben Komma vier Minuten dann ein Knacken in der Leitung: “Krrrrrxxxxxx”. Noch ein “Klick” und schon haben wir Andrew Davie, den Sänger von Bear´s Den am Apparillo.

Andrew Davie: Hallo?

MusikBlog: Hallo, Andrew, wie geht´s?

Andrew Davie: Danke, gut. Und selber?

MusikBlog: Naja, das Gedudel der Telefon-Warteschleife hat mich etwas schläfrig gemacht. Aber jetzt ist wieder alles in Butter.

Andrew Davie: Sehr schön.

MusikBlog: Wo seid ihr denn gerade?

Andrew Davie: Hm, so hundertprozentig genau weiss ich das gar nicht. Wir nähern uns wohl San Francisco.

MusikBlog: Heidewitzka! Ganz schön weit weg von Deiner Heimat London.

Andrew Davie: Ja; stimmt. Für Joey ist´s aber noch weiter weg. Er stammt ja ursprünglich aus Norwegen.

MusikBlog: Bleiben wir in den USA. Wenn man eure Biographie liest, stösst man öfter auf eure große Liebe zu Maurice Sendaks Bilderbuchklassiker “Wo die wilden Kerle wohnen”.

Andrew Davie:  Ja, ich finde das Buch immer noch sehr inspirierend. Als ich klein war, habe ich mich stark mit Max identifiziert. Das ist der Junge im Wolfskostüm, der von zu Hause weg läuft. Irgendwie behandeln unsere Songs auch ähnliche Themen wie “Wo die wilden Kerle wohnen”.

MusikBlog: Aha?

Andrew Davie: Es geht darum, wie Du mit Problemen umgehst. Was es bedeutet, erwachsen zu werden. Dass Du in Deinem Leben dauernd mit Veränderungen konfrontiert wirst. Wahrscheinlich bin ich der einzige Mensch, der “Wo die wilde Kerle wohnen” so interpretiert. (lacht)

MusikBlog: Hast Du denn die Film-Adaption von Spike Jonze gesehen?

Andrew Davie: Ja, klar. Ich bin großer Fan von Spike Jonze. Mir hat der Film sehr gut gefallen. Insbesondere weil ich finde, dass das Buch sehr schwierig auf die Leinwand zu übertragen ist.

MusikBlog: Hm. Mir war der Film etwas zu hippie-mässig. Die Werbung hat versucht, ihn als freundlichen Monsterspaß zu verkaufen, aber der Film war doch sehr düster und dialoglastig. Hatte eher was von ´ner Therapie-Stunde.

Andrew Davie: Ich verstehe genau, was Du meinst.  Wie gesagt, ich finde, dass die Geschichte diese Art von Interpretation zulässt. Aber es stimmt, dass der Film eher auf ein erwachsenes Publikum ausgerichtet ist.

MusikBlog: Apropos erwachsen: Ich war überrascht, dass es auf eurer sanftmütig klingenden Platte doch ab und an ein paar deftige Schimpfwörter zu hören gibt.

Andrew Davie: Puh! Wie soll ich das erklären? Naja, ich mach´ das nicht, um den Macker rauszuhängen zu lassen. Das muss schon aus einem inneren Bedürfnis kommen. Manchmal ist es eben notwendig, dass ein Song so ein Wort braucht. Dafür sind diese Wörter schließlich da.

MusikBlog: Ihr habt euch wahrscheinlich keine Gedanken gemacht, ob euer Album wegen der paar Schimpfwörter in den Staaten vielleicht einen Warn-Aufkleber bekommt. Von wegen: “Parental Advisory: Explicit Content”.

Andrew Davie: Nö. Falls das passieren sollte, würde es wohl falsche Erwartungen schüren (lacht).

MusikBlog: Kommen wir zum wichtigsten Thema: Sämtliche Mitglieder der Band sind Bartträger. Welche Philosophie steckt dahinter?

Andrew Davie: Wahrscheinlich eine Mischung aus Faulheit und Bequemlichkeit. (lacht) Ach, keine Ahnung! Da hab ich noch nie drüber nachgedacht!

MusikBlog: Prima. Hierzulande war das Bärtetragen bei Hipstern ja mal ´ne richtige Modeseuche.

Andrew Davie: Also, ich hab meinen Bart, seitdem ich 18 bin. Ich persönlich finde, dass wir uns mit unseren Bärten ganz gut von anderen abgrenzen. Die Bärte gehören zu uns. Aber wir sitzen nicht die ganze Zeit im Bus und schnippeln an den Teilen rum. Funktionalität ist uns da wichtiger.

MusikBlog: Und es gibt keine Geheim-Klausel, dass sämtliche Mitglieder von Bear´s Den zu jeder Zeit im Besitz eines Barts sein müssen?

Andrew Davie: Soweit ich weiß nicht (lacht). Uns geht´s weniger ums Aussehen, als um das, was wir tun.

MusikBlog: Ihr habt ja auf einigen Festivals gespielt. Wie fühlt sich das denn an, wenn ihr mit euren extrem persönlichen Akkustik-Songs vor X-Tausend Leuten auftretet?

Andrew Davie: Ja, das kann schon ein ziemlich gruseliges Gefühl sein. Aber wir haben echt Glück, dass wir überhaupt vor so vielen Zuhörern spielen können.

MusikBlog: Und was macht ihr vor solchen Auftritten? Irgend ein Ritual? Ein Gläschen Hochprozentiger?

Andrew Davie: Naja, manchmal trinkt der eine oder andere von uns vorher vielleicht ein Schlückchen. Diese großen Menschenmengen sehen von weitem echt furchteinflößend aus. Aber wenn Du erstmal auf der Bühne stehst und die Leute vor Dir im Publikum siehst, ist es eigentlich egal, wie viele  da sind. Wir spielen im Grunde so viele Shows, dass wir da gar nicht mehr so viel drüber nachdenken.

MusikBlog: Als ich “Islands” das erste Mal  hörte, musste ich spontan an Steve Martin denken. Der hat nicht nur in den 1980ern und frühen 1990ern in vielen guten Filmen mitgemischt. Sondern er ist ja auch flott am Banjo unterwegs.

Andrew Davie: Ja, Steve Martin ist ein ziemlich guter Banjo-Spieler. Leider kenne ich nur sehr wenige seiner Alben.

MusikBlog: Macht doch mal was zusammen!

Andrew Davie: (lacht) Gute Idee. Das wäre natürlich toll!

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

 

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