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Digger Barnes – Live im Schauspiel, Leipzig

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Tradition haben sie, die Neujahrs-Konzerte im Schauspiel Leipzig. Erdmöbel läuteten hier schon musikalisch das neue Jahr ein, auch PeterLicht machte an dieser Spielstätte den Auftakt für die frischen 12 Monate. 2015 war nun mehr als nur ein Konzert angekündigt. „Digger Barnes und Pencil Quincy präsentieren „The Diamond Road Show“ konnte man seit Wochen an den Plakatwänden der Stadt lesen. Dass es sich bei Digger Barnes nicht um den alkoholkranken Grundstein-Leger des Ewing-Imperiums aus der TV-Serie „Dallas“ handelt, sondern um einen Musiker aus Hamburg, hat sich inzwischen herumgesprochen. Entsprechend zahlreich waren die Leipziger, von Punk bis gutbürgerlich, am ersten Samstag des Jahres erschienen.

Pünktlich wie im Theater gewohnt, klingelte 20 Uhr die Glocke zum dritten Mal und der Support kam auf die Bühne. Dieser war entgegen sonstiger Konzert-Gewohnheiten keine Vorband, sondern ein Vorleser. Der Schriftsteller Franz Dobler (außerdem Journalist, DJ und Country-Kenner) setzte sich an einen mit einer Leselampe bestückten Schreibtisch und begann seine 45-minütige Vorlesung. Überwiegend gab es amüsante Kapitel aus seinem Buch „Ein Bulle im Zug“, von denen der Absatz mit den Bullen-Witzen wohl am längsten in den Köpfen des Publikums hängen bleiben dürfte. Am Ende gab ein dann noch einen Auszug aus einer weiteren Zusammenarbeit mit Barnes und Quincy für eine Produktion in Bremen, dort unter den Namen „The Diamond Motel“, aus der der Autor während des Konzertes las.

15 Minuten Pause, dann kam Digger Barnes mit – und das war eine Premiere – seiner dreiköpfigen Band auf die Bühne. Vom ersten Ton an fühlte man sich in ein Roadmovie Marke „Paris, Texas“ versetzt, als säße man auf einer zwei Meter breiten Cadillac-Sitzbank, vor sich den endlosen Highway im fahlen Licht der Scheinwerfer. Zwar klingt sein aktuelles Album „Frame By Frame“ etwas nach Hipster-Country, aber natürlich wird auch auf Material der Vorgänger „Every Story True“ und „Time Has Come“ zurückgegriffen.

Unterstützt durch seine Gäste kann der gebürtiger Kieler live die Akzente etwas anders als auf den Platten setzten. Eine Americana-Country-Blues Mischung, die irgendwo zwischen Calexico, Johnny Cash und Bluegrass zu Hause ist, wird mit Banjo, Xylophon, Gitarre, Kontrabass erzeugt, und die kann gelegentlich auch richtig lärmen. Barnes, der mit bürgerlichen Namen Kay Buchheim heißt, gräbt seit mittlerweile 15 Jahren Geschichten von zwielichtigen Gestalten aus, erzählt von Freunden, die wahlweise durch Kokain oder eine Flasche Gin aus dem Leben scheiden. Von schäbigen Motels, die wir spätestens seit der Flucht von Sailor und Lula („Wild At Heart“) kennen ist die Rede, aber auch vom ehrlichen Tankwart an der Strecke.

Stilecht gab der Sänger, der neben Banjo und Akustik-Gitarre auch noch die Mundharmonika und mit den Füßen das Schlagzeug bedient, im Bubble-Gum Englisch seine Anekdoten zum Besten: Von der Notwendigkeit, in der Wüste Wasser und Benzin in ausreichender Menge mit sich zu führen, bis zum Cop, der ihn in der Stadt nach Mitternacht nicht mehr sehen will. Alles wird visuell kongenial von Pencil Quincy (auch sonst für seine Videos verantwortlich) und seiner magischen Laterne begleitet, der mit seinem Trickfilm-Projektor Finsterlinge, Kakteen und jede Menge Regen auf die große Leinwand hinter den Musikern projiziert. Nach 70 Minuten gibt es einen letzten Walzer und ein „Cheers“ auf alle Drifter dieser Welt.

Frenetisch der Beifall nach Abgang des Quintetts und postwendend sitzen die Akteure wieder an ihren Plätzen, um weitere zwei Stücke zu spielen. „What Will We Do“ greift mit der Bitte „Will you wait for me down by the Railroad Crossing where trains do not cross anymore“ dabei noch einmal tief in die Gefühlskiste. Nach abermaligem Verabschieden gingen die Lichter bereits an, für ein letztes Stück kamen Barnes und seine Mannschaft aber doch noch einmal zurück. Mit „Winners and Loser“, dem letzten Stück seiner aktuellen Platte entließ er das Auditorium um kurz vor elf in die Nacht, nicht ohne sich vorher ein Wiedersehen an der Bar zu wünschen. Leider blieb im Verborgenen, welche er genau gemeint hat und so bleibt für die Besucher die Erinnerung an einen außergewöhnlichen Abend mit einer großen Show.

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