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And The Golden Choir – Another Half Life – Der traurige Chormeister

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Tobias Siebert ist Sänger und Gitarrist der Band Klez.e und war bis 2012 Gitarrist der Band Delbo. Jetzt ist er mit seinem Soloprojekt And The Golden Choir aktiv und bringt „Another Half Life“ auf den Markt. Auf dem Werk stehen keine breite Sounds und Gitarrensoli im Vordergrund, sondern Tobias Sieberts falsetto-artige Stimme und sein Klavier. Textlich dreht sich wie üblich alles ums Lieben und darum, darin zu scheitern.

So, wie höchstens noch Nick Cave, Blixa Bargeld oder Tom Waits begibt sich Tobias Siebert in die Rolle des stilsicheren, eleganten Herren, der das Unglück magisch anzuziehen scheint. Sein großes Kapital ist die dazu passende Stimme, diese unglaubliche Traurigkeit, die gleichzeitig klagen und schmachten kann. Das allein reicht eigentlich schon aus, um regelmäßig gute Alben zu veröffentlichen. Für die herausragenden Momente jedoch bedarf es einiger Elemente mehr und diese sind auf „Another Half Life“ nicht so präsent wie man sich das gewünscht hätte.

Zwar kann Tobias Siebert wunderbare Melodiebögen erzeugen, wie er auf „The Transformation“ oder „My Heaven Is Lost“ beweist. Auf Albumlänge jedoch mangelt es wegen der Fokussierung auf Balladen an Abwechslung. Geradezu düster macht sich das Album auf den Weg, mitten in der Polarnacht, bei Stromausfall und mit einer Flasche Rotwein. Durch dunkle, melancholisch wabernd-klagende Soundgewölbe schwelgt und brodelt das Album vor sich hin. Das Klavierspiel geht durch Mark und Bein und dringt in jede Faser des Körpers. Sie schneidet sich ins Unterbewusstsein, jedoch leider fast schon zu tief.

Man vermisst einfach ein paar Ausbrüche, die die gediegene Atmosphäre auflockern oder auch mal kleinere Schwachstellen überbrücken. Zwar sind die Stücke auf „Another Half Life“ einzeln genommen nicht schlecht, nur geht ihnen auf Dauer etwas die Luft aus. Sieberts Stärke war es bislang immer, so wunderbar mit Harmonien zu spielen, dass bestimmte Songs sich sofort festsetzen. Auf „Another Half Life“ geht vieles im immer gleichen Grundrauschen unter, es fehlt das spannungsgeladene Zusammenspiel zwischen laut und leise.

So ist dieses Soloalbum trotz hohem Niveau zu handzahm. Hier haben wir Songs, die ans Herz gehen, vorgetragen von einer der enthusiastischsten Stimmen der jüngeren Musikgeschichte, die keinen umwerfenden Wandel in seiner Musik darstellen. Es sind Songs, deren Eindringlichkeit einem durchaus das Atmen schwer machen kann, zu schwer.

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