In unzähligen Varianten der Kunst dargestellt, beschrieben und besungen, reicht die unendliche Strahlkraft der Liebe weiterhin, um wie jetzt von Nichtseattle auf ganzen Alben bedacht zu werden.
Wenn sich Katharina Kollmann dieser Emotion annimmt, bleibt das Kernthema von „Dallas“ bis Mecklenburg-Vorpommern zwar identisch, geht bei einer der ausdrucksstärksten einheimischen Songschreiberinnen aber weit über das Parterschaftslevel hinaus.
Das triggernde Netzwerk aus Familie, Freunden und Seelenverwandten steht bei der Protagonistin im Mittelpunkt, Menschen, bei denen ein ehrliches „pass auf dich auf“ mehr bedeutet, als es Rosensträuße ausdrücken könnten – alles geprägt von einem Umfeld, in dem „River Cola“ die Basis der Mixgetränke ist.
Die Single „Meine Ladies“ glüht vor tiefer Empathie, ein Song, der geprägt ist von Respekt und der Dankbarkeit, mit diesen Frauen die Gegenwart zu teilen. Hier trifft der Erzählton der – von einem epischen Arrangement getragenen – Hymne an die tragenden Säulen der Gesellschaft das Timbre der großen Tamara Danz von Silly.
Wie auf „Haus“ kann auch dato die inhaltliche Verflechtung von Privatem und Politischem nicht aufgelöst werden, jene Umstände, die die Seele in eine exponierte Lage versetzen und von denen die Geschichten der Platte klug, profund und authentisch über persönlichkeitsblockierende Schatten der Vergangenheit erzählen, ebenso vom Willen, autark Entscheidungen zu treffen.
Mit viel Liebe sind auch Katharina Kollmanns Mitmusiker*innen präsent, spielt das Quartett um Sönke Torpus – bei dieser Ausgabe Co-Produzent – mit Gitarre, Bass, Schlagzeug, Trompete, Flügelhorn und Synthies eine warme Grundierung, die melancholieverstärkend, teil-euphorisch, opulent oder reduziert der Platte einen würdevollen Rahmen geben.
Für Momente lassen die Kompositionen in Momenten an Wuhling denken, die in den 90ern mit einer entkernten Indie-Spielart einen unterbewerten Beitrag zum Diskurs-Pop lieferten, sinken unter der Last der Worte tief in den „Schnee“ ein, wühlen sich mit ihren Akkorde bis ans untere Ende der Realität, fallen dynamische Hooks bis die „Wildeste Nacht“ einfach vom Himmel.
Wäre „Große Liebe“ ein Film, dann sollte er mit „großes Arthouse-Kino“ beschrieben werden.
